Tag 8 der Schottlandtour: Oban – Perth (20. Juli 2013)

BildDer letzte Tag der Schottlandtour war angebrochen. Beim Frühstück hatte ich noch ein nettes Gespräch mit den vier Belgiern aus Flandern, die insgesamt drei Wochen in Schottland unterwegs waren und die mit großem Interesse mein Tourbuch und danach die NC begutachteten. Ich beglich die Rechnung, packte den Ortliebsack auf die NC und machte mich auf den Weg zum naheliegenden McCaig’s Tower, von dem aus ich einen wunderbaren Blick auf Oban und die vorgelagerten Inseln hatte.

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Da ich gegen 16 Uhr bei Perth Motorcyles sein musste, um die NC rechtzeitig zurückzugeben, verzichtete ich auf die ursprünglich geplante Route über Lochgilphead und fuhr direkt nach Inveraray. Zügig kam ich auf der gut ausgebauten Straße voran und erreichte bald den Ort. Vor dem alten Gefängnis stellte ich die NC ab und schlenderte ein wenig an den Steinhäusern entlang zur Waterfront, an der zwei betagte Schiffe vertäut lagen.

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Beim Queren der alten Steinbrücke erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf das Inveraray Castle. Es kam mir erstaunlich bekannt vor, denn hier wurde das Christmas Special 2012 von Downton Abbey gedreht, in dem die Crawleys die befreundete Familie der MacClares besuchen. Wie die Folge endete ist den Downton Abbey Aficionados ja hinreichend bekannt…

Inveraray_Castle

Ich folgte der Old Military Road und erreichte bald den Loch Lomond, den ich bis zur Südspitze entlang fuhr, wobei ich mich fragte, wo denn plötzlich die Masse an Autos, die sich am Seeufer entlangwälzte, hergekommen war. Nach der Einsamkeit der Highlands erschien mir eine Ansammlung von mehr als drei Autos wie ein Verkehrsstau… Nun, Glasgow war gerademal 25 Meilen entfernt, und bei dem herrlichen Wochenendwetter schien die halbe Stadt die Gelegenheit zu nutzen, etwas frische Luft im Grünen zu schnuppern bzw. in einem der vielen Lochs zu baden – was für schwitzenden NC Fahrer in Motorradkluft absolut nachvollziehbar war.

In Balloch befand sich eine große Mall, das Gateway Centre, direkt am See. Ich parkte und marschierte bei dröhnender Technomusik vorbei an Designer Outlets und etlichen Leuten mit kleinen Kindern, die sich krampfhaft an Luftballons festklammerten, ans Ufer wo ich eine Runde drehte und gleich wieder abschob. Dieser geballte Kommerz war nichts für mich, und ich fühlte mich völlig fehl am Platz.

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Es wurde Zeit ein wenig Tempo zu machen. Durch den Loch Lomond und Trossachs National Park fuhr ich nach Aberfoyle, von dort durch den Strathyre Forest über den Duke’s Pass auf einer genialen Motorradstrecke mit Steigungen, vielen Kurven und Fernsichten zum Loch Achray, an dessen Nordufer das alte Tigh Mor Hotel in seiner ganzen viktorianischen Herrlichkeit thront.

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Ein Abstecher zum Lake Katrine musste schon alleine wegen Sir Walter Scott und seiner ‚Lady of the Lake‘ sein. Beim Pier hielt ich an, um ein wenig in die durch dieses Meisterwerk hervorgerufene und seit der Veröffentlichung im Jahr 1810 anhaltende Begeisterung für die Trossachs einzutauchen.

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Viel Zeit wollte ich nicht am Pier verbringen, sondern nur erste Eindrücke sammeln, da ich vorhabe, gemeinsam mit Beate nächste Woche mit dem Mietwagen hierherzukommen. Es gibt Fahrräder zu mieten, und ein Tagesausflug mit Rad oder Schiff wird sicher schön werden.

Etwas später folgte ich dem Ufer des Loch Lubnaig, an dessen Ufer zahlreiche Autos parkten, deren Insassen sich im Wasser vergnügten. Diese Ecke Schottlands ist ein wahres Eldorado für Familien!

In Lochearnhead am Westende des Loch Earn wurden die jährlichen Highlandgames abgehalten, was Parkplätze im Ort sehr rar und die mitten auf der Hauptstraße stehenden und herumfuchtelnden Platzanweiser sehr hektisch machte.

