24. Mai 2015: Kurzbesuch im Kloster Chorin

24-05-15 - Chorin

An diesem schönen Pfingstsonntag lachte die Sonne am Nachmittag so freundlich vom Himmel, dass ich mich in meine Lederkombi schmiss und einfach ins Blaue hinausfuhr. Autobahn war wieder angesagt, da der Motordurchzug in schnelleren Bereichen noch zu wünschen übrig ließ. Nach einem Tankstopp und der eher mäßigen Fahrt durch die Nordberliner Kietzlandschaft ging es auf den Nördlichen Berliner Ring und der A11 Richtung Stettin. Bei der Ausfahrt Chorin nahm ich die L23 Richtung Britz und folgte anschließend der Angermünder Chaussee bis zum Kloster. Vorschriftsmäßig stellte ich die NC auf dem vorgesehenen Parkplatz etwa 400 Meter vorm Kloster ab und stapfte los. Sehr bald eröffnete sich dieser Ausblick auf die alten Klostermauern:

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Etwa 200 Meter weiter hügelabwärts befand sich der Zugang zum Kloster, der durch ein Empfangs- und Kassengebäude führte. Aus Zeitgründen nahm ich  leider davon Abstand, die 4 Euro Eintritt zu bezahlen und ging stattdessen nach einem Stopp am Begrenzungszaun, von dem aus man eine Teil der schönen Anlage überblicken konnte, wieder zurück zu meiner NC. Die Ruhe war herrlich, und das Kloster wird mich in naher Zukunft sicherlich länger sehen.

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Über Eberswalde und die 167 fuhr ich zur A11 zurück und konnte nochmals den Motor durchputzen. Es war schon spannend zu sehen, wie die NC bei Überholvorgängen im Sportmodus  und angezeigten 150 km/h vom 6. in den 5. Gang zurückschaltete, ordentlich Schub aufnahm und bei 165 km/h wieder in den 6. Gang hochschaltete. Nachdem ich das einige Male durchgeführt hatte, war die Motorenleistung deutlich besser als zuvor – und damit haben sich hoffentlich die letzten Hinterlassenschaften des Winters entgültig in Luft aufgelöst. Beim Kreuz Oranienburg bog ich auf die A111 ein und fuhr danach entspannt nach Hause. Die Strecke betrug 181 km.

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15. Mai 2015: Einfach nur raus…

15-05-15

Bei jedem Anklicken des Fahrtenbuches wurde mir in den letzten Wochen schwerer ums Herz. Seit Ende September hatte ich keine richtige Tour mehr gemacht, obwohl ich in der Zwischenzeit mehr als 2500 Kilometer praktisch nur in Berlin abgespult hatte. Als in den ersten schönen Tagen im März und April lautes Motorradgeknattere aus meiner Nachbarschaft ertönte, und ich krampfhaft versuchte meinem Schreibtisch zu entfliehen, siegte dessen Anziehungskraft über meinen Wunsch mich auf zwei Rädern auf ins Grüne zu machen.

Ich hatte einen  gewissen Leistungsabfall meiner NC bemerkt, und der Motor musste nach dem endlosen Herumgenudle in der Großstadt dringend durchgeblasen werden. So sagte ich meine Termine ab und schwang mich in den Sattel Richtung Spinnerbrücke. Dort reihte sich ein protziges Schlachtross neben dem anderen auf dem Gehweg ein, unergonomisch geformte Harley-Davidson-Lenkstangen zur vorsätzlichen Trocknung tropfender Achselhöhlen wechselten sich mit Stummellenkern customvermurkster Rennmaschinen ab. Zuhauf sah ich schleifsteingroße Hinterräder unter aufgeklebten Minisätteln mit dezibelspuckenden, chromblitzenden Motoren und dazu seltsam verhungert anmutenden Vorderrädern samt ihren martialisch-coolen Kuttenträgern mit Bart, Glatze und Bierbauch, die aneinandergereiht auf Holzbänken hockten, sich an ihren Bierhumpen festhielten und darauf warteten, dass alle nicht gleichermaßen bestückten Biker vor Bewunderung in die Knie gehen… Nein, das ist wirklich nicht meine Welt! Ich fuhr daher ohne anzuhalten gleich Richtung Wannseeinsel weiter, umrundete sie langsam und nahm mit Wohlwollen das eine kleine Häuschen mit davor parkendem alten Skoda Felicia war, das sich so erfreulich von den dort vorherrschenden Villenprotzbauten abhob.

Danach folgte ich der Königstraße, passierte die Glienicker Brücke, gedachte ihrer historischen Bedeutung als Ort der dort im Kalten Krieg erfolgten Agentenaustausche, bewunderte bei der Querung die grandiose Kulisse und fand mich umgehend in der bereits in Potsdam  liegenden Berliner Vorstadt wieder. An der russischen Kolonie Alexandrowka vorbei fuhr ich zur Universität Brandenburg, die sich unmittelbar hinter dem Neuen Palais Friedrichs II am westlichen Ende des Schlossparks von Sanssouci befindet. Zwischen dem Prachtbau und der neu sanierten, mächtigen Kolonnade mit Triumphtor liegt ein mit Originalziegeln aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgelegter und entsprechend ausgetretener Exerzierplatz. Man konnte sich so richtig vorstellen, wie der Alte Fritz auf dem kleinen Balkon des Palais stehend mit Stolz auf seine paradierenden Soldaten blickte. Leider hatte ich diesmal keinen Fotoapparat dabei – ich fand jedoch eine wunderbare Bilderserie mit geschichtlichem Hintergrund dazu im Internet.

Nach einem kurzen Rundgang kletterte ich wieder in den Sattel und fuhr weiter Richtung Spandau, schwenkte dann beim Fahrlander See nach Westen zur A10 und rollte bei geltenden 120 km/h nach Norden zum Autobahndreieck Havelland. Ab hier bis kurz vor der Abzweigung nach Tegel konnte ich meiner NC – und mir – den Gefallen tun, den Motor mal so richtig durchzublasen, denn die Ablagerungen und Schlieren, die sich den Winter über angesammelt hatten, mussten endlich weggebrannt werden. Das tat sowas von gut!

Über die A 111, Stople und Reinickendorf ging es unter einer Passagiermaschine im unmittelbaren Landeanflug auf Tegel nach Hause. 117 Kilometer waren es gewesen und keine eigentliche Tour, aber Freude pur. Ich nehme mir mal jetzt nicht vor, am Pfingstwochenende in den Oderbruch oder sonst wohin zu fahren – die Wahrscheinlichkeit, das Vorhaben nicht durchführen zu können, wäre leider sehr groß, aber davon zu träumen ist schon ein erster Schritt in die richtige Richtung…

28. September 2014: Ausflug zur Müritz

28-09-14 Müritz Karte

Es scheint, als käme ich in den letzten drei Monaten nur jeweils einmal dazu eine schöne Tour zu machen, was besonders im Hinblick auf die bevorstehende motorradlose Zeit eher unerfreulich ist. Ich hatte mit Freude den Wetterbericht für das Wochenende zur Kenntnis genommen, war am Samstag aber noch verhindert gewesen, doch den Sonntag ließ ich nicht ungenutzt verstreichen. Gegen 9 Uhr morgens tankte ich die NC voll und machte mich auf den Weg Richtung Müritz, die – so meine Erwartung – gerade im Herbst wunderschön sein musste. Immerhin handelt es sich um den größten zur Gänze in Deutschland liegenden Binnensee, mal vom Bodensee abgesehen, der ja, wie bekannt, zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich geteilt ist. Über Alt Tegel und Heiligensee, vorbei an teilweise beachtlichen, gutbürgerlichen Häusern, ging es Richtung Brandenburg. Der Kontrast zwischen West und Ost ist noch immer ersichtlich, da unmittelbar nach der alten Zonengrenze einige heruntergekommene Plattenbauten als Mahnmal des ehemals real existierenden Sozialismus Ostalgiker rasch in die Wirklichkeit zurückzuholen vermögen. Die diese ideologische Sackgasse ersetzende ‚Geiz-ist-geil-Gesellschaft‘ hatte ihre Einkaufs-tempel und Nahversorgungsgroßhandesketten etwas weiter in entsprechender Anzahl errichtet, und so gehen die letzten Relikte verblichener Visionen langsam aber sicher im Staub der Abrissbirne und der Schuttentsorgung unter.

