29. Dezember 2013: Frischluft schnuppern

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Nachdem ich gestern endlich meinen losen Navihalter fixiert und dabei einige Zeit neben meiner NC verbringen durfte, wurde mir schmerzhaft bewußt, dass sie schon seit etlichen Wochen keine Ausfahrt mehr gemacht hatte. Ich wolle heute zwar meinen Bruder in Senftenberg zu besuchen, aber als ich die Nase ins Freie streckte, um die Temperatur zu testen, erschien sie mir zu kalt, um eine Stunde Autobahn hin und eine weitere zurück entlang des Donauwindkanals namens S5 zu erdulden. Da er morgen zu meinen Eltern nach Simmering kommen wird, beschloss ich, die Kleinigkeiten, derentwegen ich zu ihm fahren wollte, dort vorbeizubringen. Die Kluft war rasch angezogen, die NC ausgepackt, der Starter gedrückt und – welch erfreulicher Unterschied zu all meinen bisherigen Motorrädern – sie sprang sofort an, nach dem Motto: ‚Wurde schon Zeit! Gehts jetzt endlich wieder los?‘  

Ich fuhr rasch nach Simmering, hinterlegte die Plastiktüte und machte mich auf den Heimweg. Da es wider Erwarten nicht zu kalt war und der direkte Weg nach Hause nur knappe sieben Kilometer betrug, die Lust am Fahren aber deutlich größer war als dass sie durch eine derart kurze Strecke auch nur ansatzweise befriedigt werden konnte, rollte die NC einfach auf die S23, dann weiter Richtung Korneuburg, dann Richtung Brünn, und nach diversen Tunneln fand sie sich auf der Wiener Außenringschnellstraße wieder. Ich nahm die Abzweigung Kagraner Platzl (man muss ja beim Louis Megastore vorbeifahren, wenn man in der Woche zuvor den Katalog 2014 zerfleddert hat) und fuhr dann über die Reichsbrücke, Praterstern, Ring und Neustiftgasse zurück nach Hause. Gesamtlänge 77 Kilometer, Temperatur bei 6-8 Grad Celsius gut erträglich, Dauer etwa 90 Minuten.

Ich denke, das wars mit meinen Ausfahrten 2013, die von März bis Dezember möglich gewesen waren. Das absolute Highlight war sicher die Schottlandtour, ebenso diverseTagesfahrten wie z.B. die Tour übers Niederalpl, die Wildalpen und das Gesäuse im September. Mit schwerem Herzen und aus rein wirtschaftlichen Gründen verkaufte ich meine Alte Tante Trophy im Mai und tauschte sie gegen die neue NC 700 X, die mich seither 4957 sichere Kilometer begleitet hat. Zusammen mit meiner Trophy und der gemieteten NC 700 X in Schottland kam ich heuer auf gute 7000 Kilometer, etwas weniger als im Jahr zuvor, aber angesichts meiner beruflichen Auslastung doch ganz ordentlich. Morgen werde ich die NC noch einmal volltanken und dann endgültig für einige Zeit in den Winterschlaf versetzen. 

Mal sehen, was 2014 so bringen wird! Vieles wird davon abhängen, wohin es mich beruflich verschlagen wird – zur Zeit sieht es nach Berlin aus. Zwei Traumtouren sind im Entstehen: Eine führt nach Irland, die zweite nach Norwegen zu den Lofoten, dem Nordkap und zurück durch Schweden. Mal sehen, ob und wenn ja, wann sie in Angriff genommen werden können und wieviel Zeit dafür erforderlich sein würde! Sobald sie ausgearbeitet sind, werde ich sie auf meiner Webseite unter http://www.lonewolfbiker.de hochladen. So long – bis zur nächsten Saison! Mögen Schnee und Schotter nicht allzulange die Straßen verunzieren…

26. Oktober 2013: Melk – Bärenkopf – Königswiesen – Bad Großpertholz – Wien

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Nach den letzten Wochenenden, die Marks umfassender Wohnungsrenovierung zum Opfer fielen (inklusive gezielter Schimmelbekämpfung, eines Löcherverspachtel- und Ausmalmarathons, etlichen Bauhaus- und Möbelixbesuchen, dem Kauf diverser Armaturen und Lampen sowie deren Anbringung und dem Wegbringen von Sperrmüll) wurde es wieder höchste Zeit, die vernachlässigte NC auszulüften. Das Wochenende des Staatsfeiertages bot sich hier an, da die Wettervorhersage sehr erfreuliche Aussichten verhieß. In der Früh setzte ich mich noch rasch an mein Navi und gab eine spannende Route ein, die zwar anfangs auf der Westautobahn nach Melk führte, aber danach ein Gustostück Waldviertel samt ein wenig Mühlviertel ermöglichte. Die Navihalterung hatte sich durch die bisherigen Fahrten gelockert, und so schraubte ich sie ab, um die darunterliegende Fixierungsscheibe fester zu ziehen – und prompt fiel mir die Schraubenmutter hinter die Motorradverkleidung. Gute 10 Minuten lang quetschte mir auf der Suche danach fast die Finger ab, aber sie tauchte nicht mehr auf. Selbst starkes Schütteln der NC brachte sie nicht wieder zum Vorschein, weshalb ich die Halterung schließlich ganz abbaute, Navi, Kabel und Fixierung wegpackte und mich ohne elektronischen Einflüsterer auf den Weg machte. Der Verkehr auf den Wiener Ausfallstraßen war um 9:15 Uhr bereits bemerkenswert, offenbar wollte so mancher rechtzeitig heim zur Mutti, um den feiertäglichen Festtagsbraten zu genießen. Im Wienerwald riß der hartnäckige Morgennebel zeitweilig auf, erst bei Melk begann er sich dauerhaft zu lichten. Der Blick von der Donaubrücke auf Emmersdorf hinab offenbarte ein ganz anderes Bild als die Verwüstung, die das sommerliche Hochwasser der Donau mit sich gebracht hatte. Die dunklen Wassermarkierungen, die bis zum ersten Stockwerk der tiefliegenden Häuser reichten, waren allerdings noch deutlich zu sehen. Über das Weitental ging die Route nach Pöggstall. Der Herbst war ins Land gezogen, und die engen, bewaldeten Täler entlang der Bäche waren aufgrund der Farbenpracht des Waldviertler „Indian Summers“ eine wahre Augenweide.

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Ich folgte der schönen Strecke über den Bärenkopf und bog dann nach Süden Richtung Königswiesen ab, das ich seit meiner Kindheit nicht mehr besucht hatte. Vor dort aus gings weiter nach Liebenau, wo ich auf dem alten Güterweg über die Schanz Richtung Langschlag fahren wollte. Nach kurzer Zeit erwies sich dieser Versuch ohne Navi aber als Ding der Unmöglichkeit, denn Wegweiser sind auf diesen kleinen, einspurigen Straßen im Nirgendwo nicht zu finden. Also kehrte ich um, folgte der Hauptstraße nach Langschlag und fuhr anschließend über Bruderndorf, Nonndorf und Abschlag am Fassldorf vorbei nach Bad Großpertholz, wo ich meine Eltern besuchte. Gegen 16:15 Uhr brach ich wieder auf, denn ich hatte keine Lust bei Dunkelheit die Straße nach Wien in Angriff zu nehmen. In Eichberg betankte ich die NC, kehrte nochmals nach Weitra zurück und fuhr dann über Großschönau und Engelstein nach Zwettl, von dort an den Rudmannser Fischteichen vorbei, die gerade ausgefischt wurden, zur Burg Rastenberg, die ich endlich einmal in ihrer ganzen, wuchtigen Pracht fotografieren wollte, nachdem ich bereits etliche Male daran vorbeigefahren war.

