29. Dezember 2013: Frischluft schnuppern

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Nachdem ich gestern endlich meinen losen Navihalter fixiert und dabei einige Zeit neben meiner NC verbringen durfte, wurde mir schmerzhaft bewußt, dass sie schon seit etlichen Wochen keine Ausfahrt mehr gemacht hatte. Ich wolle heute zwar meinen Bruder in Senftenberg zu besuchen, aber als ich die Nase ins Freie streckte, um die Temperatur zu testen, erschien sie mir zu kalt, um eine Stunde Autobahn hin und eine weitere zurück entlang des Donauwindkanals namens S5 zu erdulden. Da er morgen zu meinen Eltern nach Simmering kommen wird, beschloss ich, die Kleinigkeiten, derentwegen ich zu ihm fahren wollte, dort vorbeizubringen. Die Kluft war rasch angezogen, die NC ausgepackt, der Starter gedrückt und – welch erfreulicher Unterschied zu all meinen bisherigen Motorrädern – sie sprang sofort an, nach dem Motto: ‚Wurde schon Zeit! Gehts jetzt endlich wieder los?‘  

Ich fuhr rasch nach Simmering, hinterlegte die Plastiktüte und machte mich auf den Heimweg. Da es wider Erwarten nicht zu kalt war und der direkte Weg nach Hause nur knappe sieben Kilometer betrug, die Lust am Fahren aber deutlich größer war als dass sie durch eine derart kurze Strecke auch nur ansatzweise befriedigt werden konnte, rollte die NC einfach auf die S23, dann weiter Richtung Korneuburg, dann Richtung Brünn, und nach diversen Tunneln fand sie sich auf der Wiener Außenringschnellstraße wieder. Ich nahm die Abzweigung Kagraner Platzl (man muss ja beim Louis Megastore vorbeifahren, wenn man in der Woche zuvor den Katalog 2014 zerfleddert hat) und fuhr dann über die Reichsbrücke, Praterstern, Ring und Neustiftgasse zurück nach Hause. Gesamtlänge 77 Kilometer, Temperatur bei 6-8 Grad Celsius gut erträglich, Dauer etwa 90 Minuten.

Ich denke, das wars mit meinen Ausfahrten 2013, die von März bis Dezember möglich gewesen waren. Das absolute Highlight war sicher die Schottlandtour, ebenso diverseTagesfahrten wie z.B. die Tour übers Niederalpl, die Wildalpen und das Gesäuse im September. Mit schwerem Herzen und aus rein wirtschaftlichen Gründen verkaufte ich meine Alte Tante Trophy im Mai und tauschte sie gegen die neue NC 700 X, die mich seither 4957 sichere Kilometer begleitet hat. Zusammen mit meiner Trophy und der gemieteten NC 700 X in Schottland kam ich heuer auf gute 7000 Kilometer, etwas weniger als im Jahr zuvor, aber angesichts meiner beruflichen Auslastung doch ganz ordentlich. Morgen werde ich die NC noch einmal volltanken und dann endgültig für einige Zeit in den Winterschlaf versetzen. 

Mal sehen, was 2014 so bringen wird! Vieles wird davon abhängen, wohin es mich beruflich verschlagen wird – zur Zeit sieht es nach Berlin aus. Zwei Traumtouren sind im Entstehen: Eine führt nach Irland, die zweite nach Norwegen zu den Lofoten, dem Nordkap und zurück durch Schweden. Mal sehen, ob und wenn ja, wann sie in Angriff genommen werden können und wieviel Zeit dafür erforderlich sein würde! Sobald sie ausgearbeitet sind, werde ich sie auf meiner Webseite unter http://www.lonewolfbiker.de hochladen. So long – bis zur nächsten Saison! Mögen Schnee und Schotter nicht allzulange die Straßen verunzieren…