Teilweise herrlichen Alleenstraßen folgend, ging es weiter über Velten, Johannisthal, Beez und Herzberg Richtung Neuruppin. Aus unerfindlichen Gründen schickte mich mein Navi dann plötzlich bei Radersleben auf eine dieser schrecklichen, aus der Kaiserzeit stammenden Kopfsteinpflasterstraßen, die der Alptraum eines jeden Genussfahrers sind. Sofern vorhanden, rollte ich mit 20 km/h auf dem engen Sandstreifen am rechten Rand dahin, und versuchte verbissen, den Schlaglöchern und angeschwemmten Schotterinseln auszuweichen, ohne dabei die Balance zu verlieren. Das war immer noch besser, als sich der Qual einer Ganzkörperschütteltortur auf der gepflasterten Straße auszusetzen. Nach etwa einem Kilometer waren des Kaisers Verfluchung nachgeborener Motorradfahrer durch ebenmäßige Klinkersteine ersetzt worden, die mich auf deutlich angenehmere Art durch einen verloren wirkenden Ort namens Pabstthum nach Wall führten. Einem eher versteckt stehenden hölzernen Wegweiser nach Wustrau folgend, ging es die Dorfstraße entlang bis zu einer schönen Wiese, an der die Straße im Nirgendwo der märkischen Sandbüchse endete. Ich zog mein allwissendes Navi zu Rate, aber die einzige Option, die es mir anbot, war umzukehren und die gleiche Strecke zurück nach Radersleben zu fahren. Ich glaube, wenn es gekonnt hätte, hätte es grinsend mit den Schultern gezuckt und mir die Zunge herausgestreckt…

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESMit einem Anflug von Verachtung klemmte ich dieses unnötige elektronische Versatzstück wieder in seine Verankerung und rollte die soeben hinter mich gebrachten neun Kilometer interessanter Bikererfahrung zurück.

Kurz vor Altfriesack bog ich rechts ab, um über Karwe und Gnewikow den Ruppiner See entlang nach Neuruppin zu gelangen. Nach der Querung des Seedammes parkte ich die NC in der Schinkelstraße und machte mich auf den Weg zu den Denkmälern von Schinkel und Fontane.

Neuruppin war von 1688 bis zum Abzug der Roten Armee 1993/94 Garnisonsstadt gewesen, und die lange Militärpräsenz hat im Stadtbild ihre Spuren hinterlassen. Im Jahre 1787 war nahezu die gesamte Stadt einem Großbrand zum Opfer gefallen, und der anschließend erfolgte Wiederaufbau erfolgte im frühklassizistischen Stil, der Neuruppin absolut sehenswert macht. Zur Zeit sind umfangreiche Bestrebungen im Gange, die bisher gepflasterten Straßen an moderne Fortbewegungsmittel anzupassen, was wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Schinkel steht jugendlich energisch auf seinem Sockel und sieht vor seinem geistigen Auge bereits die nächste architektonische Großtat Gestalt annehmen, während ein alternder Fontane reflektierend und an Worten feilend entspannt dasitzt und sich von seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg erholt.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESBeim Rückweg vom Denkmal Fontanes passierte ich das Gymnasium, welches dieser besucht hatte. Gegenüber befindet sich eine Statue König Friedrich Wilhelms II, die von den Bürgern Neuruppins zum Dank an die von ihm nach dem großen Brand geleistete Unterstützung beim Wiederaufbau der Stadt errichtet wurde. Nach 1945 gab es für royalistische Verehrung keinen Bedarf mehr, und so wurde die Statue entfernt und durch eine wuchtige Büste von Karl Marx ersetzt. Die bisherige Friedrich-Wilhelm-Straße wurde entsprechend in Karl-Marx-Straße umbenannt. Nach der Wende verschwand Karl Marx wieder und wurde in einer Nebenstraße geparkt, während der alte König erneut auf sein Podest gehoben wurde. Allein, die Straße wurde nicht wieder umbenannt, was wohl ein Versuch war, die vorhandenen ideologischen Befindlichkeiten nicht allzusehr in Wallung zu bringen.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESDie Büste steht an einer kleinen, gepflegten Grünfläche mit Springbrunnen, welche am gegenüberliegenden Ende von einem Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Faschismus begrenzt wird. Es hatte beinahe den Anschein, als ob hier ein Garten der Erinnerung errichtet worden war, um so manchem durch die Wiedervereinigung heimatlos gewordenen Bürger der DDR einen Raum der Besinnung an vergangene Ideale zu ermöglichen.

Und dann fragt man sich entsetzt, wie folgende Tat an eben dieser Stelle passieren konnte:

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESEin Alleinstellungsmerkmal totalitärer Ideologien besteht darin, dass ihre Prediger glauben, die alleinige Wahrheit zu besitzen, die sie von Andersdenkenden -den ‚Feinden‘ – abgrenzt, die es zu vernichten gilt, da man davon ausgeht, sonst von ihnen vernichtet zu werden. Und das gilt gleichermaßen für die beiden Ränder des politischen Spektrums ebenso wie für religiöse Fanatiker aller Glaubensrichtungen. Es hat sich in den letzten Jahrhunderten wenig an menschlichen Handlungsweisen geändert…

Bedrückt ging ich zurück zur NC, stieg auf und fuhr zur großen Backsteinkirche St. Trinitatis am Seeufer. Die Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts als Herzstück eines Dominikanerklosters gegründet, von wem-sonst-als-Schinkel 1836-41 erneuert und 1907 mit einem Turmpaar versehen. Neben dem kreuzrippigen Hallenbau sticht besonders das gotische Altarrelief ins Auge, das den Bildersturm der Reformation offensichtlich gut überstanden hat.

SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESZwischen Kirche und Seeufer steht eine gewaltige, 700 Jahre alte Linde, die wohl auf dem Grab des Klostergründers, Wichmann von Arnstein, gepflanzt worden war.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESDaran anschließend findet sich ein Metallgeflecht voller Vorhängeschlösser, das sich als Empfehlung für Stadtverwaltungen eignen könnte, die regelmäßig diese Hinterlassenschaften verliebter Mitbürgerinnen und Mitbürger von Brückengeländern sägen müssen. Ob die daran hängende Kette als Zeichen verlorener Freiheit gelten soll, sei wohlwollend dahingestellt.

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Nach diesem längeren Aufenthalt in Neuruppin machte ich mich auf den Weg nach Rheinsberg, dem so stark zuerst von Kronprinz Friedrich und danach von seinem jüngeren Bruder Heinrich geprägten Ort preußischer Hofhaltung. Das friderizianische Rokoko fand mit dem Schloss Rheinsberg seine erste Ausprägung und wurde später im Schloss Charlottenburg und in Sanssouci zu ihren Höhepunkt geführt.

Das schöne Wetter hatte zahlreiche Biker auf die Straßen gelockt, die gerade Mittagspause in der an der Kreuzung gelegenen Gaststätte machten, denn die Statue des Kronprinzen Friedrich war von Motorrädern umgeben, von denen manche modernen Schlachtrössern glichen. Und damit waren sie beim späteren Alten Fritz ja bestens aufgehoben.

Das Schloss Rheinsberg und seine idyllische Gartenanlage ist auf alle Fälle einen Besuch wert und kann nur wärmstens empfohlen werden.

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Von Rheinsberg aus machte ich mich auf den Weg durch den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land Richtung Mirow und querte die Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern auf einer dieser schönen, versteckten Straßen im Nirgendwo. Vom schönen Wetter, den grünen Wäldern und den glitzernden Seen links und rechts der wenig befahrenen und bestens ausgebauten Straße beschwingt, rollte ich fröhlich dahin, als sich diese urplötzlich und ohne Ankündigung in eines dieser elenden Pflasterstraßenmonster verwandelte. Der Adrenalinschub war gewaltig, als die Stoßdämpfer durchschlugen und mein Vorderrad zu tanzen begann. Ich konnte die NC zwar rasch beruhigen, aber die 50 Meter, die es benötigte, die Geschwindigkeit von 80 km/h auf sichere 20 km/h zu reduzieren, war ziemlich pulsbeschleunigend.

