Tag 2 der Schottlandtour: Drumnadrochit – Thurso (14. Juli 2013)

Tag 2Nach einem umfangreichen schottischen Frühstück bestehend aus Rührei, Würstchen, Black Pudding, gebackenen Bohnen, gerösteten Champignons, Toastscheiben und diversem kontinentaleuropäischen Allerlei fuhr ich gegen 8:30 Uhr los Richtung Thurso. Die Strecke war anfangs unspektakulär und die Nähe von Inverness machte sich sowohl im verstärkten Verkehr als auch den dichteren Industrieansiedlungen bemerkbar. Nach Dingwall fuhr ich auf die A9, überquerte die Durnoch Firth Bridge, und wurde kurz danach von einem Schild „Scenic Coastal Road“ auf die Straße nach Dornoch und Embo gelockt, da ich nicht sehr erpicht darauf war, die nächsten Stunden auf einer Schnellstraße zu verbringen. Durnoch erwies sich als eine nette, alte Ortschaft ohne besondere Höhepunkte. Als ich jedoch auf die Nebenstraße Richtung Embo abbog, passierte das, was ich unbedingt vermeiden wollte: Ich geriet auf die rechte Straßenseite und wunderte mich kurz darauf, warum der Lieferwagen, der mir entgegen kam, partout nicht ausweichen wollte. Ein heftiger Linksschwenk brachte die NC zum Glück rechtzeitig auf die gesetzlich vorgeschriebene Straßenhälfte; mein Pulsschlag hatte sich dabei allerdings kurzfristig vervielfacht… Nach dem unerfreulichen Zwischenfall sah ich mich gezwungen eine kurze Pause einzulegen, um den Blutdruck wieder auf erträglichere Werte zu reduzieren – die Lust auf einen ungeplanten Ausflug auf Nebenstraßen war mir vergangen. Gleichzeitig erinnerte ich mich an den Verkehrshinweis samt den dazugehörigen Pfeilmarkierungen auf der Straße, die die vorausschauenden Briten für unbedarfte Kontinentaleuropäer beim Loch Ness Centre wohl nicht ohne Grund angebracht hatten!

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Über diverse vom Navi gefundene Schleichwege fand ich erneut die A9 und folgte ihr bis Helmsdale. Die Küstenstraße war schon deutlich interessanter als der vorherige Streckenabschnitt, denn sie erwies sich als erstaunlich hügelig mit diversen Kurven und netten Steigungen. Zwischendurch fand sich die eine oder andere Kirche, aber meistens waren die Siedlungen sehr klein und unauffällig entlang der Küste verstreut.

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Bei der Emigrants Statue in Helmsdale hielt ich inne. Sie wurde zur Erinnerung an die Highland Clearances im 19. Jahrhundert errichtet und zeigt eine Familie, die in eine neue, ungewisse Zukunft aufbricht, nachdem sie vom Landeigner aus ihrem einfachen Steinhaus, ihrem „croft“, vertrieben worden war. Dieses sehr dunkle Kapitel in der Geschichte Schottlands wirft auch noch heute lange Schatten.

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Helmsdale

Kurz nach Helmsdale fand sich folgendes Hinweisschild:

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Ich parkte die NC, klemmte mein Sicherheitsschloss an den Ortliebsack und marschierte los. Auf einem schmalen Pfad ging es zuerst einen mit Heidegras bewachsenen Hügel hoch und danach relativ steil bergab zu den Resten eins Dorfes, das von Vertriebenen gegründet worden war.

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Für die Menschen waren der tägliche Kampf ums Überleben auf dem überaus kargen Boden und die Sorge, dass ihre Kinder und Haustiere die hohen Klippen hinabstürzen könnten, nahezu unerträglich. Aber die Wirtschaftsinteressen der Landeigner hatten Vorrang vor eventuell vorhandenen Rechten der crofters.

