21. Mai 2014: Ausflug zu den Kleinen Karpaten

21-05-14 Kleine Karpaten

Auf der Suche nach kurvenreichen Landstraßen im Umkreis von 200 Kilometern von Wien ausgehend stieß ich auf eine nette Strecke in den Kleinen Karparten in der Slowakei. Diese hügelige Gegend in Grenznähe hatte ich bislang noch nicht auf dem Schirm gehabt, und so informierte ich mich erst einmal, was es denn da für Sehenswürdigkeiten gäbe, die man bei einer Tour besuchen könnte. Was ich dabei „entdeckte“, überraschte mich positiv, und so stellte ich mir eine größere Tour zusammen, von der ich heute einen ersten Teil abfuhr.

Los ging es in Wien gegen 11 Uhr. Ich folgte der A23 Richtung Gänserndorf und bog dann Richtung Angern an der March ab. Dort wartete ich ein paar Minuten auf die Fähre, die sich gerade am slowakischen Ufer befand, und kramte schon mal die 2 Euro Münze hervor, die mich die Überfahrt kosten würde.

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Die March lag friedlich im Sonnenschein, und man mochte sich nicht vorstellen, welche Urgewalt in diesem kleinen Fluss schlummert, die diese großflächigen Überschwemmungen im Jahr 2006 ausgelöst hat.

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Die Überfahrt dauerte nur ein paar Minuten, ich fuhr von der Fähre herunter und passierte gleich darauf den ehemaligen Grenzposten des Nachbarlandes. Es ist für mich jedesmal ergreifend, diese mittlerweile stillgelegten Anlagen zu sehen, denn ich erinnere mich nur zu gut an die Zeit des Kalten Krieges, wo Wachtürme, Grenzzäune mit Selbstschussanlagen und grimmig auftretende Soldaten samt ihren Kalashnikovs den Klassenfeind von einem Einmarsch in die realsozialistische Heimat abzuschrecken versuchten. Bin ich froh, dass dieser Spuk zumindest in Mitteleuropa vorbei ist!

Die Straßen waren in gutem Zustand, und es herrschte kaum Verkehr. Ich folgte der Landstraße nach Malacky und erreichte bei Pernek den Fuß der Kleinen Karpaten, die sich schon beim Näherkommen als exponierte, dicht bewaldete Hügelkette erwiesen, die doch recht interessant aus der Ebene emporragte. Die zahlreichen Kurven der nun folgende Strecke waren nett zu fahren. Sie führte durch einen zusammenhängenden Buchenwald und scheint wohl so ziemlich die einzige spannende Bikerstrecke im größeren Umkreis zu sein, denn etliche Zweiradfahrer kamen mir trotz des Wochentags auf den paar Kilometern entgegen. Es herrscht eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 Kilometern pro Stunde, aber da die Kurvenabfolge recht knapp ist, kommt man damit schon klar.

Ich hatte vor, der Burg Červený Kameň (Bibersburg bzw. Burg Rotenstein) bei Častá einen Besuch abzustatten, die die Fugger im 16. Jahrhundert zu einer Renaissancefestung und einem Handelsumschlagplatz für ihr Ostgeschäft umgebaut hatten. Die vier gewaltigen Basteien wurden nach einem Entwurf von Albrecht Dürer gestaltet. Von 1583-1945 war die Burg im Besitz der Familie Pálffy, heute ist sie Teil des Slowakischen Nationalmuseums.

Die Anlage ist recht beeindruckend, wie auf dem im Internet gefundenen Foto deutlich wird.

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Ich parkte die NC und machte mich auf den Weg zur Festung, wobei ich an diversen vorgelagerten Gebäuden und einem gefälligen Garten vorbeischlenderte.

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Der gepflasterte Innenhof mit einer zum Verweilen einladenden Schänke und einer kleinen Grünfläche, die von einem Brunnen mit dem Wappentier der Pálffy überragt wird, waren recht ansprechend.

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Etwas außerhalb der Festung stand ein wohl jahrhundertealter und vom Zahn der Zeit sichtlich in Mitleidenschaft gezogener, einsamer Wächter.

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Mehr als einen kurzen Blick auf die Festung zu werfen, war leider zeitmäßig nicht möglich, denn ich hatte noch einen Termin in Wien um 16 Uhr wahrzunehmen. Auf kürzestem Weg über die Landstraße und danach die Autobahn nach Bratislava, dem Grenzübergang Kittsee und die A4 am Flughafen Schwechat vorbei ging es nach Hause. Die Gesamtstrecke betrug knappe 250 Kilometer, ich war vier Stunden unterwegs gewesen. Da es in den Kleinen Karpaten noch einiges zu erkunden gibt, werde ich der Gegend vielleicht noch einen Besuch abstatten, bevor es Ende Juli zurück nach Berlin geht.

21-05-14 Kleine Karpaten Höhenprofil

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10. Mai 2014: Hochwechsel und Joglland

11-05-14 Hochwechsel - Joglland

Nach drei langen Wochen ohne Ausfahrt bedingt durch eine Dienstreise in den, wie es vor Ort hieß, Norden des Südens von Chile nach Osorno und Valdivia und 26000 Kilometern in diversen Flugzeugen und Bussen, konnte ich es kaum erwarten, die NC wieder im Wechselgebiet und Joglland Kurven tanzen zu lassen. Gegen 13 Uhr 45 machte ich mich auf in Richtung Gloggnitz und schwenkte von dort aus auf die erprobte Strecke über Enzenreith zur Burg Kranichberg ein. Nach der Durchfahrt durch das Tor der Burgmauer hielt ich vor der eigentlichen Burg an, um sie mir etwas genauer anzusehen, aber weiter als bis zum Burgwall kam ich leider nicht.