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Die Gföhler Kurven samt Senftenberg und Kremstal schenkte ich mir diesmal aus Zeitgründen. Bei Gneixendorf boten sich mir Göttweig und Krems bei einer soeben untergehenden Sonne dar – die Farbenspiele am Himmel waren in ihren Gelb- und Orangetönen fast kitschig schön. Danach nutzte ich die Stockerauer Schnellstraße, um zügig nach Wien zu kommen, wobei mich die Dunkelheit bei Tulln einholte. Das machte den erhofften Abstecher über den Exelberg zunichte, denn diese engen Kurven im stockfinsteren Wald bei ständiger Erwartung eines möglichen Wildwechsels zu fahren verbot sich von selbst. Ich kam um 18:35 Uhr zu Hause an, packte die Plane über meine brave NC und kam rechtzeitig zur ARD Sportschau mit den aktuellen Berichten der Bundesliga vor den Fernseher. Es bleibt abzuwarten, ob sich noch die eine oder andere Ausfahrt in dieser Saison bewerkstelligen lassen wird…

25. September 2013: Niederalpl – Wildalpen – Gesäuse

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Der Wetterbericht für die Woche meldete, dass der 25. September für einige Zeit der letzte warme und sonnige Tag sein würde. Da ich etliche Überstunden angesammelt hatte, nahm ich mir Zeitausgleich, um die Gesäusetour vom 7. September zu Ende zu fahren. In der Gruppe war es damals zu langsam vorangegangen, und ich hatte mir vorgenommen, zumindest einmal in dieser Saison die 500 Kilometer in einem Stück hinter mich zu bringen und dabei einige Fotos zu machen, die mir helfen sollen, die langen Wintermonate ohne Motorrad erträglicher zu gestalten. In der Früh speicherte ich rasch die Tourdaten auf mein Navi, und machte mich um 8:30 Uhr auf den Weg über Gürtel, Triesterstraße, A2 und Allander Autobahn nach Heiligenkreuz. Auf der Strecke Mayerling – Pottenstein schlug mein Navi eine etwas abenteuerliche Routenführung über Großau vor, die etliche Kilometer länger war als die direkte Route. Ich hatte erwartet, dass auf den Nebenstraßen wenig Verkehr wäre, aber bereits auf dem Hals erwies sich das als Irrtum, da etliche Lastwagen unterwegs waren, die man aufgrund der kurvigen Straßenführung praktisch nicht überholen konnte. So zog sich das sonst so schöne Stück Landstraße ziemlich dahin und versetzte der Laune einen empfindlichen Dämpfer. In Gutenstein bog ich Richtung Haselrast ab, da ich Fotos von der beeindruckenden Schlucht gleich hinter dem Ort machen wollte.

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Der Hochnebel lichtete sich im Klostertal, und die Sonne begann die Landschaft in warmes Licht zu tauchen. Das Höllental war sehr angenehm zu fahren, ebenso wie das Preiner Gscheid, von dem man aus einen großartigen Blick auf die Rax werfen konnte.

SAMSUNG CAMERA PICTURESErstaunlicherweise waren etliche Motorradfahrer unterwegs, die wohl die gleiche Idee gehabt hatten wie ich. Auf steirischem Gebiet waren die Straßen gut ausgebaut, und ich kam zügig auf der Lahnsattel Bundesstraße voran nach Mürzsteg. Die Mürz glitzerte zu Füßen der weißen Kalkfelsen in der Sonne, der Verkehr war kaum erwähnenswert, es wurde langsam wärmer, und ich begann, die Tour richtig zu genießen.

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Beim Niederalpl machte ich eine erste kurze Pause. Der Schilift war zwar noch nicht in Betrieb, aber bis zur Eröffnung wird es wohl nicht mehr allzulange dauern, da der Paß auf 1220 Metern Seehöhe liegt.

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Bei Gußwerk bog ich ins Salzatal Richtung Wildalpen. Die Landschaft wurde jetzt spektakulär. Ich war die Strecke zwar beim letzen Mal gefahren, hatte dabei aber den Blick mehr auf den Rückspiegel gerichtet, um meine Mitfahrer nicht zu verlieren. Diesmal konnte ich mich auf die Kurven konzentrieren, hielt mich aber tempomäßig zurück, um die Aussicht zu genießen.

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In der Nähe des Ortes Wildalpen stand ein Fischer ruhig und in beschaulicher Erwartung beißender Fische bis zu den Oberschenkeln im kalten Wasser. Daraus wurde aber nichts, denn es nahte Unerwartetes…

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Bereits nach dem zweiten Schlauchboot, das mit heftigen Paddelschlägen seinen Fischgrund aufwühlte, packte er sichtlich entnervt die Angel weg und wartete, bis die johlende Flottille Jugendlicher an ihm vorübergezogen war. Ob sich danach noch ein Fisch zeigte, wage ich zu bezweifeln.

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Nach dem Abschnitt Wildalpen öffnete sich bei Palfau das Tal und gab liebliche Aussichten frei. Im Hintergrund konnte man den Eingang zum Gesäuse erkennen.

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An dieser Stelle hatten wir letztes Mal die Tour abgebrochen, um über Lunz am See und Wieselburg und die A1 zurück nach Wien zu fahren, damit wir rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein konnten. Dieses Mal bog ich nach Hieflau und somit ins Gesäuse ab – endlich konnte ich diese Strecke in Angriff nehmen!

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Die Abgeschiedenheit dieser Gegend und die Schroffheit der Kalkfelsen war richtig beeindruckend. Wenn noch der Straßenbelag einigermaßen in Schuß gewesen wäre, hätte ich mich auch mehr auf die Landschaft konzentrieren können und nicht so sehr auf die notdürftig bedeckten Schlaglöcher und den damit einhergehenden Rollsplitt. Nach einer dennoch relativ zügigen Durchfahrt des Gesäuses bot der Blick zurück ein grandioses Panorama.

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Meine Tankanzeige war mittlerweile zu einem einzigen, blinkenden Strich verkommen, und ich musste zusehen, dass ich die nächste Tankstelle erreichte. Das war in St. Gallen, einem netten und sehr ursprünglich gebliebenen Ort der Fall. Die Fluchtburg des Stiftes Admont, Burg Gallenstein, thronte auf ihrem Felsen, und man konnte sich vorstellen, welch schöne Aussicht man vom Burgfried haben konnte.

Gallenstein

Ich beschloß mir nach fünfeinhalb nahezu durchgefahrenen Stunden eine erste, längere Pause zu gönnen, parkte die NC beim örtlichen Spar und kaufte mir ein paar Lebensmittel, welche ich gleich auf dem Parkplatz verdrückte. Nach 20 Minuten fuhr ich weiter.