26. Oktober 2013: Melk – Bärenkopf – Königswiesen – Bad Großpertholz – Wien

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Nach den letzten Wochenenden, die Marks umfassender Wohnungsrenovierung zum Opfer fielen (inklusive gezielter Schimmelbekämpfung, eines Löcherverspachtel- und Ausmalmarathons, etlichen Bauhaus- und Möbelixbesuchen, dem Kauf diverser Armaturen und Lampen sowie deren Anbringung und dem Wegbringen von Sperrmüll) wurde es wieder höchste Zeit, die vernachlässigte NC auszulüften. Das Wochenende des Staatsfeiertages bot sich hier an, da die Wettervorhersage sehr erfreuliche Aussichten verhieß. In der Früh setzte ich mich noch rasch an mein Navi und gab eine spannende Route ein, die zwar anfangs auf der Westautobahn nach Melk führte, aber danach ein Gustostück Waldviertel samt ein wenig Mühlviertel ermöglichte. Die Navihalterung hatte sich durch die bisherigen Fahrten gelockert, und so schraubte ich sie ab, um die darunterliegende Fixierungsscheibe fester zu ziehen – und prompt fiel mir die Schraubenmutter hinter die Motorradverkleidung. Gute 10 Minuten lang quetschte mir auf der Suche danach fast die Finger ab, aber sie tauchte nicht mehr auf. Selbst starkes Schütteln der NC brachte sie nicht wieder zum Vorschein, weshalb ich die Halterung schließlich ganz abbaute, Navi, Kabel und Fixierung wegpackte und mich ohne elektronischen Einflüsterer auf den Weg machte. Der Verkehr auf den Wiener Ausfallstraßen war um 9:15 Uhr bereits bemerkenswert, offenbar wollte so mancher rechtzeitig heim zur Mutti, um den feiertäglichen Festtagsbraten zu genießen. Im Wienerwald riß der hartnäckige Morgennebel zeitweilig auf, erst bei Melk begann er sich dauerhaft zu lichten. Der Blick von der Donaubrücke auf Emmersdorf hinab offenbarte ein ganz anderes Bild als die Verwüstung, die das sommerliche Hochwasser der Donau mit sich gebracht hatte. Die dunklen Wassermarkierungen, die bis zum ersten Stockwerk der tiefliegenden Häuser reichten, waren allerdings noch deutlich zu sehen. Über das Weitental ging die Route nach Pöggstall. Der Herbst war ins Land gezogen, und die engen, bewaldeten Täler entlang der Bäche waren aufgrund der Farbenpracht des Waldviertler „Indian Summers“ eine wahre Augenweide.

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Ich folgte der schönen Strecke über den Bärenkopf und bog dann nach Süden Richtung Königswiesen ab, das ich seit meiner Kindheit nicht mehr besucht hatte. Vor dort aus gings weiter nach Liebenau, wo ich auf dem alten Güterweg über die Schanz Richtung Langschlag fahren wollte. Nach kurzer Zeit erwies sich dieser Versuch ohne Navi aber als Ding der Unmöglichkeit, denn Wegweiser sind auf diesen kleinen, einspurigen Straßen im Nirgendwo nicht zu finden. Also kehrte ich um, folgte der Hauptstraße nach Langschlag und fuhr anschließend über Bruderndorf, Nonndorf und Abschlag am Fassldorf vorbei nach Bad Großpertholz, wo ich meine Eltern besuchte. Gegen 16:15 Uhr brach ich wieder auf, denn ich hatte keine Lust bei Dunkelheit die Straße nach Wien in Angriff zu nehmen. In Eichberg betankte ich die NC, kehrte nochmals nach Weitra zurück und fuhr dann über Großschönau und Engelstein nach Zwettl, von dort an den Rudmannser Fischteichen vorbei, die gerade ausgefischt wurden, zur Burg Rastenberg, die ich endlich einmal in ihrer ganzen, wuchtigen Pracht fotografieren wollte, nachdem ich bereits etliche Male daran vorbeigefahren war.

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Die Gföhler Kurven samt Senftenberg und Kremstal schenkte ich mir diesmal aus Zeitgründen. Bei Gneixendorf boten sich mir Göttweig und Krems bei einer soeben untergehenden Sonne dar – die Farbenspiele am Himmel waren in ihren Gelb- und Orangetönen fast kitschig schön. Danach nutzte ich die Stockerauer Schnellstraße, um zügig nach Wien zu kommen, wobei mich die Dunkelheit bei Tulln einholte. Das machte den erhofften Abstecher über den Exelberg zunichte, denn diese engen Kurven im stockfinsteren Wald bei ständiger Erwartung eines möglichen Wildwechsels zu fahren verbot sich von selbst. Ich kam um 18:35 Uhr zu Hause an, packte die Plane über meine brave NC und kam rechtzeitig zur ARD Sportschau mit den aktuellen Berichten der Bundesliga vor den Fernseher. Es bleibt abzuwarten, ob sich noch die eine oder andere Ausfahrt in dieser Saison bewerkstelligen lassen wird…