Mein mit Ungnade bedachtes Navi war schon wieder eifrig bestrebt mich in alle möglichen Richtungen zu lenken, aber nur nicht nach Röbel an der Müritz, das ich als nächste Station vorgemerkt hatte. Ich hielt an und verstaute diese Quelle der unausgesetzten Irritation in meinem Tankfach und ließ es dort seinen Weg im Dunkeln finden. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Ab jetzt waren wieder die guten, alten Hinweisschilder am Straßenrand meine Wegweiser, und diese brachten mich auch ohne weitere sinnentleerte Umwege ins wunderschöne, von mittelalterlicher Bausubstanz nur so strotzende Röbel.

Vor der Nikolaikirche hielt ich an und ging an der dicken Friedenseiche vorbei, die 1816 zu Erinnerung an die in den Freiheitskriegen gegen Napoleon Gefallenen gepflanzt worden war, zum mit einem Hinweisschild ‚Offene Kirche‘ versehenen Eingangstor. Der Innenraum ist neugotisch restauriert und einen Besuch absolut wert.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESUm die Kirche herum befindet sich eine Reihe von alten Fachwerkbauten, und von der Straße aus macht die große Mühle auf sich aufmerksam, auf deren Hügel die erste, ursprünglich slawische Siedlung lag. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde im Zuge der deutschen Ostsiedelung neben dieser Neu-Röbel gegründet. Im Laufe der Zeit gingen die slawischen Bewohner in der deutschen Bevölkerung auf, und die beiden Ortsteile Alt- und Neu-Röbel verschmolzen miteinander.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESDie nette Dame an der Kirche hatte mir gesagt, dass es sich lohnen würde, bei dem heutigen schönen Wetter eine Kirchturmbesteigung der Marienkirche in Alt-Röbel zu machen, da die Aussicht auf die Müritz vom 58 Meter hohen Turm sicherlich grandios sei. Das nahm ich gerne auf und fuhr dorthin. Abgesehen davon, dass auch diese Kirche in ihrer neugotischen Schlichtheit eine Augenweide ist, so war doch schon allein der Aufstieg im Turm einen Besuch wert. Eine ausgetretene, enge Backsteinwendel-treppe und später steile, knarrende und filigran wirkende Holztreppen führten an den Glocken vorbei zu einem Raum, der sich direkt unterhalb der Turmuhr befand. Es dauerte ein paar Minuten bis ich das regelmäßige, laute und seltsam knarzende Geräusch mit dieser in Verbindung brachte. Durch vier Türen tritt man auf eine schmale Balustrade, von der aus man einen wunderbaren Blick auf die Müritz und Umgebung werfen kann. Beeindruckend und absolut empfehlenswert!

Hier ein paar Bilder der Marienkirche, vom Aufstieg, vom Rundblick (das Panaromabild kann zum Vergrößern angeklickt werden) und schließlich wieder vom Abstieg. Trotz dicker Motorradkluft und klobiger Stiefel war es ein Genuss von Anfang bis Ende!

SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURESVon Röbel aus fuhr ich weiter Richtung Waren. In Klink hielt ich kurz an, um dem Schlosshotel einen Besuch abzustatten und mir ein paar Prospekte mitzunehmen, da ich vorhabe, mal mit Beate ein nettes Wochenende dort zu verbringen. Mein schwarzer Motorradanzug mit knallgelber Neonwarnweste löste beim Mitarbeiter im Eingangsbereich Stirnrunzeln aus, doch hatte er auf meine höfliche Frage hin, ob ich einen kurzen Blick auf die Schlossterrasse werfen könne, keinerlei Einwände. Also marschierte ich dorthin, machte ein Foto von der Müritz in ihrer ganzen Pracht und stapfte wieder hinaus.

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Weiter ging es auf der stark befahrenen 192 nach Waren an der Müritz, dem touristischen Zentrum der Region. Ich hielt am Hafen an und da es mittlerweile 16 Uhr geworden war, und ich seit dem Frühstück nichts zu mir genommen hatte, ging ich zu einem trockengelegten Schiff, das in eine Fischbude umgewandelt worden war, und besorgte mir eine Portion Fish and Chips. Sie wurde frisch zubereitet, und ich setzte mich nach einer kurzen Wartezeit mit meinem dampfenden Essen auf eine der Bänke direkt an der Steinmole und genoss sowohl das Glitzern der Sonne in der Müritz als auch ein wahres Gedicht von Essen. Schlichtweg großartig! Aufgrund der tiefstehenden Sonne und des daraus resultierenden Gegenlichts war es leider nicht möglich Fotos vom See zu machen.

Nach erfolgter Stärkung machte ich mich auf zu einem Rundgang durch die Altstadt von Waren, die aufgrund der Lage und des mittelalterlichen Baubestandes sehenswert ist.

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Es war spät geworden, und ich hatte noch 170 Kilometer bis nach Berlin hinter mich zu bringen, die ich möglichst entspannt fahren wollte. Es erschien mir am günstigsten zu sein, die 192 zurück bis nach Malchow zu fahren und danach der Autobahn bis Berlin zu folgen. Gesagt, getan. In Waren West tankte ich die NC nochmals voll und machte mich auf den Weg zurück. Bei Fehrbellin war der Himmel voller Zugvögel, die sich für ihre lange Reise sammelten. Massen von Graugänsen zogen in Keilformation vorbei, und die bedrückende Erkenntnis setzte sich langsam aber sicher durch, dass jetzt wohl bald die diesjährige Motorradsaison ein Ende haben wird.

Die Fahrt verlief ereignislos, und nach einem schönen Tag voller interessanter Eindrücke kam ich gegen 18 Uhr 30 und 360 Kilometern wieder zu Hause an.

28. August 2014: Fahrt in die Schorfheide

28-08-14 Schorfheide Karte

Nach dem Auspacken von 320 Umzugskisten, der Reparatur zahlreicher durch die Vormieter verursachten Schäden in der Wohnung, dem Ummelden der NC auf ein Berliner Kennzeichen, mehreren Abend- und Nachtfahrten durch Berlin unter dem Motto ‚Reconnecting with the City‘, bei denen u.a eine perfekt beleuchtete Goldelse sich gegen einen rosa eingefärbten Abendhimmel mit riesigem Vollmond nahezu kitschig abhob, ein um 22 Uhr noch immer von Touristenmassen belagertes Brandenburger Tor und die offenbar ewigen chaotischen Verkehrsverhältnisse im Stadtzentrum besonders prägnant waren, langte eines Morgens ein kleines Päckchen bei mir ein, das meine zu diesem Zeitpunkt etwas im Sinkflug begriffen Stimmung schlagartig verbesserte. Ich hatte mir noch in Wien bei Aufnäher4U drei handgenähte Patches für eine Lone Wolf Biker Kutte bestellt, die bei meinem freudigen Auspacken Beate zur trockenen Bemerkung ‚Jetzt hat dich die Midlifecrisis voll erwischt!‘ verleiteten. Nunja, was soll man da entgegnen, ohne sich auf verdammt dünnes Eis zu begeben. Das sparte ich mir und organisierte lieber in der dadurch gewonnenen Zeit eine kompetente Fachkraft, die die Patches umgehend annähte. Das Lone Wolf Biker Kuttenunikat sieht nun so aus:

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Ehrlich gesagt, Beate hatte wohl mit ihrer Einschätzung nicht ganz unrecht… Jedenfalls wird das Teil bei der nächsten Ausfahrt eingeweiht, und ‚das ist gut so‘ – um den bis Dezember 2014 abtretenden Oberbürgermeister der Hauptstadt zu zitieren.

Am 28. August lautete die Wetterprognose heiter bis wolkig bei geringer Regenwahrscheinlichkeit; Umstände, die einer ersten größeren Ausfahrt überaus dienlich waren. Ich machte mich gegen 10 Uhr 30 auf den Weg über die 109 Richtung Schorfheide, tankte kurz vor der Auffahrt zu A114 und fuhr dann über Wandlitz und auf schönen, einsamen Alleenstraßen entlang des Finowkanals nach Marienwerder.