Nach Altenmarkt grüßte mich etwas überraschend ein oberösterreichischer Grenzstein. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein kleines Stück der Route dieses Bundesland streifen würde. Die Strecke entlang der smaragdgrünen Enns bis Weyer war auf der ausgezeichnet ausgebauten Bundesstraße rasch zurückgelegt, danach wurde ins enge Ybbstal nach Hollenstein und Göstling abgebogen. Niederösterreich hatte mich wieder! Über Lunz am See und den Zellerrain gings weiter zum Erlaufsee, der unterhalb der Gemeindealpe ruhig in der Sonne lag und zum kurzen Verweilen einlud.

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Die grandiosen Kurven der Mariazeller Straße folgten, bevor ich bei Lassingrotte nach Puchenstuben abbog, um erstmalig diese Hausstrecke der Wiener Biker unter die Räder zu nehmen. Ein kleines, grünes Hinweisschild machte mit der Beschriftung „Ötscherblick“ auf eben diesen Berg aufmerksam und hielt mich an, die NC abzustellen und ein Foto vom wuchtig in den Himmel ragenden Ötscher zu machen.

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Nach Frankenfels folgte das Pielachtal. Die Szenerie wurde lieblicher, die schroffen Kalkfelsen und Klippen hatte ich bei dieser Tour entgültig hinter mich gebracht. Sie wurden durch bewaldete Kuppen und Hügel abgelöst, die mich ans obere Waldviertel erinnerten, wobei dort die Täler deutlich breiter sind als hier beim Übergang ins Alpenvorland.

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Über Lilienfeld, St. Veit an der Gölsen und Hainfeld erreichte ich die schöne Strecke Klamm – Innermanzing, die sich wunderbar fahren lässt. Ich  genoß die Kurvengängigkeit – oder soll ich sagen das geschmeidige Tanzen – der NC noch einmal so richtig, bevor ich über die A1 zurück nach Wien fuhr. Dort kam ich gegen 18:20 Uhr nach 532.5 km zwar müde, aber sehr zufrieden an.

Gesäusetour Höhenprofil 25-09-13

Groops Ausfahrt vom 7. September 2013: Heiligenkreuz – Mariazell – Wildalpen – Lunz am See

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Eric, Fred, Joachim und ich trafen einander in Heiligenkreuz und fingen den Tag mit einem gemeinsamen Kaffee an. Gegen 9:45 fuhren wir über Hals und Haselrast (dort wird noch immer herumgewerkelt) zur Kalten Kuchl, wo eine erste Rast gegen 11:00 gemacht wurde. Der Parkplatz war krachend voll mit Motorrädern und ein ständiges Kommen und lautes Abfahren deutete an, dass der Ochssattel bei dem vorherrschenden herrlichen Sonnenschein für einige zur Rennstrecke werden würde. Als wir gegen 11:30 nach einer großen Bikergruppe aus Eisenstadt Umgebung losfuhren, welche uns übrigens schon zwischen Pernitz und Gutenstein etwas genervt hatte, da sich die Fahrer eher rücksichtslos zwischen uns und an uns vorbeigedrängt hatten, war der Ochssattel erstaunlich frei zu fahren. Wir machten den Abstecher über Hofamt und kurvten danach über St. Ägyd und Kernhof zum Hubertussee, wo die vorgeschriebenen 40 km/h wegen des herumliegenden Schotters kaum erreicht werden konnten. Im Hotel Himmelreich in Mariazell machten wir Mittagspause und hatten das Glück, gerade zwischen drei Tourbusladungen einzutreffen, sodass wir unser Hirschragout sehr schnell auf den Tisch bekamen. Anschließend besuchten wir die Basilika. Die Kerzerlgruft war aufgrund des starken Besucherandrangs geschlossen, und als wir die lange Schlange von Wartenden sahen, ließen wir es bleiben, gingen zum Hotel zurück und fuhren wieder los. Die Strecke Wildalpen – Palfau war grandios, viele Kurven, viele Motorräder, viele Wildwasserfahrer, entsprechend viele Busse mit Schlauchbooten vor und hinter uns – kurzum, es war einiges los auf der Strecke und entsprechend langsam ging es voran. Das hatte zur Folge, dass wir zu meinem Bedauern das Gesäuse sausen lassen mussten und stattdessen bei Mooslandl gegen 15:30 nicht Richtung Hieflau sondern Richtung Göstling abbogen, da wir sonst erst bei Dunkelheit zurückgekommen wären. In Lunz parkten wir unsere Gefährte beim See und setzten uns noch eine halbe Stunde ins Strandbad, um die Natur, die Sonne und ein Getränk zu genießen bevor es über Scheibbs und Wieselburg nach Ybbs an der Donau und über die A1 nach Wien zurück ging. Ankunft war gegen 18:45. Die Gesamtstrecke betrug ca. 410 Kilometer bei grandiosem Wetter und Landschaften sowie einer netten Truppe von Fahrern – was will man mehr!

SAMSUNG CAMERA PICTURESAusfahrt 07-09-13SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESAusfahrt 07-09-13Lunz am See

2. September 2013: Gemütliches Ausrollen am Abend

AusrollenNach einem langen Tag im Büro lockte mich der verbleibende Sonnenschein auf meine NC. Ich fuhr zuerst an der Wohnung vorbei, die wir uns am vergangenen Wochenende angesehen hatten und erkundete ein wenig die Gegend. Anschließend fuhr ich über den bei Bikern sehr beliebten Exelberg Richtung Königstetten. In einer eher harmlosen Linkskurve kurz vor Scheiblingstein fiel mir ein neues Kreuz mit an die zehn brennenden Ölkerzen davor auf… Lasse es nie an Achtsamkeit fehlen – war die eindrückliche Aussage. Mittlerweile wurde es langsam dunkel. Über Tulln und die Autobahn gings zurück nach Wien, wobei ich wieder einmal bemerkte, wie unwohl ich mich bei Nachtfahrten mit dem Motorrad fühle. Wenn es sich in Zukunft irgendwie vermeiden lässt, verzichte ich liebend gerne darauf. Dennoch sollte ich in nächster Zeit eine größere Ausfahrt planen, denn seit meiner Schottlandtour ist schon mehr als ein Monat vergangen, und es zeichnen sich deutlich erste Entzugserscheinungen ab, die offenbar selbst durch mehrfache Bürofahrten unter der Woche nicht ausgeglichen werden können.

