Tag 8 der Schottlandtour: Oban – Perth (20. Juli 2013)

BildDer letzte Tag der Schottlandtour war angebrochen. Beim Frühstück hatte ich noch ein nettes Gespräch mit den vier Belgiern aus Flandern, die insgesamt drei Wochen in Schottland unterwegs waren und die mit großem Interesse mein Tourbuch und danach die NC begutachteten. Ich beglich die Rechnung, packte den Ortliebsack auf die NC und machte mich auf den Weg zum naheliegenden McCaig’s Tower, von dem aus ich einen wunderbaren Blick auf Oban und die vorgelagerten Inseln hatte.

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Da ich gegen 16 Uhr bei Perth Motorcyles sein musste, um die NC rechtzeitig zurückzugeben, verzichtete ich auf die ursprünglich geplante Route über Lochgilphead und fuhr direkt nach Inveraray. Zügig kam ich auf der gut ausgebauten Straße voran und erreichte bald den Ort. Vor dem alten Gefängnis stellte ich die NC ab und schlenderte ein wenig an den Steinhäusern entlang zur Waterfront, an der zwei betagte Schiffe vertäut lagen.

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Beim Queren der alten Steinbrücke erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf das Inveraray Castle. Es kam mir erstaunlich bekannt vor, denn hier wurde das Christmas Special 2012 von Downton Abbey gedreht, in dem die Crawleys die befreundete Familie der MacClares besuchen. Wie die Folge endete ist den Downton Abbey Aficionados ja hinreichend bekannt…

Inveraray_Castle

Ich folgte der Old Military Road und erreichte bald den Loch Lomond, den ich bis zur Südspitze entlang fuhr, wobei ich mich fragte, wo denn plötzlich die Masse an Autos, die sich am Seeufer entlangwälzte, hergekommen war. Nach der Einsamkeit der Highlands erschien mir eine Ansammlung von mehr als drei Autos wie ein Verkehrsstau… Nun, Glasgow war gerademal 25 Meilen entfernt, und bei dem herrlichen Wochenendwetter schien die halbe Stadt die Gelegenheit zu nutzen, etwas frische Luft im Grünen zu schnuppern bzw. in einem der vielen Lochs zu baden – was für schwitzenden NC Fahrer in Motorradkluft absolut nachvollziehbar war.

In Balloch befand sich eine große Mall, das Gateway Centre, direkt am See. Ich parkte und marschierte bei dröhnender Technomusik vorbei an Designer Outlets und etlichen Leuten mit kleinen Kindern, die sich krampfhaft an Luftballons festklammerten, ans Ufer wo ich eine Runde drehte und gleich wieder abschob. Dieser geballte Kommerz war nichts für mich, und ich fühlte mich völlig fehl am Platz.

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Es wurde Zeit ein wenig Tempo zu machen. Durch den Loch Lomond und Trossachs National Park fuhr ich nach Aberfoyle, von dort durch den Strathyre Forest über den Duke’s Pass auf einer genialen Motorradstrecke mit Steigungen, vielen Kurven und Fernsichten zum Loch Achray, an dessen Nordufer das alte Tigh Mor Hotel in seiner ganzen viktorianischen Herrlichkeit thront.

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Ein Abstecher zum Lake Katrine musste schon alleine wegen Sir Walter Scott und seiner ‚Lady of the Lake‘ sein. Beim Pier hielt ich an, um ein wenig in die durch dieses Meisterwerk hervorgerufene und seit der Veröffentlichung im Jahr 1810 anhaltende Begeisterung für die Trossachs einzutauchen.

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Viel Zeit wollte ich nicht am Pier verbringen, sondern nur erste Eindrücke sammeln, da ich vorhabe, gemeinsam mit Beate nächste Woche mit dem Mietwagen hierherzukommen. Es gibt Fahrräder zu mieten, und ein Tagesausflug mit Rad oder Schiff wird sicher schön werden.

Etwas später folgte ich dem Ufer des Loch Lubnaig, an dessen Ufer zahlreiche Autos parkten, deren Insassen sich im Wasser vergnügten. Diese Ecke Schottlands ist ein wahres Eldorado für Familien!

In Lochearnhead am Westende des Loch Earn wurden die jährlichen Highlandgames abgehalten, was Parkplätze im Ort sehr rar und die mitten auf der Hauptstraße stehenden und herumfuchtelnden Platzanweiser sehr hektisch machte.

Der letzte Abschnitt nach Perth verlief unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass aufgrund der andauernden Hitzewelle in dieser Gegend ein stattlicher Baum an einer Haltebucht neben der Straße in meterhohen Flammen stand. Da hatte wohl wieder jemand trotz ständiger Warnungen der BBC einen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Kurz danach kam mir bereits ein Feuerwehrwagen mit heulenden Sirenen entgegen, um zu den Brand zu löschen.

In Perth tanke ich die NC nochmals voll und begab mich zu Perth Motorcyles. Die Inspektion ergab, dass der beim Ardvreck Castle entstandene Schaden – es waren zwei, drei kleinere Dellen am Auspuffblech sowie ein verbogener Sporn am Seitenständer – nicht groß genug war, um den Auspufftopf zu wechseln oder die Sache der Versicherung zu melden. Somit blieb der Zwischenfall für mich ohne finanzielle Konsequenzen, was ich erfreut zur Kenntnis nahm.

