Tag 3 der Schottlandtour: Thurso – Ullapool (15. Juli 2013)

Tag 3

Die Nacht über hatte es geregnet, am Morgen war die Luft wunderbar klar und angenehm kühl – es zeichnete sich gutes Motorradwetter ab. Ein erster Blick aus dem Fenster fiel auf die soeben einlaufende Fähre zwischen den Orkney Inseln und Scrabster, dem kleinen Hafen bei Thurso, die täglich durch den gefährlichen Pentland Firth mit seinen heftigen Strömungen und unberechenbarem Wetter navigiert. Ein ausgiebiges Frühstück bereitete mich auf eine lange Tour vor, das Packen und Aufsatteln war schnell erledigt und los gings Richtung Durness. Ein großartiger Regenbogen hob sich von den Hügeln und Buchten ab; er sollte mich den Morgen über begleiten. Die Straße war teilweise noch feucht, ließ sich aber gut befahren – es blieb genügend Gelegenheit die einsame Umgebung zu bestaunen. Einzig der bisweilen heftig von der See her blasende Wind erwies sich als mühsam. Ab und zu tauchte eine Telefonzelle auf, die völlig verloren im Nirgendwo stehend Rückschlüsse auf vorhandene menschliche Anwesenheit zuließ. Auf einer Anhöhe kam mir ein in Regenumhänge gehülltes Paar aus England auf Fahrrädern heftig strampelnd entgegen. Sie erzählten mir, dass sie von Land’s End im Südwesten Englands aufgebrochen waren und bis John o’Groats im Nordosten Schottlands kommen wollten. Hut ab, kann man da nur sagen!

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Absolut beeindruckt war ich von den großartigen und einsamen Sandstränden, die sich oft unvermittelt hinter einer Straßenbiegung dem erstaunten Betrachter darboten: Strathy Bay, Armadale Bay, Farr Bay bei Bettyhill und die Mündung des River Naver, die sich mit einem traumhaften Regenbogen noch zusätzlich schmückte.

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Über die Brücke des Kyle of Tongue führte die Route zum Loch Eriboll, einer absolut einsamen, verlorenen und wunderbar gelegenen Meeresbucht. Eine zwischen großen Felsen eingebettete single track road führt um den Loch herum, vorbei an der Halbinsel Ard Neakie, auf der sich das verlassene Hafengebäude der bereits 1890 eingestellten Fähre befindet.

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Das Wetter hatte sich mittlerweile verschlechtert; Nieselregen setzte ein. Vereinzelt kamen mir Wohnmobile entgegen, und wir nutzten vorschriftsmäßig die Ausweichbuchten, um einander mit einer freundlichen Geste vorbeizulassen. Einzig ein netter Zeitgenosse aus Belgien war mit seinem schwarzen Audi wie auf einer Autobahn unterwegs und raste mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit die enge und kurvige Straße entlang. Ich sah ihn kommen, hielt an und hoffte mehr als ich erwartete, dass er die Ausweichbucht nutzen würde. Dem war aber nicht so, und der Luftzug des knapp zehn Zentimeter an mir vorbeifliegenden Autos brachte mich beinahe aus der Balance. Immerhin hatte ich damit gerechnet und war vorbereitet gewesen.

Knapp vor Durness bei Rispond und Sangobeg gab es nochmals herrliche Sandstrände.

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In meinem Tourbuch hatte ich die Smoo Cave als Sehenswürdigkeit markiert. Es handelt sich dabei um eine Höhle, die bereits vor 5000 Jahren bewohnt worden war. Am Parkplatz befand sich eine Toilette, die beim ‚Loo of the Year Award‘ immerhin drei Sterne erhalten hatte. Ich musste über diese britische Skurrilität schmunzeln.