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Es schien als hätten sich die letzten Winterschläfer unter uns Bikern den Sand aus den Augen gerieben, die Motoren frisch geölt und die Ketten neu gespannt, denn auf den wenigen Kilometern bis nach Kirchberg am Wechsel kamen mir an die 25 Zweiradenthusiasten entgegen. Ich fragte mich zwar, wie gar mancher es anstellte, in einer Spitzkehre die linke Hand zum Gruß zu erheben, ohne Gedanken darauf zu verschwenden, dass sich das möglicherweise ungünstig auf die Stabilität des mit einer/einem Beifahrer/in zusätzlich besetzten Motorrads auswirken könnte, aber abgesehen davon tat es mal richtig gut keinen einzigen Tiefflieger, sondern ausschließlich defensiv fahrende Genußbiker entgegenkommen zu sehen.

In Kirchberg bog ich nach Otterthal zum Feistritzsattel ab, den ich rasch hinter mich brachte. Ich wollte mit der heutigen Ausfahrt der Empfehlung BuBattys folgen, der mir liebenswerterweise eine E-mail mit Details der Route zum Hochwechsel geschickt hatte. Besten Dank dafür! Dementsprechend bog ich in Ratten in Richtung St. Jakob im Walde ab und folgte der engen, kurvigen Straße durch die grünen und einsamen Hügel des Jogllandes. Es herrschte kaum Gegenverkehr, und es bereitete mir große Freude, den Blick zwischendurch in die Ferne schweifen zu lassen.

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In Waldbach angekommen, folgte ich den Hinweisschildern zum Hochwechsel. Die Straße wurde nun noch etwas enger, sie führte durch einen Hochwald bis zu einer plötzlich auftauchenden Schranke mit Stoppschild.

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Ich hatte etwas unvermittelt die Mautstelle an der Rabl-Kreuz Hütte erreicht, an der die ‚Kleinigkeit‘ von EUR 4,50 zur Weiterfahrt eingefordert wurde. Ich stellte die NC ab, und kramte in meiner Geldbörse, aber wie erwartet, fanden sich darin zu wenige Münzen. Also ging es ab in die wunderschön auf 1350 Metern Seehöhe gelegene Hütte, um den freundlichen Wirt um Wechselgeld zu bitten. Dem wurde nachgekommen, und ich rollte die NC wieder vor die Schranke, um die entsprechenden Münzen einzuwerfen. Nichts tat sich. Die Schranke blieb unten. Als sich beim mehrmaligen Versuch, das Geld durch Drücken des Retourknopfes zurückzubekommen, ebenfalls nichts tat, ging ich nochmals in die Hütte, um höflich nachzufragen, ob man mir behilflich sein könnte. Die Wirtin kam daraufhin mit einem Schlüssel zur Schranke und öffnete sie für mich. Mit einem freundlichen Gruß rollte ich endlich von dannen.

Hier ist der Blick von der Terrasse der Rabl-Kreuz Hütte Richtung Süden:

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Nach kurzer Zeit erreichte ich eine Kreuzung, von der links eine feste Sandstraße zum Hochwechsel führte. Die wenigen Auswaschungen und die hölzernen Gitter stellten kein Problem für die NC dar, und so rollte ich stetig dem 1743 Meter hohen Gipfel mit seinem Wetterkoglerhaus und der markant in den Himmel ragenden Kapelle entgegen.

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Oben angekommen, stellte ich die NC bei der Hütte ab und wanderte zur Kapelle. Der Wind pfiff gewaltig, und die Temperatur war der exponierten Höhenlage entsprechend eher auf der unterkühlten Seite.

Die Kapelle ist von einem ummauerten, kleinen Vorhof umgeben, an dessen Längsseiten einfache, unbeschriftete Holzkreuze zu sehen sind. In ihrer Form entsprechen sie den Markierungen von Soldatengräbern, wie sie besonders entlang der Ostfront im zweiten Weltkrieg zu finden waren.

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Innen ist die steile Dachkonstruktion mit Holz verkleidet, auf dem freskenartige Bilder aufgemalt sind, die an vergangene Kriegsgreuel in der Gegend erinnern.

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Ich muss gestehen, dass mich der Besuch der Kapelle mit sehr gemischten Gefühlen zurückließ. Die Bilder sind klassische Opferpropaganda, und die Aussage, dass hier Abend- und Morgenland aufeinandergeprallt sein sollen, wird an einem singulären Ereignis des Jahres 1532 festgemacht. Unterschwellig wird ein Abwehrkampf des christlichen Europas gegenüber den ‚Horden aus dem Osten‘ suggeriert, nur passen da eben die Franzosen nicht ganz in dieses Bild. Es ist weiters nicht klar, ob die 47 Gefallenen der letzten Kriegstage 1945 ausschließlich Wehrmachtsangehörige sind oder ob es sich bei den 32 Namenlosen um sowjetische Soldaten handelt, denn ohne Verluste auf beiden Seiten werden die Gefechte wohl nicht abgelaufen sein. Die plakative Darstellung von Gewalt in einem Raum, der der Besinnung dienen soll, wirkte auf mich mehr als befremdlich und etwas mehr historische Differenzierung erschien mir doch wünschenswert zu sein.

Nachdenklich ging ich zurück zur NC. Der Himmel war teilweise recht dunkel geworden, die erwartete Regenfront kündigte sich an. Ich schoss noch rasch ein paar Fotos, um die grandiose Aussicht festzuhalten, und machte mich dann wieder auf den Weg zurück ins Tal.

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Am Ende der Sandpiste bog ich nach links, passierte nach kurzer Zeit die andere Mautschranke beim Mönichwalder Schwaig auf 1200 Metern Seehöhe und erreichte schließlich bei Neudorf bei Mönichwald die L427. Von der Kreuzung aus erhaschte ich einen Blick auf die Festenburg, die ich mir für einen Besuch vorgemerkt hatte.

