27. März 2014: Tour ins Waldviertel

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Ich hatte mir heute freigenommen, um Überstunden abzubauen, die ich andernfalls zum Ende des Monats verloren hätte. Das Wetter der letzten Tage hatte sich deutlich gebessert, und so lag der Gedanke an eine Ausfahrt nahe. Meine Eltern waren seit einigen Tagen wieder in ihrem Haus im Oberen Waldviertel, und da mein Vater einige für ihn wichtige Kleinigkeiten in ihrem Winterdomizil in Wien versehentlich zurückgelassen hatte, beschloss ich sie ihm zu bringen. Das würde mir auch die Gelegenheit geben, festzustellen, ob die Nebenstraßen in dieser herrlichen Bikerregion schon einigermaßen schotterfrei wären.

Ich machte mich gegen 10 Uhr auf den Weg, fuhr zuerst die A22 und dann die S5 Richtung Krems und bog danach nach Grafenwörth zum Schloß Grafenegg ab, das in den letzten Jahren zu einem beachtlichen Kulturzentrum ausgebaut worden war. Es war dies mein erster Besuch überhaupt, obwohl ich bereits so viele Male in der Nähe vorbeigefahren war. Das Schloß liegt in seiner malerischen Pracht in einem weitläufigen Park mit diversen alten Nebengebäuden, darunter eine Reitschule, und neuarchitektonischen Auditorien, welche zusammen ein interessantes Gesamtensemble ergeben. Hier einige Eindrücke:

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Der Frühling hatte Einzug gehalten, und die in voller Blütenpracht stehenden Ostbäume sahen einfach herrlich aus.

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Nach kurzem Spaziergang, bei dem mir ein freundlicher kleiner Junge von etwa zwei Jahren, der mit seinem Großvater im Park unterwegs war, unbedingt einen Löwenzahn schenken wollte und dafür mit einer Runde Hochheben belohnt wurde, was er sichtlich genoss, ging es wieder zurück zum Parkplatz. Zwischen diversen Bauten fand sich ein Beispiel des opulenten katholischen Erbes der Barockzeit in Österreich.

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Über Krems und das Kremstal führte die Strecke weiter nach Senftenberg, wo ich endlich einmal die Ruine fotografieren konnte.

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Die alte Hochburg wurde im Jahre 1645 von schwedischen Truppen unter General Torstenson erobert und niedergebrannt, sie wurde nie wieder aufgebaut.

Das sechs Kilometer lange Waldstück vom Kremstal hoch nach Gföhl wurde mit viel Freude in Angriff genommen, denn die Straße war schotterfrei, und so konnte ich mich besser an die optimale Schief- und Straßenlage nach einer zum Glück nur kurzen Winterpause herantasten. Von diesem Abschnitt gibt es keine Fotos, denn ich wollte den eleganten Fluss der Fahrt nicht unnötig unterbrechen – Biker werden das sicherlich nachvollziehen können!

Über Jaidhof führte die Streck nach Krumau am Kamp und dann weiter die Kamptalstauseen entlang. Die Bäume waren noch nicht belaubt, und so bot sich ein guter Blick auf die diversen Burgen, Schlösser und Ruinen, die diese alte Handelsroute säumten. In den Serpentinen nach Krumau fand sich einiges an Schotter, Achtsamkeit in den Kurven war angesagt.

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Weiter ging es zum Dobrastausee, in dem die gleichnamige Ruine auf einer Halbinsel die noch laublosen Bäume überragt. Hier einige Eindrücke der Landschaft, die von den drei in den 1950-ern erbauten Staumauern und -seen geprägt wird:

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Ein kleiner Eindruck des Zustandes der Nebenstraßen im Oberen Waldviertel Ende März…

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Der Stausee samt Ruine, die bewaldeten Hänge und die kurvige Straße waren mit Eindrücken meiner Solofahrt durch die schottischen Highlands im Juli letzten Jahres durchaus zu vergleichen.

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Nach einigen weiteren Kilometern kurviger Straße, auf der ich auf dem halben Meter zwischen Schotterbankett und durchgehender Schotterspur navigierte, erreichte ich die Staumauer des Kraftwerks Ottenstein.

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Auf einem exponierten Felsvorsprung rechts davon steht die bestens erhaltene Burg Ottenstein.

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Die Straße führte nun eine Anhöhe hinauf und querte etwas später den Stausee auf einer Brücke, von der aus man einen großartigen Blick auf die Ruine Lichtenfels werfen konnte. Auf einem kleinen Parkplatz unmittelbar vor der Brücke hielt ich an, um einige Aufnahmen zu machen.