Groops Ausfahrt vom 17. August 2013: Hohe Wand – Höllental – Hals

Tour vom 17-08-13Bei schönem, aber sehr heißem Wetter trafen Bernhard, der zum ersten Mal bei einer unserer Touren mitfuhr, Christian, Ewald und ich einander in Leobersdorf und fuhren die Hohe Wand entlang über Puchberg am Schneeberg und Prigglitz nach Gloggnitz. Mein Navi war leider ausgefallen (beim allerersten Kreisverkehr wollte es mich bereits zurückschicken…) und so nahm ich in Gloggnitz die falsche Abzweigung Richtung Höllental, die uns die Adlitzgräben und die Kalte Rinnne verwehrte. Echt schade! War wohl auch ein wenig die Hitze, die die Konzentration beeinträchtigte. Im Höllental war viel los, den Autos nach zu schließen, die bei der Seilbahnstation parken, schien es, als ob halb Wien sich auf der Rax im Weg stehen würde. Es tat gut, beim Landgasthaus Kufner in Kaiserbrunn einen Zwischenstopp einzulegen und ein wenig im Schatten zu sitzen. Die Westrampe der Haselrast ist mittlerweile gut ausgebaut, das wird bald eine schöne Motorradstrecke werden, am zweiten Abschnitt wird noch gearbeitet. Über den Hals fuhren wir weiter nach Pottenstein – wirklich schön, wie eigentlich immer. Dort endete die Tour.

Zu Hause überprüfte ich die gespeicherte Tour im Navi. Ich hätte bloß den ersten Wegpunkt löschen müssen, dann hätte es gepasst. Aber ich war ganz klar nicht voll konzentriert, mag wohl an der Hitze gelegen haben, und so kam es, dass einer der schönsten Teile der Tour nicht gefahren wurde. Schade drum!

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Tag 8 der Schottlandtour: Oban – Perth (20. Juli 2013)

BildDer letzte Tag der Schottlandtour war angebrochen. Beim Frühstück hatte ich noch ein nettes Gespräch mit den vier Belgiern aus Flandern, die insgesamt drei Wochen in Schottland unterwegs waren und die mit großem Interesse mein Tourbuch und danach die NC begutachteten. Ich beglich die Rechnung, packte den Ortliebsack auf die NC und machte mich auf den Weg zum naheliegenden McCaig’s Tower, von dem aus ich einen wunderbaren Blick auf Oban und die vorgelagerten Inseln hatte.

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Da ich gegen 16 Uhr bei Perth Motorcyles sein musste, um die NC rechtzeitig zurückzugeben, verzichtete ich auf die ursprünglich geplante Route über Lochgilphead und fuhr direkt nach Inveraray. Zügig kam ich auf der gut ausgebauten Straße voran und erreichte bald den Ort. Vor dem alten Gefängnis stellte ich die NC ab und schlenderte ein wenig an den Steinhäusern entlang zur Waterfront, an der zwei betagte Schiffe vertäut lagen.

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Beim Queren der alten Steinbrücke erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf das Inveraray Castle. Es kam mir erstaunlich bekannt vor, denn hier wurde das Christmas Special 2012 von Downton Abbey gedreht, in dem die Crawleys die befreundete Familie der MacClares besuchen. Wie die Folge endete ist den Downton Abbey Aficionados ja hinreichend bekannt…

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Ich folgte der Old Military Road und erreichte bald den Loch Lomond, den ich bis zur Südspitze entlang fuhr, wobei ich mich fragte, wo denn plötzlich die Masse an Autos, die sich am Seeufer entlangwälzte, hergekommen war. Nach der Einsamkeit der Highlands erschien mir eine Ansammlung von mehr als drei Autos wie ein Verkehrsstau… Nun, Glasgow war gerademal 25 Meilen entfernt, und bei dem herrlichen Wochenendwetter schien die halbe Stadt die Gelegenheit zu nutzen, etwas frische Luft im Grünen zu schnuppern bzw. in einem der vielen Lochs zu baden – was für schwitzenden NC Fahrer in Motorradkluft absolut nachvollziehbar war.

In Balloch befand sich eine große Mall, das Gateway Centre, direkt am See. Ich parkte und marschierte bei dröhnender Technomusik vorbei an Designer Outlets und etlichen Leuten mit kleinen Kindern, die sich krampfhaft an Luftballons festklammerten, ans Ufer wo ich eine Runde drehte und gleich wieder abschob. Dieser geballte Kommerz war nichts für mich, und ich fühlte mich völlig fehl am Platz.

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Es wurde Zeit ein wenig Tempo zu machen. Durch den Loch Lomond und Trossachs National Park fuhr ich nach Aberfoyle, von dort durch den Strathyre Forest über den Duke’s Pass auf einer genialen Motorradstrecke mit Steigungen, vielen Kurven und Fernsichten zum Loch Achray, an dessen Nordufer das alte Tigh Mor Hotel in seiner ganzen viktorianischen Herrlichkeit thront.

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Ein Abstecher zum Lake Katrine musste schon alleine wegen Sir Walter Scott und seiner ‚Lady of the Lake‘ sein. Beim Pier hielt ich an, um ein wenig in die durch dieses Meisterwerk hervorgerufene und seit der Veröffentlichung im Jahr 1810 anhaltende Begeisterung für die Trossachs einzutauchen.

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Viel Zeit wollte ich nicht am Pier verbringen, sondern nur erste Eindrücke sammeln, da ich vorhabe, gemeinsam mit Beate nächste Woche mit dem Mietwagen hierherzukommen. Es gibt Fahrräder zu mieten, und ein Tagesausflug mit Rad oder Schiff wird sicher schön werden.

Etwas später folgte ich dem Ufer des Loch Lubnaig, an dessen Ufer zahlreiche Autos parkten, deren Insassen sich im Wasser vergnügten. Diese Ecke Schottlands ist ein wahres Eldorado für Familien!

In Lochearnhead am Westende des Loch Earn wurden die jährlichen Highlandgames abgehalten, was Parkplätze im Ort sehr rar und die mitten auf der Hauptstraße stehenden und herumfuchtelnden Platzanweiser sehr hektisch machte.

Der letzte Abschnitt nach Perth verlief unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass aufgrund der andauernden Hitzewelle in dieser Gegend ein stattlicher Baum an einer Haltebucht neben der Straße in meterhohen Flammen stand. Da hatte wohl wieder jemand trotz ständiger Warnungen der BBC einen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Kurz danach kam mir bereits ein Feuerwehrwagen mit heulenden Sirenen entgegen, um zu den Brand zu löschen.

In Perth tanke ich die NC nochmals voll und begab mich zu Perth Motorcyles. Die Inspektion ergab, dass der beim Ardvreck Castle entstandene Schaden – es waren zwei, drei kleinere Dellen am Auspuffblech sowie ein verbogener Sporn am Seitenständer – nicht groß genug war, um den Auspufftopf zu wechseln oder die Sache der Versicherung zu melden. Somit blieb der Zwischenfall für mich ohne finanzielle Konsequenzen, was ich erfreut zur Kenntnis nahm.

Ein Taxi brachte mich zurück zum Queens Hotel, und ich quartierte mich für die Nacht ein. Bei Dominos Pizza holte ich mir eine ebensolche, schnappte mir ein Bier im nahegelegenen Supermarkt, setzte mich in der Nähe des Hotels unter einen Baum und beendete bei diesem improvisierten Dinner meine Motorradtour durch Schottland.