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Der Regen war mittlerweile stärker geworden, und der Abstieg zur Höhle erwies sich als ziemlich rutschig. An einem verfallenen croft vorbei ging es zur erstaunlich großen Höhle, die u.a. einen unterirdischen Wasserfall aufweisen konnte. Geführte Schlauchboottouren, bei denen sich die Teilnehmer an verankerten Seilen entlangziehen konnten, wurden von sportlichen, jungen Leuten angeboten. Ich lief ein wenig in der Höhle umher, machte Fotos und stieg nach einer kurzen Pause wieder zur NC hoch.

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Durness erwies sich als kleiner, langgestreckter Ort, der nicht weiter ansprechend war. Ich bog nach Norden zur Balankeil Bay ab, da es sich dabei um einen der schönsten Sandstrände Schottlands handeln sollte. Ich wurde nicht enttäuscht und verweilte einige Zeit, wobei ich mir eine Pfeife stopfte und beim Rauschen des Meeres und gelegentlichem Pfeifen des Windes die Landschaft genoss.

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Das Wetter wurde nun zunehmend schlechter. Eine dichte Wolkendecke und zeitweiliger stärkerer Regen beeinträchtigten die Sicht und das Fahrverhalten der NC. Aber es waren gerade die Wolkenformationen und das diffuse Licht, die die karge Schönheit der Landschaft großartig zur Geltung brachten – diese Art Wetter gehört nun mal zu Schottland dazu.

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Beim Loch Inchard bog ich Richtung Kinlochbervie ab. Die Küstenorte leben nach wie vor von der Fischerei und in den Lochs werden Austern- und Lachszucht betrieben. Zahlreiche Schafe treiben sich ungehindert neben und auf den engen, kurvigen Straßen umher, sodass für den Fahrer ständige Aufmerksamkeit höchst angebracht erscheint. Aufgrund des Wetters und der noch vor mir liegenden längeren Strecke, kehrte ich in Kinlochbervie um, obwohl ich eigentlich vorgehabt hatte, die Sandstrände bei Oldshoremore zu besuchen. Vielleicht ergibt sich irgendwann nochmals die Gelegenheit das nachzuholen.

Ein paar Meilen vor Scourie folgte ich der singe track road nach Fanagmore und Tarbet. Abgesehen von zahlreichen Schafen, die mitten auf der Straße stehend in Seelenruhe den ankommenden Motorradfahrer begutachteten und dabei den brüchigen Asphalt mit ihren Hinterlassenschaften verzierten, einer sehr unwirschen Kuhherde, die äußerst missbilligend das rote Motorrad beäugte und erst dann bereit war den Weg freizumachen, als ich nach einigen Minuten Pause und der Klarstellung meinerseits, keinen Stier vor mir zu haben, wieder langsam anfuhr, und diversen Meeresbiologen, die sich von Tarbet auf die Insel Handa übersetzen ließen, war ich alleine unterwegs. Wer Einsamkeit sucht, wird hier fündig. Es war genau das Schottland, das der Lone Wolf Biker gesucht hatte!

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Nach dieser schönen Runde fuhr ich zügig Richtung Ullapool weiter und machte nur noch kurz beim Aussichtspunkt vor der Kylesku Brücke sowie beim Ardvreck Castle Halt.

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In Ullapool angekommen, checkte ich im Caledonian Hotel ein. Offensichtlich war 15 Uhr 45 zu früh, um sein Zimmer zu beziehen, denn ich wurde gebeten noch etwa 20 Minuten zu warten, während das Zimmer vorbereitet wurde. Das ließ sich bewerkstelligen. Ich parkte die NC hinter dem Hotel, deponierte meine Sachen bei der Rezeption und machte mich auf die Suche nach einem Pub, um etwas zu essen. Nach Bezug des Zimmers entspannte ich mich eine Weile, bevor ich die Hafenstraße entlangschlenderte. Zwei Bagpipers luden zum abendlichen Ceilidh, die Fischer deponierten ihren Fang im Kühlhaus beim Hafen, und ich bewunderte doch tatsächlich Palmen im hohen Norden. Dem Golfstrom sei Dank!

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Ein stimmungsvoller Sonnenuntergang – die Fotos wurden gegen 22 Uhr 10 gemacht – beendete diesen wirklich schönen Tag.

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