Tag 4 der Schottlandtour: Coigach und Assynt Tour (16. Juli 2013)

Tag 4

Nach einem erneut sehr ausgiebigen Frühstück brach ich Richtung Norden zur Coigach und Assynt Tour auf, die von der Webseite ‚Undiscovered Scotland‘ besonders hervorgehoben worden war. Das erste, gut ausgebaute Teilstück war noch von gestern bekannt, nach der Abzweigung Richtung Reiff und Achitilbuie verengte sich die Straße zu einer single track road, die sich zwischen Lochs und von tiefliegenden Wolken verhangenen Bergen durch beeindruckende Szenerie wand. Immer wieder hielt ich an und erfreute mich an den Eindrücken, die sich mir darboten. Häufig lagen Schafe auf der Straße bzw. direkt daneben und Achtsamkeit war geboten, denn besonders die jungen, unerfahrenen unter ihnen neigten dazu, unvermittelt hochzuspringen und über die Straße zu laufen. Es entstanden zahlreiche Fotos, von denen einige hier zu sehen sind.

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Nach dem Loch Osgaig entdeckte ich aus der Ferne einen wunderbaren Sandstrand, Achnahaird Beach, den ich unbedingt aufsuchen wollte, wenn auch die Straße dahin ziemlich abenteuerlich war. Hinter dem Sandstreifen und geschützt vor den Winden durch höhere Steinformationen, stand ein kleines Zelt verloren in großartiger Natur. Im outdoorfreundlichen Schottland darf man überall campen, vorausgesetzt, man hinterlässt den Ort unbeeinträchtigt. Das wäre eine zeitweilige Alternative zu den Bed and Breakfast Unterkünften beim nächsten Mal! Leider war nicht alles so friedlich wie es den Anschein hatte, denn das in der Nähe des kleinen Parkplatzes angebrachte Poster mit dem Bild eines gerissenen Schafes und der martialischen Ankündigung, dass jeder freilaufende Hund sofort erschossen werden würde, war deutlich genug.

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Die Orte Reiff, Altandhu und anschließend Achitilbuie bestanden lediglich aus einigen Häusern die, wie es schien, vor allem sich selbstversorgenden Touristen als Unterkunft dienten. Der Blick auf die Summer Isles war allerdings bemerkenswert.

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Der nächste größere Ort auf meiner Route war Lochinver. Eine kurvige single track road führte nach Querung eines Höhenzuges mit Blick auf die sich nun nahezu wolkenfrei präsentierenden Berge in tiefere und geschütztere Gefilde, in denen neben Schafzucht auch etwas Landwirtschaft zu finden war. Dichterer Baumbestand entlang von Bächen vermittelte einen lieblicheren Eindruck als die zuvor erlebte Kargheit.

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An einem besonders schönen Platz machte ich Rast, setzte mich auf einen Stein und genoß bei einem Mittagessen bestehend aus halbseitig mit Schokolade überzogenen Keksen und Mineralwasser die wunderschöne Aussicht. Wie man sehen kann, hatte sich das Wetter deutlich gebessert, was einen tollen Nachmittag verhieß.

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In Lochinver wollte ich das Assynt Visitor Centre besuchen, aber ehe ich mich versah, hatte ich den Ort schon wieder verlassen. Der kleine Hafen, die Tankstelle und einige Pubs und Kirchen waren mir aufgefallen, das eigentliche Ziel hatte ich leider verpasst. Kurz nach dem Ort verwies ein Schild auf den Sandstrand von Achmelvich, der knappe zwei Meilen entfernt lag. Den wollte ich mir nicht entgehen lassen, bog ab, und landete bald darauf an einem recht belebten Parkplatz, der von Mobile Homes gesäumt war. Etwas weiter dahinter befanden sich eine Jugendherberge und der von kleinen Dünen und Felsformationen begrenzte Strand. Wieder einmal war ich auf ein wahres Schmuckstück der Natur gestoßen, das ich in dieser Form nicht in Schottland vermutet hätte!

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Nach einem kurzen Aufenthalt am Strand kehrte ich zur Hauptstraße zurück und machte mich auf den Weg Richtung Halbinsel Stoer, an derem nördlichen Ende ein bekannter Leuchtturm steht. Die single track road wand sich durch recht verlassene Gegend mit wenigen, teils verfallenen Häusern, wobei letztere häufig als Schafställe dienten. Hinter einer Kurve waren zwei Reiter unterwegs, einer bat mich durch Handzeichen, langsam vorbeizufahren, um ein Scheuen des zweiten Pferdes zu verhindern. Ich schlich bei möglichst niedriger Drehzahl an den beiden vorbei, was mit einem erleichterten Lächeln quittiert wurde. Die Straße führte den Klippen folgend zum Leuchtturm. Er schien am Ende der Welt zu stehen. Der Wind pfiff gewaltig und man mochte sich nicht die Abgeschiedenheit des Leuchtturmwärters und seiner Familie vorstellen, die dort monatelang sich selbst überlassen waren.

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Bei der Rückfahrt zur Straße Richtung Kylesku kam ich erneut an den beiden Reitern vorbei, die mich schon von ferne herzlich grüßten.

Die single track road, der ich nun folgte, war schlichtweg großartig zu fahren. Es herrschte kaum Verkehr, die Sonne schien, die Landschaft war grandios und die Anzahl der Schafe auf der Straße hielt sich erstaunlicherweise in Grenzen. In Drumbeg hielt ich bei einem Aussichtspunkt an und blickte auf eine herrliche Bucht hinab, bevor ich den Rest des Weges am 808 Meter hohen, hufeisenförmigen Quinag entlang zur Hauptstraße weiterfuhr.

