7. Juni 2014: Oberes Waldviertel – Südböhmen – Mühlkreis

07-06-14

An manchen Tagen ist der Weg das Ziel, und so wurde die 5. Jahreszeit eines jeden Bikers, das Pfingstwochenende, heute mit einer zünftigen Rundfahrt gefeiert, wobei die Freude am Fahren im Mittelpunkt stand. Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Weg über die A1 nach Melk, von dort das Weitental hoch nach Pöggstall, folgte der Zwettler Bundesstraße via Ottenschlag bis nach Zwettl, fuhr danach weiter über Jagenbach, Groß Otten, Engelstein, Friedreichs, Mühlbach und Steinbach nach Bad Grosspertholz ins Obere Waldviertel, um meine Eltern zu besuchen und einiges im Haushalt vor Ort zu erledigen. Gegen 14 Uhr 15 ging es dann weiter Richtung Mühlviertel und tschechische Grenze, der ich auf kleinen, verschlungenen Wegen durch herrliche und zwischenzeitlich wie gemalt wirkende Landschaften folgte, wobei ich verstreute Weiler und so manchen regionstypischen Vierkanthof passierte.

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Die Route führte über Karlstift nach Sandl, danach am Tafel- und Hundsberg vorbei nach Windhaag bei Freistadt, von dort nach Norden direkt die Grenze entlang über Lerchenfeld und Hammern nach Leopoldschlag zur Mühlviertler Straße, die links nach Freistadt und rechts in die Tschechische Republik führt. Ich nahm die Gelegenheit wahr, einen kurzen Abstecher nach „drüben“ zu machen, um zu sehen, wohin es mich verschlagen würde.

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Als erstes fielen mir etliche junge Frauen auf, die am Straßenrand bei alleinstehenden Häusern oder in Parkbuchten herumstanden und männlichen Verkehrsteilnehmern in der eindeutigen Erwartung, ‚verkehrstechnisch‘ erfasst zu werden, zuwinkten. Ich war einigermaßen erstaunt über das offenkundige Interesse zahlreicher Fahrer, die von Salzburg bis Wien kommend, wohl nicht alle die Absicht hatten, nach Krumau, Budweis oder Prag fahren zu wollen.

Nach kurzer Zeit  passierte ich ein Hinweisschild zur Burg Rožmberk (Rosenberg), dem Stammsitz der Witigonen, einem der ältesten Adelsgeschlechter Böhmens. Da wollte ich doch gleich mal hinfahren und begann nach entsprechenden Wegweisern Ausschau zu halten. Da kam aber nichts. Also drehte ich auf der Suche danach einige unnötige Runden, u.a. durch das Dorf Bujanov, bevor ich mein Navi zu Rate zog, welches mich dann auch ohne weitere Umwege ans Ziel brachte.

Die mit bestem Asphalt ausgestattete Straße ohne Mittelstreifen führte entlang der Moldau durch herrliche Alleen mit altem Baumbestand – ein Kurventanz der besonderen Art war angesagt! Nach kurzer Zeit erreichte ich den gesuchten Ort mit den beiden Burgen, etlichen Gaststätten mit schattigen Gärten und zahlreichen Kanuverleihstellen, die an diesem schönen Sommertag auch fleißig genutzt wurden.