25. September 2013: Niederalpl – Wildalpen – Gesäuse

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Der Wetterbericht für die Woche meldete, dass der 25. September für einige Zeit der letzte warme und sonnige Tag sein würde. Da ich etliche Überstunden angesammelt hatte, nahm ich mir Zeitausgleich, um die Gesäusetour vom 7. September zu Ende zu fahren. In der Gruppe war es damals zu langsam vorangegangen, und ich hatte mir vorgenommen, zumindest einmal in dieser Saison die 500 Kilometer in einem Stück hinter mich zu bringen und dabei einige Fotos zu machen, die mir helfen sollen, die langen Wintermonate ohne Motorrad erträglicher zu gestalten. In der Früh speicherte ich rasch die Tourdaten auf mein Navi, und machte mich um 8:30 Uhr auf den Weg über Gürtel, Triesterstraße, A2 und Allander Autobahn nach Heiligenkreuz. Auf der Strecke Mayerling – Pottenstein schlug mein Navi eine etwas abenteuerliche Routenführung über Großau vor, die etliche Kilometer länger war als die direkte Route. Ich hatte erwartet, dass auf den Nebenstraßen wenig Verkehr wäre, aber bereits auf dem Hals erwies sich das als Irrtum, da etliche Lastwagen unterwegs waren, die man aufgrund der kurvigen Straßenführung praktisch nicht überholen konnte. So zog sich das sonst so schöne Stück Landstraße ziemlich dahin und versetzte der Laune einen empfindlichen Dämpfer. In Gutenstein bog ich Richtung Haselrast ab, da ich Fotos von der beeindruckenden Schlucht gleich hinter dem Ort machen wollte.

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Der Hochnebel lichtete sich im Klostertal, und die Sonne begann die Landschaft in warmes Licht zu tauchen. Das Höllental war sehr angenehm zu fahren, ebenso wie das Preiner Gscheid, von dem man aus einen großartigen Blick auf die Rax werfen konnte.

SAMSUNG CAMERA PICTURESErstaunlicherweise waren etliche Motorradfahrer unterwegs, die wohl die gleiche Idee gehabt hatten wie ich. Auf steirischem Gebiet waren die Straßen gut ausgebaut, und ich kam zügig auf der Lahnsattel Bundesstraße voran nach Mürzsteg. Die Mürz glitzerte zu Füßen der weißen Kalkfelsen in der Sonne, der Verkehr war kaum erwähnenswert, es wurde langsam wärmer, und ich begann, die Tour richtig zu genießen.

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Beim Niederalpl machte ich eine erste kurze Pause. Der Schilift war zwar noch nicht in Betrieb, aber bis zur Eröffnung wird es wohl nicht mehr allzulange dauern, da der Paß auf 1220 Metern Seehöhe liegt.

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Bei Gußwerk bog ich ins Salzatal Richtung Wildalpen. Die Landschaft wurde jetzt spektakulär. Ich war die Strecke zwar beim letzen Mal gefahren, hatte dabei aber den Blick mehr auf den Rückspiegel gerichtet, um meine Mitfahrer nicht zu verlieren. Diesmal konnte ich mich auf die Kurven konzentrieren, hielt mich aber tempomäßig zurück, um die Aussicht zu genießen.

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In der Nähe des Ortes Wildalpen stand ein Fischer ruhig und in beschaulicher Erwartung beißender Fische bis zu den Oberschenkeln im kalten Wasser. Daraus wurde aber nichts, denn es nahte Unerwartetes…

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Bereits nach dem zweiten Schlauchboot, das mit heftigen Paddelschlägen seinen Fischgrund aufwühlte, packte er sichtlich entnervt die Angel weg und wartete, bis die johlende Flottille Jugendlicher an ihm vorübergezogen war. Ob sich danach noch ein Fisch zeigte, wage ich zu bezweifeln.