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Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Ort als „Spinnerdorf“ unter Friedrich II gegründet, der, wie allgemein bekannt, Unmengen an Uniformen für die preussische Armee benötigte. Als knappe 100 Jahre später eine Kirche errichtet werden sollte, stieß der ausgewählte Standort nicht auf die ungeteilte Gegenliebe der Einwohnerschaft, da damit die bislang freien Aussichten die N-S und W-O Achsen entlang verbaut werden sollten. Einige Zeit lang wurden die tagsüber gemachten Baufortschritte nächtens eifrig wieder rückgängig gemacht, sodaß das ganze Unternehmen im märkischen Sande zu verlaufen drohte. Schließlich setzten sich die Befürworter durch; wie sie das geschafft haben, darüber schweigt die Informationstafel im Inneren der Kirche beredt. Jedenfalls steht heutzutage eine beachtliche Kirche im Schnittpunkt der Achsen, und in den vergangenen 150 Jahren ist klarerweise viel Gras über die eher unchristlich-turbulenten Anfänge gewachsen.

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Vor der Kirche befindet sich ein Gedenkstein zur Erinnerung an den 17. März 1813, an dem Friedrich Wilhelm III in der Breslauer Proklamation nach zweieinhalb Monaten des Zögerns, die der Konvention von Tauroggen folgten, grünes Licht für den Kampf gegen die napoleonische Besatzung gab und damit die im späteren wilhelminischen Deutschen Reich nahezu mythisch beschworenen Befreiungskriege einläutete. Dass ein traditionsbewusster Wilhelm II damit auf irgendeine Weise persönlich verbunden sein wollte, wird im zweiten Teil der Inschrift deutlich.

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Nach der allgegenwärtigen Barockopulenz der Kirchen im katholischen Österreich tat die kühle Nüchternheit des preussischen Protestantismus richtig gut.

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Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter Richtung Werbellinsee. Ich wollte doch mal sehen, ob Theodor Fontanes Beschreibung desselben als „Märchenplatz“ einer kritischen Überprüfung meinerseits standhalten würde. Kurz und gut: Ich war beeindruckt vom 10 Kilometer langen und 1 Kilometer breiten See mit seinem glasklarem Wasser, den mit dichtem Grün bewaldeten Ufergebieten und den zahlreichen sandigen Badestellen, die zu einem längeren Aufenthalt einluden. Am Spring hielt ich an und ging einen Hohlweg zur Schiffsanlegestelle hinunter, von der aus man einen guten Eindruck vom südlichen Teil des Sees gewinnen konnte.

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Hier ließe sich der Sommer genießen! Ich ging noch zum Cafe Winkler hoch, drehte eine kleine Runde auf der Terrasse und der angrenzenden Liegefläche und fuhr dann die einspurige Straße zum Jagdschloss Hubertusstock, um zumindest einen kurzen Blick auf den Ort zu werfen, an dem Wilhelm II, Hitler, Honecker und Konsorten regelmäßig als Gastgeber für illustre Gesellschaften fungierten. Honecker hatte das ursprüngliche Gebäude im Jahre 1971 abreissen und – wie ich irgendwo gelesen hatte – „als Gästehaus im Edel-Jodel-Stil“ wiedererrichten lassen.

Weiter gings nach Joachimsthal, wo mir ein seltsames Bauwerk ins Auge stach. Es handelte sich um einen 1960 erbauten Wasserturm, der im letzten Jahrzehnt zum Biorama Projekt eines Künstlerpaares aus den USA und Schottland mutiert war. Ich wanderte den kurzen Weg vom Parkplatz zum Wasserturm, bezahlte meine 2 EUR Zutrittsgebühr und kletterte die Außentreppe hoch zur Aussichtsplattform, von der aus sich ein schöner Blick auf die Schorfheide, den Grimnitz- und den Krummen See darbot.

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Über Friedrichswalde führte die Strecke schließlich weiter nach Templin. Im kleinen Ort Götschendorf fiel mein erstaunter Blick auf ein sich im Aufbau befindendes russisch-orthodoxes Kloster samt Kirche mit dem Namen St. Georg. Im Jahre 2006 kam dem Moskauer Patriarchat die Idee, in Deutschland ein Kloster mit 30 Mönchen als „russisch-deutsches-geistlich-kulturelles Zentrum“ aufzubauen. Putins Mitwirkung wurde erbeten, da ein derartiges Projekt nicht nur „die Wichtigkeit des politischen Dialogs und der wirtschaftlichen Kooperation zwischen den beiden Staaten, sondern auch die geistigen Beziehungen zwischen den beiden Völkern betonen würde.“ Bei der engen Verflechtung der russisch-orthodoxen Hierarchie mit dem Machthaber im Kreml fragt sich der unbeteiligte Beobachter, was für Absichten denn hinter dieser Aktion wirklich stecken mögen, denn eine gezielte Missionierung in der dünnbesiedelten Schorfheide scheint mir doch eher wenig Aussicht auf Erfolg zu haben. Das Ganze ist höchst seltsam.

In Templin angekommen, parkte ich die NC auf dem Marktplatz und besuchte das zentral gelegene Rathaus, vor dem eine gewaltige Granitsäule an die Gefallenen der deutschen Einigungskriege 1864, 1866 und 1870/71 erinnert.

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Die Dame an der Information was überaus freundlich und empfahl mir, doch einen Blick auf das Berliner Tor zu werfen, das ganz in der Nähe wäre. Ich machte mich also auf den Weg und nach wenigen Minuten stand der dreigeschossige Bau ziemlich wuchtig vor mir.

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Die nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer mit ihren zahlreichen Ausbuchtungen zur Stabilisierung der Mauer, die auch der besseren Verteidigung dienten, war beeindruckend. Rechts vom Berliner Tor findet sich eine Gedenktafel, die an die jüdische Gemeinde Templins erinnert.

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Ich ging durch das Tor und schoss ein paar Fotos von der Außenseite der Mauer, die sich naturgemäß deutlich abweisender darstellte.

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Auf dem Wege zurück zur NC, passierte ich die kleine St. Georgen-Kapelle, einen gotischen Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert, mit Kreuzrippengewölbe und spätgotischem Schnitzaltar, der alle Wirren und Brände der Jahrhunderte gut überstanden hatte.

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Von Templin aus ging die Fahrt auf der L23 durch die norduckermärkische Seenlandschaft nach Lychen und danach die L15 weiter Richtung Fürstenberg an der Havel. Kurz vor der Ortseinfahrt passierte ich folgendes Hinweisschild:

SAMSUNG CAMERA PICTURESIch fuhr zwar vorerst bis zur Kreuzung mit der 96 weiter kehrte aber dann um. Der Gedanke, so nahe an einem dieser schrecklichen Orte des Massenmordes zu sein, ließ mich nicht los – ich musste einen Besuch zum Gedenken an die Opfer abstatten.

Kurz vor dem Lager stand ein rostiger sowjetischer Panzer, der an die Befreiung des KZs erinnerte.

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Ich ging vom Parkplatz entlang des idyllischen, friedlich in der Sonne glitzernden Schwedtsees, und kam zu einem außerhalb der KZ Mauern stehenden, eher kleineren Gebäude. Ein Blick hinein machte mir klar, worum es sich handelte. Ich verweilte einige Zeit beim Versuch, mir das Grauen des Ortes zu vergegenwärtigen…

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Daneben befand sich die Hinrichtungsstätte. Viele hunderte unschuldige Menschen hatten dieses Bild (damals wohl ohne Bäume) vor Augen, als sie ihren Mördern gegenüberstanden.

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Links davon erhob sich die 11 Meter hohe Skulptur „Die Tragende“, die einer Pieta nachempfunden ist. SAMSUNG CAMERA PICTURES

Neben dem Krematorium befand sich eine seltsam schmale Sackgasse zwischen zwei engen Wänden. Der Gedenkstein davor machte den Zusammenhang klar…

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESTief betroffen ging ich zum anschließenden Gebäude, das sich als noch intakter Zellentrakt herausstellte. Die einzelnen Zellen wurden von den unterschiedlichen Nationalitäten als Gedenkstätten für ihre in Ravensbrück ermordeten Bürgerinnen gestaltet. Nach der Befreiung wurde dieses Gebäude von den Sowjets als Gefängnis und später von der DDR als Schaustück des Naziterrors weitergeführt, was seinen guten Zustand und den des Krematoriums erklärt, während die Baracken und nahezu sämtliche anderen Gebäude innerhalb des KZs abgerissen wurden.