Schön war es, anstrengend war es auch. Die Einsamkeit hat mir gut getan, und ich werde noch lange davon zehren. In dieser Woche habe ich knappe 2000 Kilometer zurückgelegt, eine erkleckliche Anzahl davon auf single track roads. Hier ist nochmals die Route in ihrer Gesamtheit:

Gesamttour

Morgen gehts mit der Bahn nach Edinburgh, wo ich ein Auto mieten werde, um dann Beate in St. Andrews abzuholen. Eine weitere Woche Schottland steht an mit Besuchen in Dundee, Glamis Castle, Dunnottar Castle, Aberdeen, Ballater, Balmoral, dem Cairngorms National Park, Nairn, Fort George, Inverness, dem Highland Folk Museum, Blair Atholl und Blair Castle, Pitlochry, Stirling und Edinburgh. Danach fliegen wir über Amsterdam zurück nach Wien. Ich freue mich sehr auf diese zweite Runde durch Schottland!

Tag 7 der Schottlandtour: Isle of Mull und Iona (19. Juli 2013)

Tag 7Heute stand Ausflugsprogramm bei herrlichem Sommerwetter auf der Tagesordnung. Nach zuvorkommendem Service beim ausgezeichneten Frühstück in der Blair Villa, packte ich meinen kleinen Rucksack und ging zu Bowmans Tours, um mir die Tickets für die Fähre nach Craignure, den Bustransfer nach Fionnphort, die zweite Fähre nach Iona und das Ganze nochmals zurück zu besorgen. Die Wartehalle der Caledonian MacBrayne Anlegestelle war gestopft voll mit Touristen, die die Zwei-Insel-Tour Mull/Iona bzw. die Drei-Insel-Tour Mull/Iona/Staffa – letztere, um Fingal’s Cave zu besuchen – gebucht hatten. Nach Betreten der Fähre ging ich ans Oberdeck und setzte mich in die Nähe der Reiling, um gute Sicht für Fotos zu haben.

Die Abfahrt erfolgte gegen 9:40. Der Hafen glitt langsam an uns vorbei, und es eröffneten sich sehr schöne Ansichten auf eine beeindruckende Landschaft.

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Kurz vor Craignure passierte die Fähre das Lismore Lighthouse auf der Insel Eilean Musdile, den Duart Point mit dem William Black Memorial Tower und das Duart Castle, den Clansitz der Macleans.

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Am Anlegeplatz der Fähre warteten Reihen von Bussen auf die Touristenmassen, die soeben an Land gegangen waren. Das Ganze erinnerte mich allzusehr an meine längst vergangene Studententätigkeit als Reiseleiter auf diversen Kreuzfahrtschiffen, und ich war sehr froh, mich einfach ohne ein Mikrofon nehmen zu müssen in einen Bus setzen zu können, und mir vom Fahrer, der als Alleinunterhalter fungierte, die Schönheiten der Isle of Mull näherbringen zu lassen.

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Die Insel ist sehr hügelig, sehr grün und sehr einsam. Wenn man bedenkt, dass gerade mal vor 190 Jahren in den 1820ern die ersten kutschentauglichen Straßen von Thomas Telford gebaut wurden, dann fragt man sich, wie die Leute hier früher ihr Leben fristeten und Waren austauschten. Teile des ursprünglichen Trassenverlaufes mit kleinen Steinbrücken über Rinnsale und Bäche waren neben der modernen single track road noch gut zu erkennen, teilweise überschnitten sie sich. Es war erstaunlich zu sehen, dass die alten Steinbrücken, die ursprünglich für Kutschen ausgelegt worden waren, auch noch heutigen Reisebussen standhielten.

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In Fionnphort am westlichsten Ende der Isle of Mull angekommen, hieß es aussteigen und gleich darauf wieder anstellen, um auf die Überfahrt nach Iona zu warten. Die Fähre hatte gerade an der anderen Seite der Meerenge in Iona angelegt, und das ermöglichte es, sich den Strand etwas genauer anzusehen, der aus feinstem Sand und fast karibischblauem Wasser bestand.

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Auf die Fähre passten gerade mal ein paar Autos und vielleicht 80 Leute. Ich konnte auf der nur zehn Minuten dauernden Überfahrt den gesamten Ostteil der kleinen, kargen Insel samt prominent hervorragendem Kloster überblicken.

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Kaum angekommen, stapfte ich los, um möglichst vor den Massen beim Kloster zu sein. Ich eilte an den paar Häusern am Hafen entlang, danach über einen Trampelpfad quer über eine Wiese und erreichte bald einen Holzzaun unterhalb der Kirche. Kein Mensch war zu sehen, und ich wunderte mich, wo denn all die Touristen geblieben waren, denn es war mir niemand gefolgt. Die Verwunderung löste sich rasch als mir klar wurde, dass ich nicht den üblichen Weg zum Kloster genommen hatte, der an der Besucherschranke samt Ticketausgabe endete und den alle anderen gegangen waren.

Ich wanderte auf dem geschichtsträchtigen Platz umher und las immer wieder in meinem eigens zusammengestellten Tourbuch Details über Menschen, Gebäude und historische Zusammenhänge nach, um die jahrhundertelange religiöse und politische Bedeutung von Iona besser zu erfassen. Zahlreiche Fotos entstanden, von denen hier eine Auswahl zu sehen ist.

Kloster, keltische Kreuze und ein Teil der Kultstraße zum Relig Odhráin, dem seit dem sechsten Jahrhundert bestehenden Friedhof:

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Die winzige Begräbniskapelle von St. Kolumban, in der sich zwei mittels Klapptüren im Holzboden zugängliche Steinsarkophage befinden:

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Das Innere der wiederaufgebauten Klosterkirche, die als örtliche Pfarrkirche fungiert:

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Der erst im 20. Jahrhundert gebaute und an die Kirche anschließende Kreuzgang:

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Die St. Oran’s Chapel, das älteste Gebäude auf der Insel (erbaut um 1150), umgeben vom Friedhof Relig Odhráin, auf dem im Laufe der Jahrhunderte neben vielen anderen 48 schottische, acht norwegische und vier irische Könige beerdigt worden waren:

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Die Reste der Augustinian Nunnery aus dem frühen 13. Jahrhundert:

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Ein paar weitere Eindrücke von Iona:

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Ich fuhr gegen 14:30 Uhr mit der Fähre zurück nach Fionnphort, um mir noch das Columba Centre mit seinen Ausstellungen zu Iona anzusehen, es war aber leider geschlossen. Da noch ein wenig Zeit bis zur Abfahrt des Busses war, ging ich an den schönen Strand und erfreute mich an der Landschaft.

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Die Busfahrt zurück nach Craignure zog sich ziemlich dahin, und ich war froh, nicht selbst fahren zu müssen. Die Anstrengung hätte mir wahrscheinlich single track roads auf Dauer vergällt! Beeindruckend war die Einsamkeit mancher Gehöfte, die sich verloren an grandiose Bergwände anschmiegten und wohl ausschließlich der Schafzucht dienten.

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An der Anlegestelle von Craignure setzte ich mich in den Schatten eines Hauses, da mir die Sonne ziemlich zusetzte. Sonnenschutzmittel hatte nicht auf meiner Prioritätenliste für Schottland gestanden, und so machte sich ein ordentlicher Sonnenbrand im Gesicht, dem Nacken und an den Unterarmen bemerkbar. Die Rückfahrt nach Oban war angenehm, da der Seewind Kühlung spendete, aber mir war klar, dass der Tag nicht ohne Spuren vorbeigehen würde.