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Auf einer der ausgestellten Schautafeln fand sich eine Erläuterung, warum Menschen gezwungen worden waren, an dieser exponierten Stelle ihr Leben zu fristen:

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Ich folgte der Straße nach Wick, wo mir beim Ortsende ein 24 Stunden geöffneter Tesco samt Tankstelle ins Auge viel. Ein kurzer Blick auf die Tankanzeige zeigte noch zwei Striche, genug also, um bis Thurso zu kommen. Schließlich gab es ja in John o’Groats und Castletown Tankstellen, falls der Sprit knapp werden sollte. In John o’Groats angekommen, fuhr ich von der Straße ab und stellte die NC vor der einzigen Zapfsäule des Ortes ab, um gleich darauf ein kleines Schild an der Tür des Ladens mit der Aufschrift ‚Closed Sundays’zu entdecken. Jetzt fing das Nachrechnen an: Der Duncansby Head und die Sehenswürdigkeiten Geo of Sclaites, Thirle Door und Stacks of Duncansby lagen zwei Meilen zu meiner Rechten, das Castle of Mey war sieben Meilen, Castletown 15, der Dunnet Head und Thurso 20 Meilen entfernt. Meine Tankanzeige blinkte schon seit geraumer Zeit, und so entschied ich mich, weiter Richtung Thurso zu fahren, da ich hoffte in Castletown bzw. am Zielort tanken zu können. Im besten Spritsparmodus rollte ich Richtung Westen und erreichte nach einiger Zeit Castletown mit seiner leider ebenfalls sonntags geschlossenen Tankstelle. Jetzt wurde es brenzlig. Die Tankerinnerung auf meinem Navi befand sich im mittleren einstelligen Bereich, und als ich schließlich Thurso und seine zum Glück geöffnete Tankstelle erreichte, war noch Sprit für 0,3 Meilen im Tank. Das war sich gerade noch mal ausgegangen! Nach einigem Herumfragen fand sich schließlich auch die Weigh Inn Lodge, wo ich ein nettes Zimmer zugewiesen bekam. Ich verstaute mein Gepäck und schwang mich wieder in den Sattel, um die verpassten Sehenswürdigkeiten aufzusuchen. Bei der Fahrt nach Thurso waren mir die grünen Dünen der Bucht von Castletown aufgefallen, und ich bog in die Harbour Road ab, um mich ein wenig an den Strand zu setzen, ein Pfeifchen zu schmauchen und mich an der Kulisse von Dünen, einsamem Sandstrand und den 100 Meter hohen Klippen des Dunnet Head, des nördlichsten Punktes von ‚Mainland Britain‘, zu erfreuen.

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Nach einer kurzen Pause zog es mich zum Dunnet Head. Bereits der Weg dorthin war großartig! Eine single-track road, schöne Kurven und spektakuläre Felsformationen in Meeresbuchten, die zum Greifen nah waren. In den Klippen nisteten zahlreiche Vögel, die mit lautem Geschrei ihre Kreise zogen. Jenseits des Pentland Firth war die Insel Hoy, die zweitgrößte Insel der Orkneys, gut zu sehen. Zwischendurch fing es an leicht zu nieseln, von größeren Regenmengen wurde ich allerdings verschont.

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Vom Dunnet Head fuhr ich zum Castle of Mey, dem Schloss der Queen Mum, das sie nach dem Tod ihres Mannes in den 1950ern erstand und umbauten ließ. Eine Busladung Highland Pipers in voller Montur lief auf dem Parkplatz und im Cafe herum, allerdings waren die Leute nicht aus Schottland sondern aus dem Südwesten der Bundesrepublik – es ist nicht überall Schottland drin, wo Schottland draufsteht! Leider war es nicht mehr möglich, das Schloss zu besichtigen, da mich die Tanktour nach Thurso zuviel Zeit gekostet hatte, aber einen kurzen Besuch des Schlossvorplatzes ließ ich mir nicht nehmen.

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Vom Castle of Mey fuhr ich zurück nach John o’Groats und zum Duncansby Head, parkte die NC zwischen Wohnmobilen aus der Schweiz und Italien und machte mich auf den Weg zur Geo of Sclaites, dem Thirle Door und den beeindruckenden Stacks of Duncansby.

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Auf der Rückfahrt nach Thurso besorgte ich mir bei McColl’s in Castletown Brot, Wurst, Käse und Bier für mein Abendessen, tankte nach Ankunft in Thurso die NC nochmals voll, quartierte mich häuslich im Zimmer ein, und sah mir nach einem Tag intensiver Eindrücke noch ein Europameisterschaftsspiel der deutschen Frauennationalmannschaft im Fernsehen an.

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