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Ich parkte die NC auf dem kleinen Platz oberhalb des idyllisch gelegenen Friedhofs und wanderte den von metallenen Hellebardenträgern gesäumten Weg zum Burgtor hoch.

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Die Burg gehört seit 1616 zum Stift Vorau. Der Innenhof überraschte mich durch seine Schlichtheit, die in krassem Gegensatz zu den Eindrücken stand, die sich mir im angrenzenden Stiegenaufgang darboten. Die Äbte hatten die mittelalterliche Festung mit einer großen Kirche ausgestattet und waren dabei mit Leidenschaft dem katholischen Barockstil verfallen, der sich einerseits in verschwenderischem Prunk und andererseits in drastischen und überaus realistisch dargestellten Folterszenen manifestiert, wie auf dem einem Bild zu sehen ist. Die Kirche selbst war leider geschlossen, und so kehrte ich ohne sie gesehen zu haben, zur NC zurück. Vielleicht klappts ja beim nächsten Besuch.

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Es ging mittlerweile auf 17 Uhr zu, und ich machte mich auf den Heimweg nach Wien. Über Mönichwald und Waldbach ging es auf der gut ausgebauten und wenig befahrenen Bundesstraße nach Wenigzell und von dort aus nach Ratten und durch den Feistritzwald zurück nach Rettenegg, wo ich auf die schöne Strecke über den Pfaffensattel abbog. Nach kurzer Zeit tauchte ein bei Bikern allseits beliebtes Verkehrsschild auf, das erfreuliche Aussichten versprach.

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Nach Querung des Pfaffensattels auf 1368 Höhenmetern führte die Straße nach Steinhaus am Semmering und von dort über die S6 und die A2 nach Wien zurück, wo ich nach einem Tankstopp in der Triester Straße gegen 19 Uhr 15 und 340 erfreulichen Nachmittagskilometern mit zahllosen Kurven, Steigungen und Talfahrten zu Hause ankam. Fazit: Diese Tour hat richtig Spaß gemacht und ist absolut zu empfehlen!

11-05-14 Hochwechsel - Joglland Höhenprofil

20. April 2014: Osterfest in Senftenberg

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Marion und Dieter hatten meine Eltern und mich zu einem gemeinsamen Mittagessen bei sich zu Hause eingeladen, was ich sehr gerne annahm. Über die A22 und die S5 ging es am späten Vormittag zügig nach Krems und dann weiter nach Senftenberg. Nach einem ausgezeichneten Mahl und netten Gesprächen machte ich mich gegen 17 Uhr bei gutem Wetter auf, das Kremstal und die Gföhler Kurven zu genießen. In Gföhl tankte ich, um danach der Kremser Bundesstraße zur Donaubrücke und der S33 bis Traismauer Süd zu folgen. Hier fuhr ich ab und querte das Tullner Becken, wobei ich Atzenbrugg, Einsiedel, Judenau, Chorherrn und Tulbing passierte. In Königstetten bog ich Richtung Dopplerhütte und Exelberg ab und schwang mich bei wenig Verkehr die schönen Kurven entlang nach Scheiblingstein und weiter die Kehren abwärts zum Schwarzenbergpark nach Hernals. Gegen 18 Uhr 30 war ich nach knappen 200 Tageskilometern wieder zu Hause.

19. April 2014: Ausfahrt am Karsamstag

19-04-14 Ostersamstagtour

Die letzten Tage über hatte ich mir für die Osterfeiertage einige netten Touren ausgearbeitet, von denen ich hoffte, wenigstens eine längere fahren zu können. Die Vorhersage meldete für heute eher durchwachsenes Wetter, da eine Schlechtwetterfront von Ungarn kommend mein anvisiertes Tourgebiet spätestens am Nachmittag mit heftigen Schauern durchziehen würde. Nach einigem Zögern und nachdem der Morgendunst von einem lachenden Sonne vertrieben worden war, packte ich schließlich meine Revit Klamotten, in die nach Schottland eine neue Regenmembran eingezogen worden war, da die alte sich als nicht wasserdicht erwiesen hatte – mein Dank geht an Louis, die die Reklamation anstandslos und umgehend bearbeitet hatten – und machte mich gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Süden. Ich wollte neben einigen neuen Abschnitten auch diverse erprobte und für sehr gut befundene Bikerstrecken abfahren und dabei Erinnerungsfotos schießen, die mir die kommenden Flachlandfahrten im Osten der Republik etwas erträglicher machen sollen.

Über die A2 und die Allander Autobahn ging es zuerst zum Stift Heiligenkreuz, wo noch andere den Tag zu einem Ausritt nutzen.

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Ich hatte unmittelbar nach dem Torbogen der Zufahrt am rechten Rand gehalten. Während ich noch an meiner Jacke herumfummelte, um den Fotoapparat wieder zu verstauen, fiel mein Blick in den Rückspiegel, und alles was ich sehen konnte, waren ein großer Scheinwefer und der untere Teil eines Busfensters etwa einen Meter hinter meiner NC. Der Fahrer musste wohl einen guten Tag erwischt haben, denn er hupte nicht – der Schreck hätte mich wahrscheinlich vom Sattel gefegt!

Kurz nach Heiligenkreuz bog ich auf die Strecke Mayerling – Neuhaus ab. Auf dieser netten Nebenstraße gibt es kaum Verkehr, einige schöne Kurven und viel Landschaft zu bewundern.

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In Pottenstein ging es auf den Hals nach Pernitz. Ich genieße diese 13 Kilometer lange, einsame und hügelige Strecke durch den Wald, auf der ich meine NC so richtig tanzen lassen kann.