Das Duart Castle thronte beeindruckend auf seinem Felsen, und als etwas später die schöne Hafeneinfahrt von Oban ins Blickfeld rückte, war das ein erhebender Anblick.

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Nach der Ankunft ging ich zum Quartier und cremte mir die verbrannten Stellen dick ein in der Hoffnung, den Sonnenbrand etwas zu mildern. Das wird wohl nicht wirklich von Erfolg gekrönt sein, aber was soll’s. Der Tag war voller guter Eindrücke gewesen, jetzt gibt es noch ein gutes Abendessen in einem alten Pub namens The Lorne, und danach wird der Ortliebsack für die morgige, finale Strecke der Schottlandtour nach Perth gepackt, damit ich gleich nach dem Frühstück losfahren kann.

Tag 6 der Schottlandtour: Balmacara – Oban (18. Juli 2013)

Tag 6

Als ich heute morgen aufstand und meine Motorradsachen begutachtete, konnte ich feststellen, dass bis auf die noch leicht feuchten Handschuhe alles andere gut getrocknet worden war. Mein Dank galt dem Hotelmanagement, das in weiser Voraussicht auch im Juli die Wärmepumpe der Heizung in Betrieb hatte! Nach dem wie immer opulenten Frühstück – langsam kann ich die fetten Würstchen nicht mehr sehen – packte ich zusammen und fuhr nach Kyle of Lochalsh, dem letzten Ort vor der Skye Bridge, um zu tanken. Da ich schon mal hier war, nahm ich die Gelegenheit wahr und querte die berühmte Brücke, drehte sofort im dahinterliegenden Kreisverkehr wieder um und machte mich auf den Weg zum wohl bekanntesten Wahrzeichen Schottlands, dem Eilean Donan Castle. Das Wetter war einigermaßen frisch bei dunklen Wolken, aber nach dem gestrigen Abenteuer war ich heilfroh, dass es nicht wieder regnete. Bei der Burg war wie zu erwarten einiges los. Meine NC stand etwas verloren zwischen Mietwagen, Reisebussen und Wohnmobilen aus ganz Europa, die sich auf dem großen Parkplatz tummelten. Doch da fiel mir eine Triumph Tiger 800 auf, die soeben einparkte. Als alter Fahrer dieser Marke musste ich natürlich vorbeistiefeln und hallo sagen. Die Fahrerin, Kate, war auf ihrer ersten größeren Tour durch Schottland, und als ich ihr sagte, dass ich gerade den Norden durchquert hatte, wollte sie wissen, was sie sich ansehen sollte. Also packte ich meinen Fotoapparat aus und zeigte ihr einige der schönen Strände, Landschaften und Sehenswürdigkeiten, die sie auf ihrer Karte markierte. Nach einem kurzen Plausch kaufte ich meine Eintrittskarte und besichtigte die Burg, die erst in den 1920-30ern wieder aufgebaut worden war, nachdem die Engländer sie 1719 in die Luft gejagt hatten.

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Die Besichtigung dauerte länger als erwartet, und ich trat meine Weiterfahrt erst gegen 11 Uhr an, was bei der geplanten vor mir liegenden Strecke bis Oban reichlich spät war. Die Straße war jedoch sehr gut ausgebaut, und so kam ich trotz relativ starkem Verkehr gut voran. Beim Gefechtsfeld von Glen Shiel hielt ich kurz an. Hier hatten die Regierungstruppen, die zuvor Eilean Donan zerstört hatten, die Jakobiten und die sie unterstützenden Spanier eingeholt und zum Kampf gestellt. Der Battle of Glen Shiel vom 10. Juni 1719 beendete diesen Aufstand, da sich die Jakobiten zurückzogen und die Spanier sich ergaben. Dann herrschte einigermaßen Ruhe bis 1745. Ein historischer Abriss zu den Jakobiten und ihren Bestrebungen, den schottischen Thron wiederzugewinnen findet sich hier.

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Um Zeit aufzuholen, fuhr ich nicht wie geplant über Invermoriston und Fort Augustus, sondern kürzte die Strecke ab, indem ich die Route Loch Garry und Invergarry Richtung Fort William nahm. Beim Commando Memorial in der Nähe von Spean Bridge hielt ich erneut an. Es wurde zum Andenken an die britischen Elitetruppen des 2. Weltkrieges in der Nähe ihres Ausbildungszentrums errichtet. Ein „Garten der Erinnerung“ für u.a. in Afghanistan gefallene Soldaten macht die Tragik des Krieges und den Schmerz der Hinterbliebenen sehr deutlich. Viele ehemalige Elitesoldaten lassen nach ihrem Tod ihre Asche an dieser Stelle verstreuen, um ihren alten Kameraden nahe zu sein.

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Bei der Ben Nevis Distillery in Fort William querte ich den River Lochy und fuhr die 15 Meilen nach Glenfinnan am Loch Schiel. Hier war Bonnie Prince Charlie im Jahre 1745 gelandet, um zu versuchen, seinen Anspruch auf die Kronen Schottlands und Englands durchzusetzen. Dieser letzte Jakobitenaufstand endete am 16. April 1746 auf dem Schlachtfeld von Culloden Moor, das ich am ersten Tag der Schottlandtour besucht hatte.

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Die Strecke, der ich nach einem längeren Aufenthalt nun folgte, war gut ausgebaut und landschaftlich sehr ansprechend. Sie führte zuerst am Loch Eilt entlang, bevor sie am Loch Eilort zur Küstenstraße wurde, die auf dem schmalen Streifen zwischen Meer und teils schroffen Felswänden verlief.

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Kurz nachdem die Straße wieder landeinwärts führte, wurde sie zur single track road, die mich für mehrere Stunden begleiten würde. In Salen gabelte sich die Strecke. Nach rechts ging es über Kilchoan nach Sanna zu einem der schönsten Strände Schottlands sowie zum Leuchtturm am Ardnamurchan Point, der als „mainland Great Britain’s westernmost point“ gilt, geradeaus führte die Route über Strontian nach Corran, wo der Loch Linnhe mittels Fähre zu queren ist. An der Kreuzung standen zwei Motorradfahrer aus Deutschland, von denen einer ziemlich erledigt über dem Lenker hing und heftig den Kopf schüttelte. Eine gewisse Vorahnung befiel mich ob der zu erwartenden Strecke, und ich zögerte einen Augenblick lang abzubiegen. Doch dann dachte ich mir: „Wenn Du schon den nördlichsten Punkt bei Dunnet Head besucht hast, kannst Du den westlichsten ebenfalls sehen!“ Dann fuhr ich los. Auch hier war die Landschaft sehr schön. Eine äußerst kurvige single track road führte durch Wälder und kleine Dörfer teilweise direkt am Meer entlang; die Wolkendecke war mittlerweile aufgerissen und die Sonne tauchte die Meeresbuchten in warmes Licht. Doch die hügelige Strecke schien kein Ende nehmen zu wollen. Nach dem sehr anstrengenden Tag gestern und den vielen Meilen, die heute bereits hinter mir lagen, fühlte ich mich ziemlich gerädert. Eine unübersichtliche Kurve folgte der nächsten, und hinter jeder konnte ein unvorsichtiger LKW oder PKW Fahrer auf Kollisionskurs sein. Einige Male musste ich scharf abbremsen und Zuflucht in einer Ausweichbucht nehmen, da urplötzlich die enge Straße komplett durch ein entgegenkommendes Fahrzeug versperrt war, das mit unverhältnismäßiger Geschwindigkeit unterwegs war. Das strengte sehr an, und langsam bekam ich genug von single track roads…