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Die Strecke führte weiter Richtung Český Krumlov (Krumau), aber einen Besuch dieser wirklich schönen Stadt hob ich mir für eine andere Gelegenheit auf. Nun ging es die gleiche Strecke zurück Richtung Bad Leonfelden in Oberösterreich. In Vyšší Brod kurz vor der Grenze waren Bauarbeiten im Gange, im Zuge derer ein Hang neben der Straße befestigt wurde. Baufahrzeuge standen herum, der Asphalt war abgetragen worden und eine Menge Steine lagen quer über die Fahrbahn. Ich fuhr vorsichtig daran vorbei und wunderte mich über die verdutzten Gesichter der Arbeiter, die mir seltsame Blicke zuwarfen. Am Ende der Baustelle war die Straße komplett mit einem Bauzaun abgesperrt, und als ich diesen umfahren hatte, entdeckte ich auf der anderen Seite des Zaunes ein daran festgemachtes Fahrverbotsschild sowie ein Polizeifahrzeug mit einen eifrig Strafbescheide austellenden Polizisten. Er hielt mich an, und nachdem er den Fahrer vor mir abgefertigt hatte, wollte er sich meiner annehmen. Ich fragte ihn gleich, ob er Deutsch sprechen würde, was er nach kurzem Zögern bejahte.  Während er dienstbeflissen meine Daten aufnahm, machte ich ihn darauf aufmerksam, dass auf der anderen Seite der Baustelle weder eine Absperrung noch ein Fahrverbotsschild zu sehen gewesen waren, was er mir offensichtlich nicht abkaufen wollte. Aber ganz sicher war er sich seiner Sache nicht, denn als er mir kurz darauf den Ausweis ohne Strafzettel zurückgegeben und mir noch eine gute Fahrt gewünscht hatte, sprang er ins Auto, umkurvte den Bauzaun und rollte ans andere Ende der Baustelle, um nachzusehen, ob meine Beobachtung stimmte. Ich machte mich schleunigst vom Acker und sah zu, möglichst rasch nach Österreich zurückzukommen.

Von Bad Leonfelden aus fuhr ich die schöne Strecke nach Freistadt, tankte nochmals, und genoß die schattige und überaus kurvige Straße nach Kefermarkt, Gutau, Bad Zell und St. Thomas am Blasenstein, die zu fahren ich Bikern nur empfehlen kann. Eine Felsformation an der Waldaist möchte ich Euch nicht vorenthalten, denn irgendwie sah sie stark aus mit ihrer kleinen Kapelle, die zwischen Felswand, Straße und Fluss eingepfercht lag.

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Es herrschte kaum Verkehr, der Belag war bis auf wenige kürzere Strecken in hervorragendem Zustand, kurzum, es war herrlich die NC so richtig in die Pflicht zu nehmen und dadurch ein intensives Fahrerlebnis zu genießen. Viele Bauern hatten das schöne Wetter genutzt, um ihre Wiesen zu mähen, und der würzige Duft von frischem Heu lag vielerorts in der Luft. Es war Sommer- und Urlaubsfeeling pur!

An Bad Kreuzen vorbei ging es weiter nach Grein mit seinem schön gelegenen Schloss Greinburg, das wuchtig sowohl den Ort als auch die Donau von seiner erhöhten Lage aus dominiert.

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Von Grein aus folgte ich der Donau bis Krems, wobei ich den Strudengau und danach die Wachau bei herrlichem Sonnenschein, strahlend blauem Himmel, 34 Grad und auffällig wenig Verkehr durchquerte. Es war einfach großartig so richtig entspannt durch die Landschaft zu rollen und die Blicke ständig von der an diesem Tag wahrhaftig blauen Donau auf die beiderseits davon aufragenden Weinberge und die alten Dörfer schweifen zu lassen. Zwischendurch passierte ich die Ruinen Aggstein und Weiten-egg, bevor ich in Dürnstein eine Pause einlegte und ein wenig durch die Altstadt schlenderte, um mir die nach der längeren ununterbrochenen Fahrstrecke etwas müde gewordenen Beine zu vertreten.

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Von Krems auf fuhr ich über die S5 und danach die A22 zurück nach Wien, wo ich um 20 Uhr nach insgesamt 530 Kilometern ankam. Es war ein herrlicher Ausflug gewesen mit Streckenabschnitten im Wald- und Mühlviertel sowie dem Mühlkreis, die ich Bikern nur wärmstens empfehlen kann. Für Genußfahrer/innen aus dem Großraum Wien bietet es sich an, ein Wochenende mit einer Übernachtung in einem der netten Orte des Mühlkreises einzuplanen, um genügend Muße für diese wirklich schöne Bikergegend und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu haben.

07-06-14 Höhenprofil

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