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Die Burgruine Gutenstein überblickt seit mehr als 800 Jahren den gleichnamigen Ort, der ein bekannter Wallfahrtsort ist und sich bereits im Biedermeier einen Namen als Sommerfrische gemacht hatte. Ferdinand Raimund verbrachte hier regelmäßig die Sommermonate, bevor er sich schließlich eine Villa zulegte. Die Ruine ist leider aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugänglich, ihr markanter Bergfried ist aber nach wie vor beeindruckend.

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Der Rohrer Sattel ist wegen seiner durchgehenden 70-er Beschränkung für mich uninteressant, und so fuhr ich über das Klostertal ins Höllental. Hier ein Blick nach Nordwesten ins Voralpengebiet.

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Im Höllental angekommen, folgte ich den herrlichen Kurven entlang der Schwarza, die diese beeindruckende Schlucht durchfließt. Da es sich um ein beliebtes Kletter- und Wandergebiet handelt, kann es vorkommen, dass Steine und Geröll auf die Straße herabstürzen – Vorsicht ist deshalb (abgesehen von den regelmäßig auftretenden Zweiradtieffliegern auf Höllentrip) generell angesagt. Dies sollte jedoch die Freude über eine traumhafte Bikerstrecke nicht schmälern.

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Kurz nach der Talstation der Raxseilbahn bog ich nach Edlach ab, um wieder einmal das Preiner Gscheid in Angriff zu nehmen. Anfangs führt die Strecke noch durch kleinere Dörfer, die sich als Höhenluftkurorte einen Namen gemacht haben, danach wird die Straße eng und sehr kurvig. Der Belag lässt zu wünschen übrig, aber die stellenweise großartige Aussicht auf das Raxmassiv entschädigt dafür. Am Pass verläuft die Landesgrenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark, dem ‚grünen Herz Österreichs‘ wie die offizielle Werbebotschaft lautet. Da es auf 13 Uhr 15 zuging und mein Magen sich bemerkbar machte, beschloss ich eine kurze Rast auf dem Parkplatz einzuschieben, eine Kleinigkeit zu mir zu nehmen und anschließend einige Fotos zu machen. In der Nähe befindet sich eine Marienstatue aus den 1650-ern, die den Kamm des uralten Handelswegs markiert.

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Die Abfahrt von Preiner Gescheid erfolgt im Gegensatz zum niederöster-reichischen Teilstück auf einer sehr gut ausgebauten, zweispurigen Straße, die nach einiger Zeit auf die Lahnsattelbundestraße trifft. Hier entschied ich mich nicht nach rechts Richtung Gußwerk und in der Folge entweder in die Wildalpen oder nach Mariazell abzubiegen, sondern ich fuhr nach links Richtung Mürzzuschlag entlang der ruhig in der Sonne glitzernde Mürz. Dort lotste mich das Navi auf die S6 bis nach Krieglach und danach auf die Weizer Bundesstraße, die in Peter Roseggers Waldheimat führt.

Seit meiner Schulzeit war ich nicht mehr in dieser Gegend gewesen, und so fuhr ich die kleine Nebenstraße Richtung Alpl ab, um nochmals eine Dosis Erinnerung zu tanken. An der Volksschule Roseggers vorbei, führte die enge Straße zur Abzweigung zum Bergbauernhof des Schriftstellers. Zwei Wege, beide gleich lang, waren angezeigt. Ich glaube, dass die Wahl bei den klaren Hinweisen für die meisten von uns nicht allzu schwierig sein wird!

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Da ich  nicht gewillt war in meinen Bikerstiefeln weder auf der einen noch der anderen Route die beinahe zwei Kilometer zum Bauernhof hochzusteigen, kehrte ich zur Bundesstraße zurück und machte mich auf den Weg nach St. Kathrein am Hauenstein. Ein Blick zurück offenbarte die Mühen, die der kleine Peter Rosegger täglich bei jeglichem Wetter auf sich nehmen musste, um in die Schule zu gelangen. Seine Erzählungen greifen diese Erfahrungen teil humoristisch, teils wehmütig immer wieder auf.

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Die Weizer Bundesstraße führt von Alpl aus relativ steil bergab, und den Warnschildern in verschiedenen Sprachen nach zu schließen, dürfte dies von manchem Fahrer wohl immer wieder unterschätzt werden. St. Kathrein ist ein netter kleiner Ort, der sich eng an die steil aufragenden Hänge schmiegt. Ich folgte der schönen Strecke entlang der Feistritz nach Ratten, Filzmoos und Rettenegg, da ich diesmal über den Feistritzsattel nach Gloggnitz zurückfahren wollte. Der Pfaffensattel hatte mich vor kurzem begeistert, nun wurde die alternative Route getestet. Um es kurz zu machen: Ich war einigermaßen enttäuscht. Die Straße ist zweispurig ausgebaut, wenn auch der Belag ziemlich zu wünschen übrig lässt; sie ist gut befahren, es gibt einige Kehren, aber sonst stellt sie keine Herausforderung für einen Biker dar. Da waren sowohl der vorhin erwähnte Pfaffensattel als auch die Strecke über Kirchberg am Wechsel deutlich interessanter.

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Die Abfahrt vom Feistritzsattel verlief ebenfalls unspektakulär, einzig die gut erhaltene Burg Wartenstein, deren Gründung ins 12. Jahrundert zurückgeht, ist auf diesem Streckenabschnitt als bemerkenswert hervorzuheben.

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In Gloggnitz angekommen, überzeugte mich ein kurzer Blick auf die Uhr, dass es um 15 Uhr 30 noch viel zu früh war, um direkt auf der S6 nach Wien zurückzufahren. Es wäre schade gewesen, den Sonnenschein nicht auszunutzen, denn von der angekündigten Schlechtwetterfront war weit und breit nichts zu sehen. Also machte ich mich auf den Weg nach Prigglitz, das ich über enge, einspurige Nebenstraßen erreichte. Der Blick ins hügelige Wechselgebiet war herrlich und ließ das Bikerherz höherschlagen.