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Nach dem Abschnitt Wildalpen öffnete sich bei Palfau das Tal und gab liebliche Aussichten frei. Im Hintergrund konnte man den Eingang zum Gesäuse erkennen.

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An dieser Stelle hatten wir letztes Mal die Tour abgebrochen, um über Lunz am See und Wieselburg und die A1 zurück nach Wien zu fahren, damit wir rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein konnten. Dieses Mal bog ich nach Hieflau und somit ins Gesäuse ab – endlich konnte ich diese Strecke in Angriff nehmen!

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Die Abgeschiedenheit dieser Gegend und die Schroffheit der Kalkfelsen war richtig beeindruckend. Wenn noch der Straßenbelag einigermaßen in Schuß gewesen wäre, hätte ich mich auch mehr auf die Landschaft konzentrieren können und nicht so sehr auf die notdürftig bedeckten Schlaglöcher und den damit einhergehenden Rollsplitt. Nach einer dennoch relativ zügigen Durchfahrt des Gesäuses bot der Blick zurück ein grandioses Panorama.

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Meine Tankanzeige war mittlerweile zu einem einzigen, blinkenden Strich verkommen, und ich musste zusehen, dass ich die nächste Tankstelle erreichte. Das war in St. Gallen, einem netten und sehr ursprünglich gebliebenen Ort der Fall. Die Fluchtburg des Stiftes Admont, Burg Gallenstein, thronte auf ihrem Felsen, und man konnte sich vorstellen, welch schöne Aussicht man vom Burgfried haben konnte.

Gallenstein

Ich beschloß mir nach fünfeinhalb nahezu durchgefahrenen Stunden eine erste, längere Pause zu gönnen, parkte die NC beim örtlichen Spar und kaufte mir ein paar Lebensmittel, welche ich gleich auf dem Parkplatz verdrückte. Nach 20 Minuten fuhr ich weiter.

Nach Altenmarkt grüßte mich etwas überraschend ein oberösterreichischer Grenzstein. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein kleines Stück der Route dieses Bundesland streifen würde. Die Strecke entlang der smaragdgrünen Enns bis Weyer war auf der ausgezeichnet ausgebauten Bundesstraße rasch zurückgelegt, danach wurde ins enge Ybbstal nach Hollenstein und Göstling abgebogen. Niederösterreich hatte mich wieder! Über Lunz am See und den Zellerrain gings weiter zum Erlaufsee, der unterhalb der Gemeindealpe ruhig in der Sonne lag und zum kurzen Verweilen einlud.

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Die grandiosen Kurven der Mariazeller Straße folgten, bevor ich bei Lassingrotte nach Puchenstuben abbog, um erstmalig diese Hausstrecke der Wiener Biker unter die Räder zu nehmen. Ein kleines, grünes Hinweisschild machte mit der Beschriftung „Ötscherblick“ auf eben diesen Berg aufmerksam und hielt mich an, die NC abzustellen und ein Foto vom wuchtig in den Himmel ragenden Ötscher zu machen.

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Nach Frankenfels folgte das Pielachtal. Die Szenerie wurde lieblicher, die schroffen Kalkfelsen und Klippen hatte ich bei dieser Tour entgültig hinter mich gebracht. Sie wurden durch bewaldete Kuppen und Hügel abgelöst, die mich ans obere Waldviertel erinnerten, wobei dort die Täler deutlich breiter sind als hier beim Übergang ins Alpenvorland.

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Über Lilienfeld, St. Veit an der Gölsen und Hainfeld erreichte ich die schöne Strecke Klamm – Innermanzing, die sich wunderbar fahren lässt. Ich  genoß die Kurvengängigkeit – oder soll ich sagen das geschmeidige Tanzen – der NC noch einmal so richtig, bevor ich über die A1 zurück nach Wien fuhr. Dort kam ich gegen 18:20 Uhr nach 532.5 km zwar müde, aber sehr zufrieden an.