Der letzte Abschnitt nach Perth verlief unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass aufgrund der andauernden Hitzewelle in dieser Gegend ein stattlicher Baum an einer Haltebucht neben der Straße in meterhohen Flammen stand. Da hatte wohl wieder jemand trotz ständiger Warnungen der BBC einen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Kurz danach kam mir bereits ein Feuerwehrwagen mit heulenden Sirenen entgegen, um zu den Brand zu löschen.

In Perth tanke ich die NC nochmals voll und begab mich zu Perth Motorcyles. Die Inspektion ergab, dass der beim Ardvreck Castle entstandene Schaden – es waren zwei, drei kleinere Dellen am Auspuffblech sowie ein verbogener Sporn am Seitenständer – nicht groß genug war, um den Auspufftopf zu wechseln oder die Sache der Versicherung zu melden. Somit blieb der Zwischenfall für mich ohne finanzielle Konsequenzen, was ich erfreut zur Kenntnis nahm.

Ein Taxi brachte mich zurück zum Queens Hotel, und ich quartierte mich für die Nacht ein. Bei Dominos Pizza holte ich mir eine ebensolche, schnappte mir ein Bier im nahegelegenen Supermarkt, setzte mich in der Nähe des Hotels unter einen Baum und beendete bei diesem improvisierten Dinner meine Motorradtour durch Schottland.

Schön war es, anstrengend war es auch. Die Einsamkeit hat mir gut getan, und ich werde noch lange davon zehren. In dieser Woche habe ich knappe 2000 Kilometer zurückgelegt, eine erkleckliche Anzahl davon auf single track roads. Hier ist nochmals die Route in ihrer Gesamtheit:

Gesamttour

Morgen gehts mit der Bahn nach Edinburgh, wo ich ein Auto mieten werde, um dann Beate in St. Andrews abzuholen. Eine weitere Woche Schottland steht an mit Besuchen in Dundee, Glamis Castle, Dunnottar Castle, Aberdeen, Ballater, Balmoral, dem Cairngorms National Park, Nairn, Fort George, Inverness, dem Highland Folk Museum, Blair Atholl und Blair Castle, Pitlochry, Stirling und Edinburgh. Danach fliegen wir über Amsterdam zurück nach Wien. Ich freue mich sehr auf diese zweite Runde durch Schottland!

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5 Gedanken zu „Tag 8 der Schottlandtour: Oban – Perth (20. Juli 2013)

  1. Super, dein Reisebericht über deine 8-tägige Rundreise durch Schottland mit einer gemieteten NC-X. Und dazu die tollen Bilder – ich hoffe, da komme ich mit meiner „X“ auch mal hin 😉
    Gruß HerBert

  2. Ich habe mich gerade durch die Schottland Tour gelesen – grandios. Neben mir liegt ein DIN A4 Zettel auf der ich die (nach dem ersten Lesen) interessantesten Stopps schon mal notiert habe. Ich plane 2018 für 14 – 16 Tage nach Schottland zu fahren und freue mich über diesen tollen Reisebericht. Ich denke für die Planung wird es mir sehr weiterhelfen.

    Ne ganz ehrliche Frage: ich habe mehrfach von „schlechten“ Single-Track-Roads gelesen. Wie schlecht ist denn schlecht? Ich fahre noch nicht wirklich lange und Irland im letzten Jahr hat mir schon einiges abverlangt (gut wie man sieht, bin ich ja heil wieder in D angekommen, aber es war sehr stressig)

    • Hallo Bile, danke für deine Rückmeldung, die mich sehr freut. Wie schlecht sind single tracks? Meistens befinden sie sich in einem erstaunlich gutem Zustand, ich hätte mir Schlimmeres erwartet. Wenn du zum Bericht des 3. Tages gehst und die Bilder der singe track road nach Fanagmore und Tarbet ansiehst, dann bekommst du einen Eindruck davon, was dich am unteren Ende der Skala erwartet. Aber selbst das empfand ich nicht als schlecht, da gibt es deutlich Schlimmeres auf Deutschlands Straßen (und besonders in Großstädten wie Berlin!) zu finden… Vergiß nicht nach Skye zu fahren und die Borders im Süden zu England sind landschaftlich ebenfalls sehr schön. Viel Freude im nächsten Jahr auf deiner Fahrt! Gut möglich, dass ich dann ebenfalls dort unterwegs sein werde.

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