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Weiter ging es über Gasteil und Bürg auf der bereits mehrfach erprobten extrem engen Ambach Route Richtung Sieding-Stixenstein. Die Burg Stixenstein, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert, liegt grandios auf einer dicht bewaldeten Höhe über dem Sierningbach, an dem sich die Straße nach Puchberg am Schneeberg entlangschlängelt.

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Kurz nach Puchberg folgte ich der Straße nach Miesenbach, die einige schöne Kehren aufzuweisen hat. An der Gutensteiner Straße angekommen, hatte ich die Möglichkeit über Hernstein und Bad Vöslau wieder zurück nach Wien zu fahren, aber es stand noch immer Zeit zur Verfügung, die es zu nutzen galt. Also fuhr ich zurück nach Gutenstein und nahm eine meiner weiteren Lieblingsstrecken in dieser Gegend, die Haselrast, unter die Räder. Der Felsdurchbruch am Fuße der Ruine ist immer wieder beeindruckend.

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Nach den wenigen Häusern in Steinapiesting windet sich die enge, einspurige, aus dem Berg geschlagene und größtenteils ungesicherte Straße zum Kamm hoch. Vorsicht ist angesagt, denn es praktisch kein Platz vorhanden, um Gegenverkehr passieren zu lassen. Landschaftlich gesehen ist sie für mich ein wahres Gustostück!

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Es ging mittlerweile auf 16 Uhr 30 zu, und an der Kalten Kuchl war nur mehr wenig Betrieb. Ich nutzte den Zwischenstopp vor der Querung des Ochssattels, um die Reste des großen Insekts, das direkt vor meinem linken Auge großflächig Kontakt mit dem zum Glück geschlossenen Helmvisier hatte, zu entfernen. Den schönen Blick vom Parkplatz vor der Kalten Kuchl zurück ins Schneeberggebiet musste ich einfach festhalten.

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Ein Vorteil der etwas vorgerückten Zeit war es, dass nur mehr wenige Biker auf der, wie ein Zweiradkollege einst trocken bemerkte, „Hausrennstrecke der Wiener Beamtenschaft“ unterwegs waren. Dennoch kam mir ein Dreiertrupp Rennfahrer in extremer Schieflage mit heulenden Motoren entgegen, und ich war froh, die entsprechende Kurve im Sinne der gestern beim Fahrsicherheitstraining erhaltenen Empfehlungen sehr eng gefahren zu sein. Ich kann nicht sagen, was mich mehr ankotzt – die präpotente Selbstüberschätzung einiger ‚Ach-ich-bin-so-geil‘ Biker, oder die eklatante Mißachtung und Gefährung anderer Verkehrsteilnehmer durch rücksichtsloses Fahrverhalten. Zum Glück handelt es sich um eine kleine Minderheit der Biker…

Zurück zum Ochssattel, für den ich einige Bilder sprechen lassen möchte:

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Da kommt Freude auf! Ich empfehle, den Ochssattel an einem Wochentag zu genießen, denn an Wochenenden ist dort aus naheliegenden Gründen die Hölle los.

Über die schöne und ebenfalls kurvige Strecke nach Hohenberg – die letzten drei Bilder zeigen sie – fuhr ich weiter nach Lilienfeld, wo ich das Stift fotografierte. Es liegt direkt an einem Fischteich und in unmittelbarer Nähe der Traisen, was durch den hohen Grundwasserspiegel zu sehr feuchten Außenwänden führt, wie man gut sehen kann. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese Räume zu nutzen sind, aber wie ich mittlerweile erfahren habe, befindet sich dort das Stiftsgymnasium. Ich hoffe, dass regelmäßig die Belastung durch Schimmelsporen geprüft wird, denn gesund kann es nicht sein, dort jahrelang die Schulbank zu drücken.

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Über St. Veit an der Gölsen fuhr ich zurück nach Hainfeld, wo mich urplötzlich ein überaus heftiger Regenschauer erfasste. Die gesamte Strecke war nichts von der angekündigten Schlechtwetterfront zu sehen gewesen und gerade 60 Kilometer vor dem Ziel erwischte es mich nun doch – und das voll. Rasch kramte ich meine Überziehhandschuhe hervor, denn die Erfahrung auf der Applecross Peninsula in Schottland hatte mich bewogen, nichts auf sogenannte wasserdichte Handschuhe zu geben. Und eiskalte Hände in klatschnassen Handschuhen sind ziemlich übel! Nun konnte ich ja testen, ob die neue Membran in meinem Anzug das hielt, was der Hersteller versprach. Die Gummihandschuhe spannten zwar über den Karbonschalen meiner Handschuhe, aber das war zu ertragen. Um es kurz zu machen, der Anzug hielt diesmal alles Wasser ab. Der Guß währte nicht lange, nach etwa zehn Minuten war er wieder vorbei. Allerdings hatte es deutlich abgekühlt, und ich stellte meine Griffwärmer an, über deren Einbau ich bei solchem Wetter jedesmal höchst erfreut bin. Die Strecke Klamm – Innermanzing brachte ich rasch hinter mich, wobei das sonst übliche Tänzchen der NC wegen rutschiger Fahrbahn deutlich verhaltener ausfiel als sonst. Auf der A1 bei Pressbaum kam der nächste Schauer herunter, aber das kratzte mich nicht. Um 18 Uhr 45 erreichte ich nach 390 Kilometern schöner Kurvenfahrten wohlbehalten mein Zuhause und konnte noch den Großteil der ARD Sportschau verfolgen, die für mich einen Fixpunkt der Woche darstellt.