Gesäusetour Höhenprofil 25-09-13

Groops Ausfahrt vom 7. September 2013: Heiligenkreuz – Mariazell – Wildalpen – Lunz am See

07-09-13

Eric, Fred, Joachim und ich trafen einander in Heiligenkreuz und fingen den Tag mit einem gemeinsamen Kaffee an. Gegen 9:45 fuhren wir über Hals und Haselrast (dort wird noch immer herumgewerkelt) zur Kalten Kuchl, wo eine erste Rast gegen 11:00 gemacht wurde. Der Parkplatz war krachend voll mit Motorrädern und ein ständiges Kommen und lautes Abfahren deutete an, dass der Ochssattel bei dem vorherrschenden herrlichen Sonnenschein für einige zur Rennstrecke werden würde. Als wir gegen 11:30 nach einer großen Bikergruppe aus Eisenstadt Umgebung losfuhren, welche uns übrigens schon zwischen Pernitz und Gutenstein etwas genervt hatte, da sich die Fahrer eher rücksichtslos zwischen uns und an uns vorbeigedrängt hatten, war der Ochssattel erstaunlich frei zu fahren. Wir machten den Abstecher über Hofamt und kurvten danach über St. Ägyd und Kernhof zum Hubertussee, wo die vorgeschriebenen 40 km/h wegen des herumliegenden Schotters kaum erreicht werden konnten. Im Hotel Himmelreich in Mariazell machten wir Mittagspause und hatten das Glück, gerade zwischen drei Tourbusladungen einzutreffen, sodass wir unser Hirschragout sehr schnell auf den Tisch bekamen. Anschließend besuchten wir die Basilika. Die Kerzerlgruft war aufgrund des starken Besucherandrangs geschlossen, und als wir die lange Schlange von Wartenden sahen, ließen wir es bleiben, gingen zum Hotel zurück und fuhren wieder los. Die Strecke Wildalpen – Palfau war grandios, viele Kurven, viele Motorräder, viele Wildwasserfahrer, entsprechend viele Busse mit Schlauchbooten vor und hinter uns – kurzum, es war einiges los auf der Strecke und entsprechend langsam ging es voran. Das hatte zur Folge, dass wir zu meinem Bedauern das Gesäuse sausen lassen mussten und stattdessen bei Mooslandl gegen 15:30 nicht Richtung Hieflau sondern Richtung Göstling abbogen, da wir sonst erst bei Dunkelheit zurückgekommen wären. In Lunz parkten wir unsere Gefährte beim See und setzten uns noch eine halbe Stunde ins Strandbad, um die Natur, die Sonne und ein Getränk zu genießen bevor es über Scheibbs und Wieselburg nach Ybbs an der Donau und über die A1 nach Wien zurück ging. Ankunft war gegen 18:45. Die Gesamtstrecke betrug ca. 410 Kilometer bei grandiosem Wetter und Landschaften sowie einer netten Truppe von Fahrern – was will man mehr!

SAMSUNG CAMERA PICTURESAusfahrt 07-09-13SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESAusfahrt 07-09-13Lunz am See

2. September 2013: Gemütliches Ausrollen am Abend

AusrollenNach einem langen Tag im Büro lockte mich der verbleibende Sonnenschein auf meine NC. Ich fuhr zuerst an der Wohnung vorbei, die wir uns am vergangenen Wochenende angesehen hatten und erkundete ein wenig die Gegend. Anschließend fuhr ich über den bei Bikern sehr beliebten Exelberg Richtung Königstetten. In einer eher harmlosen Linkskurve kurz vor Scheiblingstein fiel mir ein neues Kreuz mit an die zehn brennenden Ölkerzen davor auf… Lasse es nie an Achtsamkeit fehlen – war die eindrückliche Aussage. Mittlerweile wurde es langsam dunkel. Über Tulln und die Autobahn gings zurück nach Wien, wobei ich wieder einmal bemerkte, wie unwohl ich mich bei Nachtfahrten mit dem Motorrad fühle. Wenn es sich in Zukunft irgendwie vermeiden lässt, verzichte ich liebend gerne darauf. Dennoch sollte ich in nächster Zeit eine größere Ausfahrt planen, denn seit meiner Schottlandtour ist schon mehr als ein Monat vergangen, und es zeichnen sich deutlich erste Entzugserscheinungen ab, die offenbar selbst durch mehrfache Bürofahrten unter der Woche nicht ausgeglichen werden können.