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Ein Foto aus dem Frühjahr 1944 zeigt das Lager. Darunter befindet sich ein Lageplan sowie ein Foto des heutigen Zustandes.

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Ich ging an den Grundmauern der „Badeanstalt“ vorbei und stellte mir vor, welche Szenen sich dort nach der Ankunft der zu diesem Zeitpunkt absolut rechtlosen Häftlinge abgespielt hatten. Das unendliche Leid, das die Vertreter einer ideologisch entmenschlichten, selbsternannten Herrenrasse über ihre Mitmenschen brachte, übersteigt das Vorstellungsvermögen. Wer sich mit diesem Teil der deutschen Geschichte intensiver auseinandersetzen möchte, möge das erschütternde Buch „Der SS Staat“ von Eugen Kogon lesen, das sich mit dem System der deutschen Konzentrationslager befasst (Inhaltsverzeichnis).

Beim Verlassen des Lagers kam ich an der Wachstube der SS vorbei, die zum „Ort der Namen“ umgestaltet worden war. Ein dickes Buch voller Namen liegt vor einer Tafel mit Fotos von Frauen aus, die entweder unmittelbar nach ihrer Verhaftung bzw. nach ihrer Ankunft in Ravensbrück aufgenommen worden waren.

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Möge die Welt sich ihrer erinnern! Und: Mögen wir den gesellschaftlichen Tendenzen energisch entgegentreten, die zu diesen unaussprechlichen Verbrechen geführt haben!

Was mich zusätzlich tief erschüttert, ist die Tatsache, dass so viele dieser Verbrecher nach dem Zusammenbruch 1945 nahtlos in den Schoß einer deutschen und österreichischen Gesellschaft zurückkehrten; die wieder zu den Familienvätern und Ehemännern wurden, die sie vielleicht schon vor diesen Verbrechen waren, und die unbehelligt und ohne jemals zur Verantwortung für ihre Taten gezogen worden zu sein, in hohem Alter friedlich verstarben; die oftmals nichts als blanken Hohn für ihre Opfer übrig hatten; die diese unmenschliche Ideologie weiter am Leben hielten und, in verklärenden, heldenhaften Erinnerungen schwelgend, diese an die nächsten Generationen weitergaben.

Ich stieg auf meine NC und rollte tief in Gedanken versunken Richtung Fürstenberg. Dort fiel mein Blick auf zahlreiche Wahlplakate, die Werbung für eine bei den kommenden Landtagswahlen in Brandenburg antretende Partei machten, die ich als ideologische Enkel der Verursacher all diesen bodenlosen Leides bezeichnen würde. Und das in einem Ort, der durch Ravensbrück historisch so belastet ist! Ich empfand diesen offenkundigen Zynismus als durch und durch widerlich.

Über die 96 ging es zurück nach Berlin, und ich verstand sehr rasch, dass hier dringend eine Entlastung für die an der Peripherie lebenden Bürger geschaffen werden müsste, denn was sich auf dieser Straße an Verkehr abspielt, ist abartig.

Als Draufgabe zu Ravensbrück passierte ich bald danach das Hinweisschild zum KZ Sachsenhausen bei Oranienburg, ehe ich gegen 17 Uhr 30 und knappen 240 Kilometern Fahrt wieder zu Hause ankam.

29. und 30. Juli 2014: Rückkehr nach Berlin

Wien Berlin Karte

Mein Aufenthalt in Wien ging nach sieben Jahren zu Ende, und die lang erwartete Rückkehr nach Berlin stand endlich an. Da die Möbelpacker schnell gearbeitet hatten, bot sich die Gelegenheit, nach einer Grobreinigung der Wohnung und der Übergabe bereits am 29. Juli die ersten 160 Kilometer der insgesamt 750 Kilometer langen Strecke unter die Räder zu nehmen, einen gemeinsamen Abschiedsabend mit meinen Eltern und meinem Bruder Wolfgang, der zufällig zu Besuch war, im Waldviertel zu verbringen, und am nächsten Tag ohne größere Anstrengungen die knapp 500 verbleibenden Kilometer hinter mich zu bringen. Über die S5 ging es nach Krems und von dort weiter auf der alten Hausstrecke über Zwettl, Jagenbach und Mühlbach nach Bad Großpertholz.

Für den 30. Juli waren ab dem frühen Nachmittag im Großraum Sachsen und Nordwestböhmen Unwetter angesagt, die ich hoffte, durch einen frühen Start gegen 8 Uhr 30 zu umgehen. In Gmünd tankte ich die NC voll und fuhr dann über Schrems und Neunagelberg nach Tschechien. Die mir bekannte Tour nach Prag hoffte ich rasch hinter mich zu bringen, um möglichst vor dem Mittagsstau die Stadt zu passieren, was normalerweise ziemlich stressig ist. Das klappte diesmal auch gut – dem Navi sei Dank. Nach Prag machte ich an einer Tankstelle Pause, unterhielt mich ein wenig mit einem ungarischen Handwerker über meine NC und ging dann den Rest der Strecke an. Die Autobahn bis kurz vor dem Erzgebirge erlaubte ein rasches Vorankommen. Laut Tankanzeige war noch Sprit für gute 80 Kilometer vorhanden, und da ich keine Kronen bei mir hatte, galt es Sachsen zu erreichen. Das Wetter wurde nun zunehmend unbeständiger. Es kamen erste Schauer herunter, die mich veranlassten, zwei Mal anzuhalten und die Regenkluft auszupacken, um es mir dann jedes Mal anders zu überlegen, da die Regenfälle nur von kurzer Dauer waren. An der zweiten Ausfahrt in Sachsen fuhr ich ab in der Hoffnung, zeitnah eine Tankstelle zu finden. Dem war aber nicht so, und so kurvte ich auf engen Nebenstraßen durch eine hügelige, von Bächen durchzogenen, sehr schöne Landschaft, bis sich schließlich eine Tankstelle in der nächsten größeren Stadt fand. Vor einigen Monaten hatte ich eine Dreitageskleeblatttour durch das Erzgebirge, das Elbtal und die Naturparks in Nordböhmen mit Zentrum Dresden ausgearbeitet, die ich am nächsten langen Wochenende unter die Räder nehmen möchte. Um Sachsen zu erleben braucht es etwas Zeit! 

Mittlerweise war es drückend schwül geworden und die heranziehende schwarze Wolkenwand verhieß nichts Gutes. Dennoch brachte ich die 200 Kilometer von Dresden in die Hauptstadt ohne Platzregen hinter mich und schaffte es, den Berliner Bären an der Autobahn kurz vor 15 Uhr herzlich  zu begrüßen. Der Duft der Kiefernwälder der märkischen Streusandbüchse links und rechts der A13 hatte mich schon längere Zeit begleitet und erstes Heimatfeeling hervorgerufen. Olfaktorische Eindrücke bleiben am intensivsten in Erinnerung, und für mich war das Auftreten dieses charakteristischen Geruches gleichbedeutend mit der Gewissheit, endlich wieder nach Hause zu kommen. 

Um etwa 15 Uhr 30 erreichte ich schließlich meine Wohnung an. Zurück in Berlin! Jetzt heißt es mal die Übergabe der Mieter abzunehmen und dann morgen die Lieferung meiner Möbel aus Wien zu erwarten. Anschließend gibt es viel generellen Administrativkram zu erledigen, wie z.B. die NC zum TÜV bringen und ummelden; es wird daher wohl noch einige Zeit dauern, bis ich Berlin und dem Umland meine Aufwartung machen kann.