Auf der kleinen Halbinsel Ardslignish musste ich eine kurze Pause einlegen. Die Fotos zeigen den Loch Sunart, einen Teil des Sound of Mull, mit Blick auf Isle of Mull. Die andauernde Konzentration, die bisher zurückgelegte Distanz und die plötzliche Wärme führten zu starker Müdigkeit, die ich in Anbetracht der weiteren Strecke möglichst rasch wieder loswerden musste. Der Gedanke, die etlichen Meilen single track road bis Salen wieder zurückfahren zu müssen, war eher unerfreulich.

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Dieses Unbehagen wurde schließlich so stark, dass ich beim Loch Mudle den Ausflug nach Sanna und zum Leuchtturm am Ardnamurchan Point abbrach und umkehrte. Vielleicht kann ich das ja ein anderes Mal nachholen!  Für heute war es definitiv zu viel für mich.

Die sinlge track road zog sich noch bis nach Strontian, erst danach wurde die Straße zweispurig. Sie führte durch ein so einsames Tal zwischen Bergen hindurch, dass ich nach einiger Zeit bei der Kreuzung nach Kingairloch anhielt und meine Karte zu Rate zog, da ich den Eindruck hatte, mein Navi hätte mich falsch geleitet. Ich hatte schon seit längerer Zeit erwartet auf den Loch Linnhe zu stoßen, aber der war weit und breit nicht in Sicht. Der eine Wegweiser zeigte zurück nach Strontian, der andere vorwärts nach Ardgour, das ich vergeblich auf meiner Karte suchte. Das erschien mir etwas seltsam zu sein. In Ermangelung von Optionen fuhr ich weiter und siehe da, bald danach tauchte ein Loch und ein paar Meilen weiter der Leuchtturm auf, der sich kurz vor dem Anlegeplatz der Corran Fähre befindet. Diese war gerade im Begriff anzulegen. Mir wurde ein Platz angewiesen, und ich wartete darauf, dass jemand kam, um die Bezahlung entgegenzunehmen, aber dem war nicht so. Auch gut!

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Am anderen Ufer angekommen, wollte ich nur noch möglichst rasch nach Oban. Die Umfahrung des kleinen Loch Leven schenkte ich mir, ebenso den Besuch von Glencoe samt Massaker vom 13. Februar 1692. Der Verkehr hatte stark zugenommen, zwischenzeitlich stand ich sogar im Stau, da größere Landwirtschaftsmaschinen auf der Straße unterwegs waren, die in Abschnitten von der Polizei gesperrt wurde. Kurz vor Oban tankte ich und erreichte schließlich mein Quartier für die beiden nächsten Nächte, Blair Villa in der Rockfield Road. Vor dem Haus standen bereits vier Motorräder mit belgischem Kennzeichen. Ein fünftes war da ganz gut aufgehoben!

Mir wurde mein Zimmer mit Blick auf den Hafen zugewiesen, und ich schmiss mich erstmal für eine Stunde aufs Bett, sehr froh darüber, gut angekommen zu sein.

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Als sich der Hunger meldete, ging ich an den Hafen, um mich über die Fährtickets nach Craignure auf der Isle of Mull zu informieren. Der Schalter der Caledonian MacBrayne war aber bereits geschlossen, und so spazierte ich ein wenig den Pier und die Hafenstraße entlang, um ein Restaurant zu finden. Die Stimmung war herrlich. Obwohl die Sonne schien, zog plötzlich eine Nebelbank in den Hafen und hüllte die alten Segelschiffe, die dort vor Anker lagen, in diffuses Licht. Ich fand ein kleines Lokal im ersten Stock eines Hauses direkt am Hafen und nahm als einziger Gast am Fenster Platz. Eines der Segelschiffe hatte soeben abgelegt und strebte aufs offene Meer hinaus, die Möwen kreischten, der würzige Geruch der See war allgegenwärtig – es war großartig! Einzig das Premium Bitter namens „Terror Of Tobermory“, welches ich zu meinen Macaroni and Cheese zu mir nahm, entsprach nicht den Erwartungen, die sein Name suggerierte.

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Ich hatte für den morgigen Tag vorgehabt, mit der Fähre nach Craignure und dann mit der NC die single track road nach Fionnphort zur Fähre nach Iona zu fahren. Nach dem Besuch der alten Pilgerstätten wollte ich noch die gesamte Insel umrunden und mich am späten Nachmittag wieder in Craignure einschiffen. Nach meiner Überdosis single track roads der letzten Tage brauche ich aber eine Pause. Ich werde mir morgen früh um 8:30 Uhr bei Bowmans Tours ein Ticket für eine Bustour nach Mull und Iona besorgen und die NC einen Tag lang stehenlassen. Das wird mir gut tun.

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Tag 5 der Schottlandtour: Ullapool – Balmacara (17. Juli 2013)

Tag 5

Der heutige Tag sollte eigentlich ein richtiges Highlight der gesamten Tour werden, doch das Wetter spielte leider die meiste Zeit über nicht mit. Ich brach gegen 8:30 Uhr von Ullapool auf und fuhr bei leichtem Nieselregen zur Corrieshalloch Gorge, die zwar nur zehn Meter breit aber über 60 Meter tief ist. Vom Parkplatz aus führte ein schmaler Weg zur Hängebrücke, die die unerfreuliche Tendenz hatte, bei der Querung ziemlich zu schwanken. Aus diesem Grund dürfen sich nicht mehr als sechs Personen gleichzeitig auf der Brücke befinden. Sie quert die Schlucht über den 46 Meter tiefen Falls of Measach. Ich muss gestehen, dass es mich ein wenig Überwindung kostete, über die schwankende Brücke zu spazieren und an das Geländer zu treten, um Fotos zu machen. Am anderen Rand der Schlucht konnte man nach ein paar hundert Metern eine Aussichtskanzel betreten, von der aus Brücke, Wasserfall und Schlucht besonders schön zu sehen waren.

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Beim Rückweg zum Parkplatz wurde der Regen stärker, aber da sich die letzten Tage über bei ähnlichem Wetter meine Kluft als wasserdicht erwiesen hatte, schlüpfte ich nicht in meine Regenklamotten, sondern vertraute auf die Werksangaben zu meiner neuen Ausrüstung. Wie sich bald herausstellen sollte, war das ein Fehler…

Als ich an der Gruinard Bay vorbeikam, bot sich mir erneut der unerwartete Anblick eines grandiosen und absolut menschenleeren Sandstrandes, den man so nicht unbedingt in Schottland vermuten würde.