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Als ich Kylesku erreichte, beschloss ich, nochmals über die Brücke zum höher gelegenen Aussichtspunkt nördlich davon zu fahren, da gestern das Wetter keine Fernsichten erlaubt hatte, und ich hoffte, diesmal die Gelegenheit zu haben, Fotos zu schießen. Vor der Brücke bog ich noch kurz zum alten Fährhafen ab, der bis zur Errichtung der Brücke sehr wichtig gewesen war. Heute finden sich dort nur noch einige kleine Boote, darunter die Fähre, die bei Außerdienststellung einfach auf den Strand hochgezogen worden war, um dort zu verrosten, sowie ein altes Pub mit Geschenkeladen.

Diesmal klappte es mit den Fotos einer beeindruckenden Landschaft!

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Auf dem Parkplatz vor der Brücke hielt ich kurz an, denn der ziemlich neue Territoriumsstein des MacKay Clans manifestierte die offensichtliche Verhaftung an endgültig Vergangenem.

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Es war erst gegen 15 Uhr, und so nutzte ich die Gelegenheit, auf der sehr gut ausgebauten Straße entlang des Loch Assynt zurück nach Lochinver zu fahren, um vielleicht doch noch das Assynt Visitor Centre zu besuchen. Diesmal fand ich es, und sah mir die gut gemachten Ausstellungen zu Geschichte, Wirtschaft und Tierwelt der Gegend an.

Dann wurde es Zeit nach Ullapool zurückzukehren. Einen Zwischenstopp beim Ardvreck Castle legte ich noch ein, um bei schönem Wetter Bilder aus der Nähe zu machen.

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Als ich zurückkam, fiel mir auf, dass der linke Seitenspiegel der NC deutlich nach innen geklappt war. Ein Mann eilte auf mich zu und erzählte mir, dass ein Mietwagen beim Ausparken gegen die NC gestoßen war und sie umgeworfen hatte. Danach wäre der Fahrer einfach weggefahren. Er hätte sich die Nummer gemerkt und wollte sie mir auf einen Zettel schreiben. Ich kramte ein Blatt hervor und er kritzelte die Daten darauf. Eine rasche Begutachtung des Motorrades zeigte, dass der Umfaller einige kleinere Dellen am Auspuff hinterlassen hatte. Der Sporn des Seitenständers hatte sich wohl beim zur-Seite-kippen unter der hinteren Stoßstange des Autos verfangen und war dabei stark nach unten gebogen worden. Rote Plastikteile auf dem Boden deuteten auf ein zerbrochenes Rücklicht des Autos hin. Alles in allem war die NC erstaunlich gut davongekommen. Probeweise startete ich den Motor – er lief absolut rund. Zumindest damit schien alles in Ordnung zu sein. Ich bedankte mich bei dem freundlichen Mitmenschen und begab mich auf den Weg nach Ullapool, wo ich umgehend die Polizeistation aufsuchte, um Meldung zu machen. Da keiner öffnete, fragte ich nebenan, wo ich denn den Police Officer finden könnte. Das wussten die leider auch nicht, aber ich erinnerte mich, dass ich gestern Abend einen Officer bei der Regelung des Verkehrs am Hafen gesehen hatte. Da es ungefähr die gleiche Zeit war, fuhr ich dorthin, und da stand er dann auch und dirigierte fachmännisch LKWs samt Anhänger auf die Fähre nach Stornoway. Ich hielt inmitten der Kreuzung an und fragte ihn, wo ich einen hit-and-run incident melden könne. Er bat mich zur Seite zu fahren, damit die Verladung der LKWs ohne Verzögerung weitergehen konnte und funkte umgehend seine Kollegen an, die gerade auf Streife waren. Danach wies er mich an, in einigen Minuten beim Posten zu sein, was ich auch machte.

Die Polizistin war überaus freundlich und korrekt. Sie schrieb ein fünfseitiges Protokoll per Hand und bat mich anschließend, die Versicherungspapiere von Perth Motorcycles aus dem Hotel vorbeizubringen, damit sie eine Fotokopie machen konnte. Die Prozedur dauerte knapp 90 Minuten, dann war das auch erledigt. Im Hotel angekommen, rief ich Perth Motorcycles an und gab die Meldung durch. Die einzige Frage die gestellt wurde war, ob die NC noch fahrtauglich sei. Da sie das uneingeschränkt war, sei der Schaden kein Thema bis zur Rückgabe des Motorrades, wo man sich das Ganze dann ansehen wolle. Ich hoffe zumindest, dass ich den Seitenständer nicht ersetzen muss, denn der müsste von den 375 Pfund bezahlt werden, die ich als Versicherungsselbstbehalt bei der Übernahme hinterlegen musste.

Und so ging ein schöner Tag etwas verschnupft zu Ende.

Zwei Bilder vom Caledonian Hotel möchte ich noch einstellen: Das erste zeigt den Stiegenaufgang mit schlecht verlegtem Tartanmuster – man muss ja seinem Hotelnamen gerecht werden; das zweite eröffnet Einsichten in das verrottete Fenster meines Zimmers. Ich frage mich, wie lange das schon nicht geöffnet worden war, denn einen derartigen Schaden kann man wohl nicht ignorieren! Aber vielleicht irre ich mich…

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