Groops Ausfahrt vom 17. August 2013: Hohe Wand – Höllental – Hals

Tour vom 17-08-13Bei schönem, aber sehr heißem Wetter trafen Bernhard, der zum ersten Mal bei einer unserer Touren mitfuhr, Christian, Ewald und ich einander in Leobersdorf und fuhren die Hohe Wand entlang über Puchberg am Schneeberg und Prigglitz nach Gloggnitz. Mein Navi war leider ausgefallen (beim allerersten Kreisverkehr wollte es mich bereits zurückschicken…) und so nahm ich in Gloggnitz die falsche Abzweigung Richtung Höllental, die uns die Adlitzgräben und die Kalte Rinnne verwehrte. Echt schade! War wohl auch ein wenig die Hitze, die die Konzentration beeinträchtigte. Im Höllental war viel los, den Autos nach zu schließen, die bei der Seilbahnstation parken, schien es, als ob halb Wien sich auf der Rax im Weg stehen würde. Es tat gut, beim Landgasthaus Kufner in Kaiserbrunn einen Zwischenstopp einzulegen und ein wenig im Schatten zu sitzen. Die Westrampe der Haselrast ist mittlerweile gut ausgebaut, das wird bald eine schöne Motorradstrecke werden, am zweiten Abschnitt wird noch gearbeitet. Über den Hals fuhren wir weiter nach Pottenstein – wirklich schön, wie eigentlich immer. Dort endete die Tour.

Zu Hause überprüfte ich die gespeicherte Tour im Navi. Ich hätte bloß den ersten Wegpunkt löschen müssen, dann hätte es gepasst. Aber ich war ganz klar nicht voll konzentriert, mag wohl an der Hitze gelegen haben, und so kam es, dass einer der schönsten Teile der Tour nicht gefahren wurde. Schade drum!

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Tag 8 der Schottlandtour: Oban – Perth (20. Juli 2013)

BildDer letzte Tag der Schottlandtour war angebrochen. Beim Frühstück hatte ich noch ein nettes Gespräch mit den vier Belgiern aus Flandern, die insgesamt drei Wochen in Schottland unterwegs waren und die mit großem Interesse mein Tourbuch und danach die NC begutachteten. Ich beglich die Rechnung, packte den Ortliebsack auf die NC und machte mich auf den Weg zum naheliegenden McCaig’s Tower, von dem aus ich einen wunderbaren Blick auf Oban und die vorgelagerten Inseln hatte.

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Da ich gegen 16 Uhr bei Perth Motorcyles sein musste, um die NC rechtzeitig zurückzugeben, verzichtete ich auf die ursprünglich geplante Route über Lochgilphead und fuhr direkt nach Inveraray. Zügig kam ich auf der gut ausgebauten Straße voran und erreichte bald den Ort. Vor dem alten Gefängnis stellte ich die NC ab und schlenderte ein wenig an den Steinhäusern entlang zur Waterfront, an der zwei betagte Schiffe vertäut lagen.

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Beim Queren der alten Steinbrücke erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf das Inveraray Castle. Es kam mir erstaunlich bekannt vor, denn hier wurde das Christmas Special 2012 von Downton Abbey gedreht, in dem die Crawleys die befreundete Familie der MacClares besuchen. Wie die Folge endete ist den Downton Abbey Aficionados ja hinreichend bekannt…

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Ich folgte der Old Military Road und erreichte bald den Loch Lomond, den ich bis zur Südspitze entlang fuhr, wobei ich mich fragte, wo denn plötzlich die Masse an Autos, die sich am Seeufer entlangwälzte, hergekommen war. Nach der Einsamkeit der Highlands erschien mir eine Ansammlung von mehr als drei Autos wie ein Verkehrsstau… Nun, Glasgow war gerademal 25 Meilen entfernt, und bei dem herrlichen Wochenendwetter schien die halbe Stadt die Gelegenheit zu nutzen, etwas frische Luft im Grünen zu schnuppern bzw. in einem der vielen Lochs zu baden – was für schwitzenden NC Fahrer in Motorradkluft absolut nachvollziehbar war.