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Kurz vor Poolewe machte ich beim Inverewe Garden Halt und ging in das Besucherzentrum, um mich ein wenig über den Garten und seine Geschichte zu informieren. Bei schönem Wetter ist er mit Sicherheit einen längeren Aufenthalt wert, seine Schönheit erschloss sich mir heute leider nicht wirklich.

Ein paar Meilen südlich von Gairloch bog ich auf die single track road Richtung Redpoint, einem weiteren großartigen Sandstrand, ab, kehrte aber bereits bei Badachro wieder um, da ich zum einen schon etliche Strände gesehen hatte und zum anderen lieber mehr Zeit auf der Halbinsel Applecross verbringen wollte. Es nieselte weiterhin, aber zwischendurch schien es, als ob die Wolken in Kürze aufreißen wollten, um die Sonne durchzulassen, und dies hielt mich davon ab, meine Regenkluft anzuziehen.

Die gut ausgebaute, zweispurige Straße folgte dem Südufer des Loch Maree bis zur Abzweigung nach Torridon. Kurz vor Ende des Lochs, hielt ich auf einem Parkplatz direkt am Ufer an und vertrat mir die Beine. Von hier aus führten etliche Wege auf den Beinn Eighe und die umliegenden Hügel, ein Umstand, der von zahlreichen Wanderern genutzt wurde – es herrschte reges Treiben. Eine Tafel beschrieb, dass eine Insel im Loch im späten siebenten Jahrhundert zeitweilig von Máel Ruba, einem irischen Mönch, bewohnt worden war, der in der Bevölkerung höchstes Ansehen genoss. Die den See umgebenden alten Eichenwälder waren zweimal komplett abgeholzt worden, einmal im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts als Baumaterial für englische Segelschiffe, das zweite Mal nach erfolgter, langwieriger Wiederaufforstung, um Munitionskisten für die britische Armee im 2. Weltkrieg zu erzeugen. Es wird noch etwa 80 Jahre dauern, bis sich die Wälder wieder erholt haben werden.

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Ich folgte der single track road nach Torridon, die sich entlang eines Baches entlangschlängelte. Links und rechts erhoben sich kleinere Berge, deren Spitzen ich leider nur erahnen konnte, da eine dichte, tiefliegende Wolkendecke die Sicht einschränkte. Es gab kaum Verkehr, und ich hatte den Eindruck, wie durch einen sehr breiten Tunnel zu fahren – ein seltsames aber doch gleichzeitig interessantes Gefühl.

Die Applecross Peninsula wurde meinen Erwartungen gerecht: Eine single track road durch praktisch menschenleeres Gebiet, grandiose Fernsichten, anspruchsvolle Steigungen und Kurven auf schlechtem Asphalt und wieder einmal ein toller Sandstrand kurz vor Applecross, kurzum, es wäre eine tolle Fahrt geworden, wenn da nicht der Regen und meine mittlerweile klatschnasse Ausrüstung gewesen wäre. Der Wind blies zeitweilig heftig von der See, und meine vom kalten Wasser aufgeweichten und klammen Finger, die in offiziell wasserdichten Handschuhen steckten, mühten sich redlich ab, den Lenker festzuhalten. Wie vermisste ich die Griffheizung an meiner eigenen NC!  Die zwölf Grad Lufttemperatur taten ihr Übriges dazu, nicht wirklich Freude aufkommen zu lassen.

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Ich prügelte mich die 24 Meilen bis Applecross durch, hielt vor dem örtlichen Gasthof, stopfte meine nassen Handschuhe in Hohlräume zwischen Rahmen und Motor in der Hoffnung, sie dadurch etwas anzutrocknen und verzog mich ins Warme. Im Applecross Inn war die Hölle los. Fast schien es, als ob sich der halbe Ort samt Busladungen von Touristen darin versammelt hätten und alle gleichzeit etwas zu Essen haben wollten. Erstaunlicherweise kam meines recht rasch, und nach der erfolgten Stärkung sah die Welt da draußen schon wieder etwas freundlicher aus.

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Meine Handschuhe waren tatsächlich trockener als vorhin, was man von Jacke, Hose und Stiefeln leider nicht behaupten konnte. Und ich hatte noch den Bealach na Ba, den Rinderpass, auf der – wie es heißt – „possibly Scotland’s most challenging and highest road“ vor mir!

Und hier fing das Abenteuer erst so richtig an! Kaum war ich auf der engen, single track Passstraße unterwegs, wurden die Wolken so dicht, dass die Sichtweite weniger als fünf Meter betrug und ich mich wie in feuchte Watte gehüllt entlang der weißen Begrenzungslinie der an den Seiten unbefestigten Bergstraße entlangtastete. Die Popularität des Passes zeigte sich an der raschen Abfolge entgegenkommender Wohnmobile, die die komplette Breite der Straße einnehmend im Schneckentempo vorankrochen. Ich stellte das Fernlicht an in der Hoffnung, dadurch früher gesehen zu werden, und wagte mich – immer die nächste Ausweichbucht mehr erahnend als sehend – mit voller Konzentration vorwärts. Nach einer gefühlten Ewigkeit schien sich die Straße langsam abzusenken, und die Sicht wurde etwas klarer. In der Ferne konnte ich den Loch Carron sehen, den ich umrunden musste, bevor ich mein Tagesziel Balmacara erreichte. Aber bis dahin waren es noch etliche Meilen auf ein- und zweispurigen Straßenabschnitten durch hügelige, bewaldete Landschaften. Wärmer wurde es leider nicht mehr, und so kam ich ziemlich durchfroren, nass und müde in Balmacara an.

Ich checkte in Hotel ein und verschwand im Zimmer, wo ich mich aus den nassen Klamotten schälte. Die Handschuhe wand ich aus und platzierte sie auf dem Heizkörper des Badezimmers, den ich voll aufdrehte. Die „wasserdichte“ Innenjacke und -hose wurden auf Bügel gespannt und an die Schranktüren gehängt, die Jacke schlang ich um den auf Hochtouren laufenden Heizkörper im Zimmer, meine Stiefel klemmte ich darunter, und die Hose tropfte fortan stetig in der Dusche vor sich hin.

Nachdem ich meine Motorradsachen bestmöglich versorgt hatte, kramte ich im Ortliebsack nach trockenen Kleidern. Ich kann nur sagen: Ortlieb ist absolut Trumpf! Alles war trocken!

Direkt neben dem Hotel befand sich ein kleiner Supermarkt, in dem ich mir mein Abendessen und ein gutes Bier besorgte. Vom Parkplatz gegenüber konnte ich einige Fotos machen, darunter eines von der fünf Meilen entfernten Brücke auf die Isle of Skye. Die drei Bilder vom Loch Alsh wurden innerhalb weniger Minuten gemacht, und man kann gut sehen, wie rasch sich die Lichtverhältnisse änderten.

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Und zu guter Letzt ein Foto vom Hotel vor einer Wolkenwand wie derjenigen, die ich am Bealach na Ba durchfahren durfte. Das bedarf keiner weiteren Worte, denke ich…

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Nun hoffe ich, dass meine Motorradsachen bis morgen Früh einigermaßen trocken sein werden. Die Heizkörper laufen jedenfalls auf Hochtouren, und ich muss dringend in die Horizontale.