Wien - Berlin Höhenprofil

5. Juli 2014: Cruisen im Dunkelsteiner Wald, Jauerling, Ostrong und Voralpengebiet

05-07-14 Dunkelsteiner Wald Ochssattel

Nach einer fast dreiwöchigen arbeitsbedingten Pause machte ich mich vor einigen Tagen daran, bei einer Tankstelle mit Waschanlage die widerlich feine Staubschicht auf meiner NC, welche sich durch die endlosen Bauarbeiten in der Garage wie ein grauer Schleier über alles und jedes legt, wegzupolieren. Dabei fiel mein Blick auf das Profil des Hinterreifens, das – nun sagen wir mal – eindeutig höchst grenzwertig war. Nach 9500 gelaufenen Kilometern sollte das zwar nicht verwundern, aber es bedeutete ganz einfach, dass meine NC bis zum Reifenwechsel nicht mehr bewegt werden konnte. Also rief  ich bei meinem Händler an, um einen Termin auszumachen. Eine freundliche Dame antwortete: „Sehr gerne! Unser nächster freier Termin wäre am 23. Juli!“ Wie bitte?! In vier Wochen?! Ich schnappte wohl so hörbar nach Luft, dass die Dame rasch nachsetzte: „Aber vielleicht ergibt sich ja ein früherer Termin. Ich spreche mal mit der Werkstatt, und der Kollege wird Sie in Kürze zurückrufen.“ Nun gut, dachte ich, dann hoffen wir mal auf Nachricht. Um sicherzugehen, dass ich noch vor meiner Rückkehr nach Berlin Ende Juli einige der vielen wunderbaren Strecken in Ostösterreich unter gesetzeskonforme Räder nehmen konnte, suchte ich sofort im Internet nach anderen Hondawerkstätten in Wien. Nachdem ich bei zweien vergeblich darauf gehofft hatte, dass jemand den Anruf entgegen nehmen würde, wählte ich schließlich eine Nummer in Simmering. Sofort war der Chef persönlich dran. „Reifenwechsel? Kein Problem. Welche brauchst Du denn? Ok. Habe ich zwar nicht lagernd, aber ich bestelle sie Dir. Morgen oder übermorgen sind sie da, Du bringst Dein Bike vorbei und kannst es am selben Tag wieder abholen.“ Klasse! Genauso hatte ich mir das vorgestellt: Schnell, unkompliziert und erschwinglich! Und so lief es dann auch ab. Am Donnerstagabend stellte ich die NC in die Werkstatt und holte sie einen Tag später nach der Arbeit ab. Kostenpunkt: EUR 350. Zwischendurch ein Anruf: „Soll ich Dir gleich das Pickerl machen? Die Bremsen sind ok, ebenso das Öl. Ist alles in Ordnung.“ Bestens, kann ich da nur sagen – und kein Vergleich mit meiner alten, heißgeliebten, aber im Unterhalt leider sündteuren Triumph Trophy 1200. Ach übrigens, von meinem Händler kam bisher kein Rückruf. Damit erübrigt sich jeder weitere Auftrag meinerseits an ihn.

Für alle Hondafahrer, die jetzt hellhörig geworden sind: Es handelt sich um die Honda Werkstätte Bruno Siegl in der Lautenschlägergasse 21 im 11. Bezirk. Hiermit spreche ich eine klare Empfehlung aus: Top Service.

Und wie das so ist, wenn man dann endlich zwei neue Reifen aufgezogen hat, so müssen diese natürlich gründlich eingefahren werden. Und das prontissimo! Also machte ich mich heute gegen 9 Uhr 30 auf den Weg über Exelberg und Tulbinger Kogel, um zu sehen, wohin es mich verschlagen würde. Der Blick auf die immer beachtlicher werdende Skyline von Wien war etwas, was ich unbedingt als Erinnerungsfoto mitnehmen wollte. SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESAuf dem Parkplatz des Berghotels Tulbinger Kogel war gerade eine britische Sky Filmcrew dabei, ihren Fahrzeugkonvoi abzuschrubben und dabei Wäsche in zwei mitgeführten Waschmaschinen zu reinigen, die im offenen Laderaum eines Busses standen. Ich musste grinsen, als ich zwei Männer sah, die sich ihre Toastbrote mit Marmite bestrichen, Mixed Pickles in sich hineinstopften und das Ganze danach mit Tee vom Gaskocher hinunterspülten. Liebe Gewohnheiten machen das Leben im Ausland klarerweise erträglicher! SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESDen angenehm zu fahrenden Kurven folgend, ging es über Atzenbrugg, Traismauer und Nußdorf ob der Traisen zum Stift Göttweig. Hier hielt ich an, um mir nach langen Jahren wieder einmal die Stiftskirche anzusehen. Mein Eindruck: Nun ja, wem opulente Barockarchitektur zusagt, der wird seine wahre Freude an einem in Gold erstrahlenden Hochaltar, einer gewaltigen Orgel, einer Kanzel, von der zum Glück nicht mehr donnernd die Verdammnis gepredigt wird, und an den vielen, mit an Zuckerguss erinnerndem Stuck umrahmten Bildern von kindlichen Engelchen haben. SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESVor der Pforte befand sich ein Aussichtspunkt, von dem aus man auf den Friedhof von Klein Wien blicken konnte, der idyllisch zu Füßen des Stiftes liegt.

SAMSUNG CAMERA PICTURESIch rollte die NC noch auf die andere Seite des großräumigen Stifts, vorbei an jahrhundertealten Befestigungsmauern, die als Fundament der barocken Aufbauten dienten und genoss den Blick auf die Wachau und das dahinter liegende südliche Waldviertel, in das mich meine heutige Tour noch bringen sollte.

SAMSUNG CAMERA PICTURESDanach machte ich mich auf, den Dunkelsteiner Wald Richtung Maria Langegg auf den schönen, kurvigen, gut asphaltierten und teilweise einspurigen Straßen zu durchqueren. Leider kam ich nicht an mein Ziel, denn kurz davor war die Straße wegen Umbauarbeiten gesperrt. Ich folge also den Umleitungsschildern und musste rasch erkennen, dass sie zwar, wie der Name sagte, ‚umleiteten‘ aber trotz gegenteiliger Beschriftung nicht nach Maria Langegg ‚hinleiteten‘, wobei die Wallfahrtskirche immer wieder wie eine unerreichbare Fata Morgana in der Ferne auftauchte. Aber immerhin kam ich so in den Genuss diverser Nebenstraßen, die durch die wirklich schöne Landschaft des Dunkelsteiner Waldes führten und mir diesen auf diese Weise gut erschlossen. Irgendwann wurde es mir dann doch zu bunt, und ich fuhr meiner Nase und nicht den Umleitungsschildern nach und kam dadurch auf eine kurvige Hauptstraße, die ins Donautal hinabführte. Kurz danach passierte ich die mir bekannte Kreuzung, von der aus man nach nur wenigen Kilometern nach Maria Langegg kommt. Und siehe da, es stand auch hier ein – diesmal  korrektes – Umleitungsschild! In Aggsbach Dorf angekommen, bog ich zu der unter Joseph II Ende des 18. Jahrhunderts aufgelassenen Kartause Aggsbach ab, an der nach jahrzehntelangem Verfall die bislang eingeleiteten Renovierungsfortschritte sichtbar werden. SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESEs war nun knapp nach 12 Uhr Mittag geworden, und erste Hungergefühle machten sich bemerkbar, und so nahm ich die Gelegenheit wahr, in unmittelbarer Nähe der Kartause im Gasthaus Lechner einzukehren. Als ich die schöne Terrasse mit Blick auf die Außenmauer der Kartause sah, nahm ich gerne Platz. Bald danach wurde mir aber wieder deutlich bewusst, warum ich es grundsätzlich vorziehe, bei Touren nicht groß zu Mittag zu essen, denn bis mein Essen auf den Tisch kam, waren sage-und-schreibe 45 Minuten vergangen, in denen ich weiß-Gott-schon-wo hätte sein können, wäre ich weitergefahren. Das Essen war gut, die Wirtsleute freundlich, keine Frage, aber die lange Wartezeit empfand ich als ziemlich enttäuschend.