In Balloch befand sich eine große Mall, das Gateway Centre, direkt am See. Ich parkte und marschierte bei dröhnender Technomusik vorbei an Designer Outlets und etlichen Leuten mit kleinen Kindern, die sich krampfhaft an Luftballons festklammerten, ans Ufer wo ich eine Runde drehte und gleich wieder abschob. Dieser geballte Kommerz war nichts für mich, und ich fühlte mich völlig fehl am Platz.

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Es wurde Zeit ein wenig Tempo zu machen. Durch den Loch Lomond und Trossachs National Park fuhr ich nach Aberfoyle, von dort durch den Strathyre Forest über den Duke’s Pass auf einer genialen Motorradstrecke mit Steigungen, vielen Kurven und Fernsichten zum Loch Achray, an dessen Nordufer das alte Tigh Mor Hotel in seiner ganzen viktorianischen Herrlichkeit thront.

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Ein Abstecher zum Lake Katrine musste schon alleine wegen Sir Walter Scott und seiner ‚Lady of the Lake‘ sein. Beim Pier hielt ich an, um ein wenig in die durch dieses Meisterwerk hervorgerufene und seit der Veröffentlichung im Jahr 1810 anhaltende Begeisterung für die Trossachs einzutauchen.

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Viel Zeit wollte ich nicht am Pier verbringen, sondern nur erste Eindrücke sammeln, da ich vorhabe, gemeinsam mit Beate nächste Woche mit dem Mietwagen hierherzukommen. Es gibt Fahrräder zu mieten, und ein Tagesausflug mit Rad oder Schiff wird sicher schön werden.

Etwas später folgte ich dem Ufer des Loch Lubnaig, an dessen Ufer zahlreiche Autos parkten, deren Insassen sich im Wasser vergnügten. Diese Ecke Schottlands ist ein wahres Eldorado für Familien!

In Lochearnhead am Westende des Loch Earn wurden die jährlichen Highlandgames abgehalten, was Parkplätze im Ort sehr rar und die mitten auf der Hauptstraße stehenden und herumfuchtelnden Platzanweiser sehr hektisch machte.

Der letzte Abschnitt nach Perth verlief unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass aufgrund der andauernden Hitzewelle in dieser Gegend ein stattlicher Baum an einer Haltebucht neben der Straße in meterhohen Flammen stand. Da hatte wohl wieder jemand trotz ständiger Warnungen der BBC einen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Kurz danach kam mir bereits ein Feuerwehrwagen mit heulenden Sirenen entgegen, um zu den Brand zu löschen.

In Perth tanke ich die NC nochmals voll und begab mich zu Perth Motorcyles. Die Inspektion ergab, dass der beim Ardvreck Castle entstandene Schaden – es waren zwei, drei kleinere Dellen am Auspuffblech sowie ein verbogener Sporn am Seitenständer – nicht groß genug war, um den Auspufftopf zu wechseln oder die Sache der Versicherung zu melden. Somit blieb der Zwischenfall für mich ohne finanzielle Konsequenzen, was ich erfreut zur Kenntnis nahm.

Ein Taxi brachte mich zurück zum Queens Hotel, und ich quartierte mich für die Nacht ein. Bei Dominos Pizza holte ich mir eine ebensolche, schnappte mir ein Bier im nahegelegenen Supermarkt, setzte mich in der Nähe des Hotels unter einen Baum und beendete bei diesem improvisierten Dinner meine Motorradtour durch Schottland.

Schön war es, anstrengend war es auch. Die Einsamkeit hat mir gut getan, und ich werde noch lange davon zehren. In dieser Woche habe ich knappe 2000 Kilometer zurückgelegt, eine erkleckliche Anzahl davon auf single track roads. Hier ist nochmals die Route in ihrer Gesamtheit:

Gesamttour

Morgen gehts mit der Bahn nach Edinburgh, wo ich ein Auto mieten werde, um dann Beate in St. Andrews abzuholen. Eine weitere Woche Schottland steht an mit Besuchen in Dundee, Glamis Castle, Dunnottar Castle, Aberdeen, Ballater, Balmoral, dem Cairngorms National Park, Nairn, Fort George, Inverness, dem Highland Folk Museum, Blair Atholl und Blair Castle, Pitlochry, Stirling und Edinburgh. Danach fliegen wir über Amsterdam zurück nach Wien. Ich freue mich sehr auf diese zweite Runde durch Schottland!