19-04-14 Ostersamstagtour Höhenprofil

18. April 2014: Motorrad Aktiv Training am Wachauring in Melk

SAMSUNG CAMERA PICTURESNach den bisherigen 7000 Kilometern auf meiner eigenen und weiteren 2000 auf einer gemieteten NC dachte ich mir, dass ein Brems- und Gefahrentraining im Fahrtechnikzentrum des ÖAMTC in Melk mal interessant wäre. Also buchte ich einen Kurs und fuhr heute früh bei recht frischen Temperaturen auf der A1 nach Melk zum Wachauring. Folgendes stand auf dem Programm: http://www.oeamtc.at/?id=2500%2C1125328%2C%2Cund

Neun Biker – allesamt beginnende graue Wölfe – vom Wiedereinsteiger zum Vespa- und Harleyfahrer wurden von Uli von 9 bis 15 Uhr 30 auf der Rennstrecke samt angeschlossenem Kreis- und Kurvenbereich trainiert. Ich wollte meine Kurventechnik verbessern sowie vor kundigem Auge das bestmögliche Zusammenspiel der Bremsen der NC testen. Uli war sichtlich von der Effektivität des Bremssystems überrascht, und mich beruhigt es zu wissen, dass ich mich jederzeit darauf verlassen kann. Aber etwas anderes war von Honda auch nicht zu erwarten.

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30. März 2014: Wechsel – Joglland – Teichalm

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An diesem herrlich warmen Sonntag Nachmittag machte ich mich um 12 Uhr 30 auf den Weg Richtung Semmering, um bei Gloggnitz in das Wechselgebiet und das daran anschließende steirische Joglland zu fahren. Kurz nach dem Seebensteiner Autobahnkreuz fuhr ich in Natschbach an die Tankstelle, denn ich wollte sicherstellen, dass ich für den Rest des Tages genügend Sprit im Tank hatte, denn gegen Abend in einer verlassenen Waldgegend im Nirgendwo zu stranden war nicht in meinem Sinn.

Der Schneeberg machte seinem Namen alle Ehre und strahlte mit der Sonne um die Wette.

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Bei Gloggnitz fuhr ich von der S6 ab, rollte durch Enzenreith auf die Kranichbergstraße und der Kurventanz meiner NC konnte beginnen. Ein wahres Bikerparadies voll mit schmalen, kurvigen Straßen (allesamt von Rollsplitt befreit), einsame Waldgebiete mit herrlichen Weitsichten und praktisch kein Gegenverkehr erwartete mich. Und das sollte mich bis auf die Strecke zwischen Aspang-Markt und Rohrbach an der Lafnitz für den Rest des Nachmittags begleiten…

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Nach einigen Serpentinen, die meine NC mit Bravour meisterte, tauchte eine mittelhohe Steinmauer auf, durch deren schmales Tor die Straße auf eine Vorburg führte, über der sich die der wuchtige Turm der Burg Kranichberg erhob.

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Die geschwungene Straße führte nun über den Ramssattel und etliche Serpentinen nach Kirchberg am Wechsel, welches in idyllischer Tallage am Zusammenfluss des Otterbachs und der Feistritz liegt.

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESÜber St. Corona am Wechsel und Aspang-Markt führte die Route auf die Wechselbundesstraße, die sich einer halben Autobahn gleich nach Mönichkirchen und weiter nach Rohrbach an der Lafnitz wand. Nach den herrlichen Kurven und schmalen Nebenstraßen kam dies wie eine kalte Dusche, und ich war froh, von diesem schrecklichen Betonband abfahren zu können. Aber ich konnte das Bikererlebnis von vorhin gleich wieder aufnehmen, denn was jetzt folgte, war ein Hochgenuss an Kurventanz auf guten, sich an Bächen und Waldhängen entlangschlängelnden Straßen. Nach kurzer Zeit erreichte ich Vorau, dessen Chorherrenstift seit Jahrhunderten stolz auf das schöne Joglland blickt.

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Birkfeld überraschte mich mit seiner exponierten Höhenlage. Der runde Turm der barocken Kirche war schon von weitem zu sehen, und der kleine Marktplatz erschien mir bei der Durchfahrt recht idyllisch zu sein. Ich hielt mich allerdings nicht weiter im Ort auf, sondern fuhr weiter Richtung Teichalm, denn ich wolle schon seit einer gefühlten Ewigkeit diese Gegend auf dem Bike erkunden, nachdem mir etliche Zweirad-enthusiasten mit Begeisterung davon erzählt hatten. Um es kurz zu fassen, sie hatten alle recht. Was sich mir hier erschloss, war ein Stück Bikertraum, der jedem zu empfehlen ist. Wer abgelegene Straßen in schmalen Tälern umgeben von steilen Abhängen und großartigen Fernsichten sucht, wird hier fündig. Seht selbst!

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Ich beschloss nicht direkt zur Teichalm zu fahren, sondern vorher die Südschleife über St. Kathrein am Offenegg und Passail zu erkunden. Die steilen Abhänge bei Fladnitz boten Hängegleitern ideale Aufwinde, denn es zogen etliche über mir große Kreise am Himmel. Als ich mich der Teichalm näherte, wurde die Landschaft deutlich karger; die Bauern der Gegend hatten im Laufe der letzten Jahrhunderte große Teile des ursprünglichen Waldes abgeholzt, um Weiden für ihre Rinder zu schaffen.

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Dass der Winter vor noch nicht allzulanger Zeit die Teichalm fest im Griff gehabt haben musste, verdeutlichte dieses Hinweisschild.

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Was sich allerdings danach an tatsächlichen Schneeverwehungen ergab, sieht man hier:

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Der Teichalmsee lag friedlich im Sonnenlicht am Fuße der Schilifte. Etliche Wanderer aus dem Großraum Graz nutzten die Frühlingstemperaturen, um auf 1200 Metern Seehöhe Frischluft und Energie für die kommende Woche zu tanken. Das alte Wirtshaus mit seinen Holzaufbauten lud zum Einkehren ein, doch ich wollte die Zeit nutzen und die verbleibende Strecke vor Einbruch der Dunkelheit zu Ende fahren.