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Nun wurde es langsam Zeit nach Bad Großpertholz zu kommen. Kurz vor Zwettl konnte man aus der Ferne den Kirchturm des gleichnamigen Stifts sehen. Plötzlich musste ich anhalten, denn ich erblickte einen Storch, der friedlich neben der Straße über eine Wiese schritt. Ende März hatte ich das in dieser Gegend noch nie gesehen!

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In Zwettl querte ich den alten Marktplatz, und fuhr dann weiter über Jagenbach und die landschaftlich so schöne Nebenstrecke nach Engelstein. Hier war es möglich ein Bild der Burg zu machen, die die meiste Zeit des Jahre durch hohe, belaubte Bäume nahezu komplett verdeckt ist.

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In Mühlbach bog ich nach Seifritz ab, um über Abschlag dem urigen Fassldorf einen Besuch abzustatten. Ich war wohl der einzige Besucher, denn es zeigte sich absolut niemand, obwohl die Türen der riesigen Fässer und der Wirtschaft offen standen.

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Das Fassldorf liegt direkt an der Haltestelle der Waldviertler Schmalspurbahn, die noch in meiner Kindheit täglich von Groß Gerungs nach Gmünd und zurück fuhr. Mittlerweile wurde sie eingestellt und fungiert nur noch als Ausflugsbahn, die bei dampflock-begeisterten Zeitgenossen großen Anklang findet.

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Die Spur’breite‘ der Bahn ist wahrlich ’schmal‘!SAMSUNG CAMERA PICTURES

Hier noch ein Blick auf die typische Landschaft meiner alten Heimat:

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In Bad Großpertholz befindet sich ein Schloß, das mitsamt den dazugehörigen Wäldern in den 1920-ern von der Firma Pfleiderer aus Neumarkt in der Oberpfalz gekauft worden war. Mein fränkischer Großvater war damals als Waldmeister mitgekommen, und hatte bald danach die Tochter des Schlossverwalters geheiratet. Tja, und so kam es dass ich in diesem Ort geboren wurde und hier aufwuchs. Nach dem Studium in Wien und zahleichen Auslandsaufenthalten verschlug es mich im Jahr 2000 nach Berlin und dann im Jahr 2007 eher ungewollt wieder zurück nach Wien. Meine Zeit hier neigt sich dem Ende zu, und ab August kann ich mein Motorradkennzeichen wieder auf ein mit B beginnendes umtauschen!

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Auch im Garten meiner Eltern machte sich der Frühling bemerkbar.

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Nach dem Mittagessen und netten Gesprächen, fuhr ich gegen 16 Uhr wieder los. Zuerst stattete ich dem Naturpark Nordwald Grosspertholz in Scheiben einen Kurzbesuch ab, fuhr weiter über Reichenau nach Rindlberg an Waldrändern vorbei, an denen sich noch vereinzelt größere Schneefelder fanden, und folgte danach der B41 nach Karlstift und der Böhmerwald Bundesstraße nach Langschlag bis Groß Gerungs. Hier bog ich Richtung Arbesbach ab. Der alte ‚Stockzahn des Waldviertels‘, der Rest einer bereits 1480 zerstörten Burg, erhob sich eindrucksvoll auf seinem Granitfelsen.

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Da ich nicht die gesamte Strecke nach Grein an der Donau fahren wollte, sondern wegen der bereits vorgerückten Stunde einen etwas direkteren Weg Richtung Melk und Wien suchte, fuhr ich wieder einmal die einsame und zwischenzeitlich ziemlich mit Schotter bedeckte Route über Bärnkopf nach Martinsberg, von dort auf diversen Kleinstnebenstraßen über Walpersdorf und Thumling (dem Navi sei Dank!) zur Zwettler Bundesstraße nach Pöggstall und folgte dem Weitental mit seinen schönen Kurven und zahlreichen Burgen und Ruinen bis zur Donau. Da ich mittlerweile den Eindruck habe, ich würde haupsächlich von Burg zu Burg fahren, schenkte ich mir weitere Aufnahmen bis auf eine des kürzlich mustergültig renovierten Schlosses Leiben.

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Ich querte die Donau bei Melk und konnte aus meinem rechten Augenwinkel einen roten Feuerball hinter den dunklen Hügeln des Waldviertels untergehen sehen, der von einem durch dichte Wolken hervorgerufenen Strahlenkranz umgeben war.

In Melk betankte ich die NC und freute mich über einen Verbrauch von 3,5 Litern Sprit pro 100 gefahrenen Kilometern. Über die A1 ging es nun rasch nach Wien zurück, wo ich gegen 18 Uhr 50 nach einer Strecke von 385 Kilometern ankam.

27-03-14 Waldvierteltour Höhenprofil

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