Als nächste Station hatte ich die Ruine Aggstein im Visier. Bei meiner letzten Tour, bei der ich die Anlage vom anderen Donauufer aus gesehen hatte, wollte ich sie nach gut 30 Jahren wieder einmal aus der Nähe betrachten. Ich war erfreut über die Tatsache, dass man nun bis vor das Burgtor fahren konnte, was den mühseligen Anstieg, an den ich mich aus meiner Schulzeit noch schaudernd erinnere, hinfällig machte. Bereits die Anfahrt war genial: Anfangs gab es eine längere 20%-ige Steigung durch herrlichen Laubwald, danach folgte eine etwa 500 Meter lange Schotterpiste bis zur Ruine, welche aber problemlos auch für Straßenmaschinen zu fahren ist. Die Ruine selbst hatte sich seit meinem letzten Besuch gewaltig verändert. Hölzerne Stege erschließen sie nun sowohl außen als auch innen, die gemütliche Schänke lädt zum Verweilen ein, und die Blicke auf das Donautal sind einfach nur spektakulär. SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES Vom Palas aus führt ein als Durchgang benutztes Fenster zum Rosengärtlein, einem kleinen Felsvorsprung in schwindelerregender Höhe, von dem der Sage nach Gefangene, die einen raschen Freitod einem langen Dahinsiechen im Verlies vorzogen, in die Tiefe gesprungen sein sollen. SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES In der anschließenden Burgkapelle, in der noch Reste des gotischen Gewölbes sichtbar sind, waren eine hölzerne Kassettendecke eingezogen und ein Altar errichtet worden. Das Spitzbogenfenster zum Burghof war mit dicken Spinnweben geschmückt, und die hochaufragende Dachkonstruktion mit den zahllosen Schindeln aus Holz, die von alten Balken abgestützt wurde, ließ sich durch breite Spalten neben der Decke erahnen. Leise ertönten gregorianische Choräle im Hintergrund, und die erhabene Stimmung, die dadurch entstand, veranlasste mich, auf der Empore Platz zu nehmen und die Situation einige Zeit in Stille auf mich wirken zu lassen. Da saß ich nun, klatschnass geschwitzt vom vielen Treppensteigen, in meinen Bikerklamotten mit daneben liegendem Helm und lauschte nahezu kontemplativ versunken den jahrhundertealten Gesängen. Es war einfach nur schön. Besucher mit kleinen Kindern, die lärmend in die Kapelle kamen, sahen mich da oben sitzen und begannen nach einer Schrecksekunde sich nur mehr im Flüsterton zu unterhalten. Meine für sie unerwartete Anwesenheit muss wohl einen eigenartigen Eindruck gemacht haben.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESBeim Verlassen der Ruine kam ich beim Mittleren Tor an einem offenen Raum vorbei, auf dessen Boden ein kleines Metallgitter lag. Ich trat näher, um es mir genauer anzusehen. Es handelte sich um das ‚Angstloch‘, den alleinigen Zugang zum vier Meter tiefen, aus dem Felsen gehauenen Verlies. Was sich da unten abgespielt haben mag, kann nicht mit Worten beschrieben werden, aber um der Vorstellungskraft mancher Besucher auf die Sprünge zu helfen, wurde wohl von der Burgverwaltung ein angekettetes Skelett hinterlegt. Sicher ist sicher…

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESEtwas abseits vom Burgtor ging eine Gruppe junger Leute einem deutlich moderneren Zeitvertreib nach, indem sie sich daran machten, die hohen, überhängenden Felsformationen zu erklettern.

SAMSUNG CAMERA PICTURESIch fuhr zurück zur Donau und folgte ihr flussabwärts weiter zur Rollfähre nach Arnsdorf, wobei ich zuvor beim dem Aussichtspunkt anhielt, der an den Fund der Venus von Willendorf im Jahre 1908 erinnert, die immerhin das beachtliche Alter von guten 25000 Jahren auf dem Buckel hat. Meine NC ist gerade mal ein Jahr alt, aber sie macht dennoch eine herausragend gute Figur!

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Die Fähre hatte gerade in Spitz angelegt, und so dauerte es einige Zeit bis sie den Weg zurück ans andere Ufer fand. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Ruine Hinterhaus bei Spitz lag in ihrer ganzen Pracht im Sonnenschein und bewachte drohend den Treppelweg entlang der Donau sowie den Weg ins Waldviertel nach Ottenschlag. Der Preis für die Überfahrt konnte anhand eines Informationsblattes vorab ausgerechnet werden, was dann mühevolles Herumkramen nach Kleingeld auf der Fähre ersparte.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESIch fuhr auf die Fähre auf, bezahlte meine EUR 3,30 und genoss die kurze Überfahrt, wobei ich immer wieder gebannt den Seilzug mit dem einfachen Rollmechanismus beobachtete, wie er die Fähre über die Donau bugsierte.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAM_1947-1 SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESAuf der anderen Donauseite angekommen, begab ich mich nach Gut am Steg und folgte der schönen, kurvigen Straße zum Jauerling, der von einem Sendemast geziert wird. Als Kind hatte ich einmal ein altes Röhrenradio auf dem Dachboden entdeckt, auf dem die Sendestation Jauerling auf dem Glasteil zwischen den beiden Drehknöpfen vermerkt war. Damals musste der Sender wichtig genug gewesen sein, um auf gleicher Stufe wie jene aus Berlin und München zu stehen, die ebenfalls darauf verzeichnet waren. Den Abhang vor der Sendeanlage nimmt die Schiarena Jauerling ein, die, wie mir scheint, nur aus einer einzigen, wenig anspruchsvollen Piste mit Flutlicht- und Beschneiungsanlage besteht. Seit meinem letzten Besuch vor einem Jahr war bei der Talstation des Schilifts ein Stück des Waldes gerodet worden, um Parkplätze für Besucher zu errichten.

SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURESIch folgte der Straße durch das schöne Jauerlinggebiet nach Maria Laach und bog von dort Richtung Nonnersdorf, Neusiedl am Feldstein und Moos ab. Diese Orte bestehen aus zwei bis drei Häusern, welche nicht weiter erwähnenswert sind, aber der Blick auf die Voralpen ist großartig, und die enge, kurvige Straße ist einfach nett zu fahren.

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An der nächsten Kreuzung angekommen, entschied ich mich für eine Weiterfahrt nach Pöggstall. Ich wollte mir das örtliche Schloss mit seiner aus dem Jahr 1593 stammenden und original erhaltenen Folterkammer sowie das Museum für Rechtsgeschichte ansehen. Dazu kam es aber leider nicht mehr, denn ich war etwas zu spät vor Ort eingetroffen. So machte ich einige Aufnahmen der Gebäude, die sich zumindest nach außen hin in einem schlechten Zustand befinden, wobei jedoch der Innenhof mit schönen Arkaden und anderen interessanten Details aufwarten kann. Das nicht zentriert platzierte Dach auf dem Durchgangsgebäude fand ich aus architektonischer Sicht bemerkenswert, aber wie auf dem Bild des Denkmals im Hintergrund zu sehen ist, ergab sich dieser falsche Eindruck aufgrund einer Einbuchtung in der Mauer.

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Vor dem Schloss steht das Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Die pathetische Inschrift der Überlebenden bedrückte mich, denn ich weiß aus vielen Gesprächen mit ehemaligen Soldaten der Wehrmacht und aus deren persönlichen Dokumenten, die ich für diverse Arbeiten an der Universität sichten durfte, dass die jungen Burschen, die in einen Angriffskrieg gezwungen worden waren und von denen so viele oft auf elendste Weise im Dreck verreckten, sich absolut nicht als Helden fühlten, sondern vielmehr darauf bedacht waren, möglichst unversehrt diesem Irrsinn zu entkommen.

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Von Pöggstall aus fuhr ich über Laimbach am Ostrong am Großen Peilstein vorbei ins Yspertal und machte einen kurzen Abstecher zur Ysperklamm, die ich leider aufgrund meiner begrenzten Zeit in Österreich nicht mehr durchsteigen werde. Wenigstens war ich einmal vor Ort gewesen.

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Über St. Oswald ging es Richtung Waldhausen im Strudengau, und nach Querung der Landesgrenze zu Oberösterreich folgte ich der schönen Straße nach Sarmingstein wieder zurück an die Donau, die mich bis zur Schleuse in Ybbs begleitete. Hier fuhr ich auf die rechte Donauseite nach Wieselburg und Purgstall, wo ich nach Obernhof an der Melk abbog. Über Mank und Kettenreith ging es weiter zu den herrlichen Kehren nach Kirchberg an der Pielach und Tradigist Richtung Lilienfeld. Ein kurzer Schwenk Richtung Süden war bei den gegenwärtigen langen Sommerabenden noch möglich, und so rollte die NC über Hohenberg und Hofamt einem völlig von Motorrädern befreiten Ochssattel und einem absolut leeren Parkplatz bei der Kalten Kuchl entgegen. Auf der Kuppe der Haselrast machte ich nochmals Halt, um ein Foto vom dort stehenden Kreuz samt Gedenktafel zu machen, da diese Stätte der Erinnerung mit der auf dem Hochwechsel in direkter Verbindung steht, und weil sie das Heldendenkmal in Pöggstall in ihrer Schlichtheit und mit ihrer zur Reflexion anregenden Aussage so deutlich relativiert.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESÜber Gutenstein, Pernitz, den Hals und Pottenstein fuhr ich nach Leobersdorf und von dort auf der A2 nach Hause, wo ich gegen 20 Uhr 30 nach 400 Kilometern ankam. Es war wieder einmal ein schöner Tag mit intensiven Eindrücken gewesen.