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Über Am Straßegg, Gasen und Haslau fuhr ich die Runde nach Birkfeld zu Ende, um danach die Feistritz entlang in Peter Roseggers Waldheimat und nach Ratten zu gelangen. Zwischendurch fand sich dieser kleine Wasserfall direkt neben der Straße.

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In Rettenegg hatte ich die Wahl über den Pfaffensattel nach Steinhaus am Semmering oder den Feistritzsattel nach Gloggnitz zu fahren. Ich entschied mich für ersteren, denn auf der Karte waren auf dieser Strecke die spannenderen Kurven eingezeichnet gewesen. Es dauerte nicht lange, da tauchte ein passendes Verkehrszeichen auf: 20% Steigung auf den nächsten 4,5 Kilometern! Na, das nannte ich eine Ansage! Los gings ab jetzt ständig bergauf durch enge Kurven und Kehren, entlang an steilen, unbefestigten Abhängen mit dichtem Baumbestand. Kein einziges Fahrzeug war zu sehen, allein zwei Rehe fühlten sich durch die Annäherung der NC in ihrer Beschaulichkeit gestört.

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Auf dem Scheitelpunkt der Strecke auf 1368 Metern Seehöhe stand erneut ein Verkehrszeichen, diesmal mit umgekehrten Angaben: 20% Gefälle auf den nächsten 4,5 Kilometern. Der durch Winterschäden aufgerissene und abschnittsweise höchst notdürftig geflickte Asphalt verhinderten eine allzurasche Abfahrt bis Steinhaus. Die Kehren und Kurven waren allerdings wie schon bei der Auffahrt wunderbar.

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Von Steinhaus fuhr ich auf die Semmering Schnellstraße, die S6, und danach auf direktem Weg auf der A2 nach Wien, wo ich gegen 18 Uhr 30 nach 400 intensiven Kilometern ankam. Für eine Nachmittagstour eignet sich diese Strecke nur dann, wenn man bereit ist, praktisch die gesamte Zeit im Sattel zu sitzen. Ich werde demnächst mal über den Feistritzsattel ins Joglland fahren und dort einen ganzen Tag gemächlich Kurven und Aussichten genießen. Diese herrliche Gegend sieht den Lone Wolf Biker garantiert wieder!

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27. März 2014: Tour ins Waldviertel

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Ich hatte mir heute freigenommen, um Überstunden abzubauen, die ich andernfalls zum Ende des Monats verloren hätte. Das Wetter der letzten Tage hatte sich deutlich gebessert, und so lag der Gedanke an eine Ausfahrt nahe. Meine Eltern waren seit einigen Tagen wieder in ihrem Haus im Oberen Waldviertel, und da mein Vater einige für ihn wichtige Kleinigkeiten in ihrem Winterdomizil in Wien versehentlich zurückgelassen hatte, beschloss ich sie ihm zu bringen. Das würde mir auch die Gelegenheit geben, festzustellen, ob die Nebenstraßen in dieser herrlichen Bikerregion schon einigermaßen schotterfrei wären.

Ich machte mich gegen 10 Uhr auf den Weg, fuhr zuerst die A22 und dann die S5 Richtung Krems und bog danach nach Grafenwörth zum Schloß Grafenegg ab, das in den letzten Jahren zu einem beachtlichen Kulturzentrum ausgebaut worden war. Es war dies mein erster Besuch überhaupt, obwohl ich bereits so viele Male in der Nähe vorbeigefahren war. Das Schloß liegt in seiner malerischen Pracht in einem weitläufigen Park mit diversen alten Nebengebäuden, darunter eine Reitschule, und neuarchitektonischen Auditorien, welche zusammen ein interessantes Gesamtensemble ergeben. Hier einige Eindrücke:

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Der Frühling hatte Einzug gehalten, und die in voller Blütenpracht stehenden Ostbäume sahen einfach herrlich aus.

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Nach kurzem Spaziergang, bei dem mir ein freundlicher kleiner Junge von etwa zwei Jahren, der mit seinem Großvater im Park unterwegs war, unbedingt einen Löwenzahn schenken wollte und dafür mit einer Runde Hochheben belohnt wurde, was er sichtlich genoss, ging es wieder zurück zum Parkplatz. Zwischen diversen Bauten fand sich ein Beispiel des opulenten katholischen Erbes der Barockzeit in Österreich.

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Über Krems und das Kremstal führte die Strecke weiter nach Senftenberg, wo ich endlich einmal die Ruine fotografieren konnte.

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Die alte Hochburg wurde im Jahre 1645 von schwedischen Truppen unter General Torstenson erobert und niedergebrannt, sie wurde nie wieder aufgebaut.

Das sechs Kilometer lange Waldstück vom Kremstal hoch nach Gföhl wurde mit viel Freude in Angriff genommen, denn die Straße war schotterfrei, und so konnte ich mich besser an die optimale Schief- und Straßenlage nach einer zum Glück nur kurzen Winterpause herantasten. Von diesem Abschnitt gibt es keine Fotos, denn ich wollte den eleganten Fluss der Fahrt nicht unnötig unterbrechen – Biker werden das sicherlich nachvollziehen können!

Über Jaidhof führte die Streck nach Krumau am Kamp und dann weiter die Kamptalstauseen entlang. Die Bäume waren noch nicht belaubt, und so bot sich ein guter Blick auf die diversen Burgen, Schlösser und Ruinen, die diese alte Handelsroute säumten. In den Serpentinen nach Krumau fand sich einiges an Schotter, Achtsamkeit in den Kurven war angesagt.