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7. Juni 2014: Oberes Waldviertel – Südböhmen – Mühlkreis

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An manchen Tagen ist der Weg das Ziel, und so wurde die 5. Jahreszeit eines jeden Bikers, das Pfingstwochenende, heute mit einer zünftigen Rundfahrt gefeiert, wobei die Freude am Fahren im Mittelpunkt stand. Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Weg über die A1 nach Melk, von dort das Weitental hoch nach Pöggstall, folgte der Zwettler Bundesstraße via Ottenschlag bis nach Zwettl, fuhr danach weiter über Jagenbach, Groß Otten, Engelstein, Friedreichs, Mühlbach und Steinbach nach Bad Grosspertholz ins Obere Waldviertel, um meine Eltern zu besuchen und einiges im Haushalt vor Ort zu erledigen. Gegen 14 Uhr 15 ging es dann weiter Richtung Mühlviertel und tschechische Grenze, der ich auf kleinen, verschlungenen Wegen durch herrliche und zwischenzeitlich wie gemalt wirkende Landschaften folgte, wobei ich verstreute Weiler und so manchen regionstypischen Vierkanthof passierte.

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Die Route führte über Karlstift nach Sandl, danach am Tafel- und Hundsberg vorbei nach Windhaag bei Freistadt, von dort nach Norden direkt die Grenze entlang über Lerchenfeld und Hammern nach Leopoldschlag zur Mühlviertler Straße, die links nach Freistadt und rechts in die Tschechische Republik führt. Ich nahm die Gelegenheit wahr, einen kurzen Abstecher nach „drüben“ zu machen, um zu sehen, wohin es mich verschlagen würde.

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Als erstes fielen mir etliche junge Frauen auf, die am Straßenrand bei alleinstehenden Häusern oder in Parkbuchten herumstanden und männlichen Verkehrsteilnehmern in der eindeutigen Erwartung, ‚verkehrstechnisch‘ erfasst zu werden, zuwinkten. Ich war einigermaßen erstaunt über das offenkundige Interesse zahlreicher Fahrer, die von Salzburg bis Wien kommend, wohl nicht alle die Absicht hatten, nach Krumau, Budweis oder Prag fahren zu wollen.

Nach kurzer Zeit  passierte ich ein Hinweisschild zur Burg Rožmberk (Rosenberg), dem Stammsitz der Witigonen, einem der ältesten Adelsgeschlechter Böhmens. Da wollte ich doch gleich mal hinfahren und begann nach entsprechenden Wegweisern Ausschau zu halten. Da kam aber nichts. Also drehte ich auf der Suche danach einige unnötige Runden, u.a. durch das Dorf Bujanov, bevor ich mein Navi zu Rate zog, welches mich dann auch ohne weitere Umwege ans Ziel brachte.

Die mit bestem Asphalt ausgestattete Straße ohne Mittelstreifen führte entlang der Moldau durch herrliche Alleen mit altem Baumbestand – ein Kurventanz der besonderen Art war angesagt! Nach kurzer Zeit erreichte ich den gesuchten Ort mit den beiden Burgen, etlichen Gaststätten mit schattigen Gärten und zahlreichen Kanuverleihstellen, die an diesem schönen Sommertag auch fleißig genutzt wurden.

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Die Strecke führte weiter Richtung Český Krumlov (Krumau), aber einen Besuch dieser wirklich schönen Stadt hob ich mir für eine andere Gelegenheit auf. Nun ging es die gleiche Strecke zurück Richtung Bad Leonfelden in Oberösterreich. In Vyšší Brod kurz vor der Grenze waren Bauarbeiten im Gange, im Zuge derer ein Hang neben der Straße befestigt wurde. Baufahrzeuge standen herum, der Asphalt war abgetragen worden und eine Menge Steine lagen quer über die Fahrbahn. Ich fuhr vorsichtig daran vorbei und wunderte mich über die verdutzten Gesichter der Arbeiter, die mir seltsame Blicke zuwarfen. Am Ende der Baustelle war die Straße komplett mit einem Bauzaun abgesperrt, und als ich diesen umfahren hatte, entdeckte ich auf der anderen Seite des Zaunes ein daran festgemachtes Fahrverbotsschild sowie ein Polizeifahrzeug mit einen eifrig Strafbescheide austellenden Polizisten. Er hielt mich an, und nachdem er den Fahrer vor mir abgefertigt hatte, wollte er sich meiner annehmen. Ich fragte ihn gleich, ob er Deutsch sprechen würde, was er nach kurzem Zögern bejahte.  Während er dienstbeflissen meine Daten aufnahm, machte ich ihn darauf aufmerksam, dass auf der anderen Seite der Baustelle weder eine Absperrung noch ein Fahrverbotsschild zu sehen gewesen waren, was er mir offensichtlich nicht abkaufen wollte. Aber ganz sicher war er sich seiner Sache nicht, denn als er mir kurz darauf den Ausweis ohne Strafzettel zurückgegeben und mir noch eine gute Fahrt gewünscht hatte, sprang er ins Auto, umkurvte den Bauzaun und rollte ans andere Ende der Baustelle, um nachzusehen, ob meine Beobachtung stimmte. Ich machte mich schleunigst vom Acker und sah zu, möglichst rasch nach Österreich zurückzukommen.

Von Bad Leonfelden aus fuhr ich die schöne Strecke nach Freistadt, tankte nochmals, und genoß die schattige und überaus kurvige Straße nach Kefermarkt, Gutau, Bad Zell und St. Thomas am Blasenstein, die zu fahren ich Bikern nur empfehlen kann. Eine Felsformation an der Waldaist möchte ich Euch nicht vorenthalten, denn irgendwie sah sie stark aus mit ihrer kleinen Kapelle, die zwischen Felswand, Straße und Fluss eingepfercht lag.

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Es herrschte kaum Verkehr, der Belag war bis auf wenige kürzere Strecken in hervorragendem Zustand, kurzum, es war herrlich die NC so richtig in die Pflicht zu nehmen und dadurch ein intensives Fahrerlebnis zu genießen. Viele Bauern hatten das schöne Wetter genutzt, um ihre Wiesen zu mähen, und der würzige Duft von frischem Heu lag vielerorts in der Luft. Es war Sommer- und Urlaubsfeeling pur!

An Bad Kreuzen vorbei ging es weiter nach Grein mit seinem schön gelegenen Schloss Greinburg, das wuchtig sowohl den Ort als auch die Donau von seiner erhöhten Lage aus dominiert.

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Von Grein aus folgte ich der Donau bis Krems, wobei ich den Strudengau und danach die Wachau bei herrlichem Sonnenschein, strahlend blauem Himmel, 34 Grad und auffällig wenig Verkehr durchquerte. Es war einfach großartig so richtig entspannt durch die Landschaft zu rollen und die Blicke ständig von der an diesem Tag wahrhaftig blauen Donau auf die beiderseits davon aufragenden Weinberge und die alten Dörfer schweifen zu lassen. Zwischendurch passierte ich die Ruinen Aggstein und Weiten-egg, bevor ich in Dürnstein eine Pause einlegte und ein wenig durch die Altstadt schlenderte, um mir die nach der längeren ununterbrochenen Fahrstrecke etwas müde gewordenen Beine zu vertreten.

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Von Krems auf fuhr ich über die S5 und danach die A22 zurück nach Wien, wo ich um 20 Uhr nach insgesamt 530 Kilometern ankam. Es war ein herrlicher Ausflug gewesen mit Streckenabschnitten im Wald- und Mühlviertel sowie dem Mühlkreis, die ich Bikern nur wärmstens empfehlen kann. Für Genußfahrer/innen aus dem Großraum Wien bietet es sich an, ein Wochenende mit einer Übernachtung in einem der netten Orte des Mühlkreises einzuplanen, um genügend Muße für diese wirklich schöne Bikergegend und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu haben.

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