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Weiter ging es zum Dobrastausee, in dem die gleichnamige Ruine auf einer Halbinsel die noch laublosen Bäume überragt. Hier einige Eindrücke der Landschaft, die von den drei in den 1950-ern erbauten Staumauern und -seen geprägt wird:

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Ein kleiner Eindruck des Zustandes der Nebenstraßen im Oberen Waldviertel Ende März…

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Der Stausee samt Ruine, die bewaldeten Hänge und die kurvige Straße waren mit Eindrücken meiner Solofahrt durch die schottischen Highlands im Juli letzten Jahres durchaus zu vergleichen.

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Nach einigen weiteren Kilometern kurviger Straße, auf der ich auf dem halben Meter zwischen Schotterbankett und durchgehender Schotterspur navigierte, erreichte ich die Staumauer des Kraftwerks Ottenstein.

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Auf einem exponierten Felsvorsprung rechts davon steht die bestens erhaltene Burg Ottenstein.

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Die Straße führte nun eine Anhöhe hinauf und querte etwas später den Stausee auf einer Brücke, von der aus man einen großartigen Blick auf die Ruine Lichtenfels werfen konnte. Auf einem kleinen Parkplatz unmittelbar vor der Brücke hielt ich an, um einige Aufnahmen zu machen.

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Nun wurde es langsam Zeit nach Bad Großpertholz zu kommen. Kurz vor Zwettl konnte man aus der Ferne den Kirchturm des gleichnamigen Stifts sehen. Plötzlich musste ich anhalten, denn ich erblickte einen Storch, der friedlich neben der Straße über eine Wiese schritt. Ende März hatte ich das in dieser Gegend noch nie gesehen!

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In Zwettl querte ich den alten Marktplatz, und fuhr dann weiter über Jagenbach und die landschaftlich so schöne Nebenstrecke nach Engelstein. Hier war es möglich ein Bild der Burg zu machen, die die meiste Zeit des Jahre durch hohe, belaubte Bäume nahezu komplett verdeckt ist.

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In Mühlbach bog ich nach Seifritz ab, um über Abschlag dem urigen Fassldorf einen Besuch abzustatten. Ich war wohl der einzige Besucher, denn es zeigte sich absolut niemand, obwohl die Türen der riesigen Fässer und der Wirtschaft offen standen.

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Das Fassldorf liegt direkt an der Haltestelle der Waldviertler Schmalspurbahn, die noch in meiner Kindheit täglich von Groß Gerungs nach Gmünd und zurück fuhr. Mittlerweile wurde sie eingestellt und fungiert nur noch als Ausflugsbahn, die bei dampflock-begeisterten Zeitgenossen großen Anklang findet.

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Die Spur’breite‘ der Bahn ist wahrlich ’schmal‘!SAMSUNG CAMERA PICTURES

Hier noch ein Blick auf die typische Landschaft meiner alten Heimat:

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In Bad Großpertholz befindet sich ein Schloß, das mitsamt den dazugehörigen Wäldern in den 1920-ern von der Firma Pfleiderer aus Neumarkt in der Oberpfalz gekauft worden war. Mein fränkischer Großvater war damals als Waldmeister mitgekommen, und hatte bald danach die Tochter des Schlossverwalters geheiratet. Tja, und so kam es dass ich in diesem Ort geboren wurde und hier aufwuchs. Nach dem Studium in Wien und zahleichen Auslandsaufenthalten verschlug es mich im Jahr 2000 nach Berlin und dann im Jahr 2007 eher ungewollt wieder zurück nach Wien. Meine Zeit hier neigt sich dem Ende zu, und ab August kann ich mein Motorradkennzeichen wieder auf ein mit B beginnendes umtauschen!

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Auch im Garten meiner Eltern machte sich der Frühling bemerkbar.

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Nach dem Mittagessen und netten Gesprächen, fuhr ich gegen 16 Uhr wieder los. Zuerst stattete ich dem Naturpark Nordwald Grosspertholz in Scheiben einen Kurzbesuch ab, fuhr weiter über Reichenau nach Rindlberg an Waldrändern vorbei, an denen sich noch vereinzelt größere Schneefelder fanden, und folgte danach der B41 nach Karlstift und der Böhmerwald Bundesstraße nach Langschlag bis Groß Gerungs. Hier bog ich Richtung Arbesbach ab. Der alte ‚Stockzahn des Waldviertels‘, der Rest einer bereits 1480 zerstörten Burg, erhob sich eindrucksvoll auf seinem Granitfelsen.

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Da ich nicht die gesamte Strecke nach Grein an der Donau fahren wollte, sondern wegen der bereits vorgerückten Stunde einen etwas direkteren Weg Richtung Melk und Wien suchte, fuhr ich wieder einmal die einsame und zwischenzeitlich ziemlich mit Schotter bedeckte Route über Bärnkopf nach Martinsberg, von dort auf diversen Kleinstnebenstraßen über Walpersdorf und Thumling (dem Navi sei Dank!) zur Zwettler Bundesstraße nach Pöggstall und folgte dem Weitental mit seinen schönen Kurven und zahlreichen Burgen und Ruinen bis zur Donau. Da ich mittlerweile den Eindruck habe, ich würde haupsächlich von Burg zu Burg fahren, schenkte ich mir weitere Aufnahmen bis auf eine des kürzlich mustergültig renovierten Schlosses Leiben.

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Ich querte die Donau bei Melk und konnte aus meinem rechten Augenwinkel einen roten Feuerball hinter den dunklen Hügeln des Waldviertels untergehen sehen, der von einem durch dichte Wolken hervorgerufenen Strahlenkranz umgeben war.

In Melk betankte ich die NC und freute mich über einen Verbrauch von 3,5 Litern Sprit pro 100 gefahrenen Kilometern. Über die A1 ging es nun rasch nach Wien zurück, wo ich gegen 18 Uhr 50 nach einer Strecke von 385 Kilometern ankam.

27-03-14 Waldvierteltour Höhenprofil