Ein Taxi brachte mich zurück zum Queens Hotel, und ich quartierte mich für die Nacht ein. Bei Dominos Pizza holte ich mir eine ebensolche, schnappte mir ein Bier im nahegelegenen Supermarkt, setzte mich in der Nähe des Hotels unter einen Baum und beendete bei diesem improvisierten Dinner meine Motorradtour durch Schottland.

Schön war es, anstrengend war es auch. Die Einsamkeit hat mir gut getan, und ich werde noch lange davon zehren. In dieser Woche habe ich knappe 2000 Kilometer zurückgelegt, eine erkleckliche Anzahl davon auf single track roads. Hier ist nochmals die Route in ihrer Gesamtheit:

Gesamttour

Morgen gehts mit der Bahn nach Edinburgh, wo ich ein Auto mieten werde, um dann Beate in St. Andrews abzuholen. Eine weitere Woche Schottland steht an mit Besuchen in Dundee, Glamis Castle, Dunnottar Castle, Aberdeen, Ballater, Balmoral, dem Cairngorms National Park, Nairn, Fort George, Inverness, dem Highland Folk Museum, Blair Atholl und Blair Castle, Pitlochry, Stirling und Edinburgh. Danach fliegen wir über Amsterdam zurück nach Wien. Ich freue mich sehr auf diese zweite Runde durch Schottland!

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Tag 7 der Schottlandtour: Isle of Mull und Iona (19. Juli 2013)

Tag 7Heute stand Ausflugsprogramm bei herrlichem Sommerwetter auf der Tagesordnung. Nach zuvorkommendem Service beim ausgezeichneten Frühstück in der Blair Villa, packte ich meinen kleinen Rucksack und ging zu Bowmans Tours, um mir die Tickets für die Fähre nach Craignure, den Bustransfer nach Fionnphort, die zweite Fähre nach Iona und das Ganze nochmals zurück zu besorgen. Die Wartehalle der Caledonian MacBrayne Anlegestelle war gestopft voll mit Touristen, die die Zwei-Insel-Tour Mull/Iona bzw. die Drei-Insel-Tour Mull/Iona/Staffa – letztere, um Fingal’s Cave zu besuchen – gebucht hatten. Nach Betreten der Fähre ging ich ans Oberdeck und setzte mich in die Nähe der Reiling, um gute Sicht für Fotos zu haben.

Die Abfahrt erfolgte gegen 9:40. Der Hafen glitt langsam an uns vorbei, und es eröffneten sich sehr schöne Ansichten auf eine beeindruckende Landschaft.

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Kurz vor Craignure passierte die Fähre das Lismore Lighthouse auf der Insel Eilean Musdile, den Duart Point mit dem William Black Memorial Tower und das Duart Castle, den Clansitz der Macleans.

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Am Anlegeplatz der Fähre warteten Reihen von Bussen auf die Touristenmassen, die soeben an Land gegangen waren. Das Ganze erinnerte mich allzusehr an meine längst vergangene Studententätigkeit als Reiseleiter auf diversen Kreuzfahrtschiffen, und ich war sehr froh, mich einfach ohne ein Mikrofon nehmen zu müssen in einen Bus setzen zu können, und mir vom Fahrer, der als Alleinunterhalter fungierte, die Schönheiten der Isle of Mull näherbringen zu lassen.

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Die Insel ist sehr hügelig, sehr grün und sehr einsam. Wenn man bedenkt, dass gerade mal vor 190 Jahren in den 1820ern die ersten kutschentauglichen Straßen von Thomas Telford gebaut wurden, dann fragt man sich, wie die Leute hier früher ihr Leben fristeten und Waren austauschten. Teile des ursprünglichen Trassenverlaufes mit kleinen Steinbrücken über Rinnsale und Bäche waren neben der modernen single track road noch gut zu erkennen, teilweise überschnitten sie sich. Es war erstaunlich zu sehen, dass die alten Steinbrücken, die ursprünglich für Kutschen ausgelegt worden waren, auch noch heutigen Reisebussen standhielten.

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In Fionnphort am westlichsten Ende der Isle of Mull angekommen, hieß es aussteigen und gleich darauf wieder anstellen, um auf die Überfahrt nach Iona zu warten. Die Fähre hatte gerade an der anderen Seite der Meerenge in Iona angelegt, und das ermöglichte es, sich den Strand etwas genauer anzusehen, der aus feinstem Sand und fast karibischblauem Wasser bestand.

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Auf die Fähre passten gerade mal ein paar Autos und vielleicht 80 Leute. Ich konnte auf der nur zehn Minuten dauernden Überfahrt den gesamten Ostteil der kleinen, kargen Insel samt prominent hervorragendem Kloster überblicken.

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Kaum angekommen, stapfte ich los, um möglichst vor den Massen beim Kloster zu sein. Ich eilte an den paar Häusern am Hafen entlang, danach über einen Trampelpfad quer über eine Wiese und erreichte bald einen Holzzaun unterhalb der Kirche. Kein Mensch war zu sehen, und ich wunderte mich, wo denn all die Touristen geblieben waren, denn es war mir niemand gefolgt. Die Verwunderung löste sich rasch als mir klar wurde, dass ich nicht den üblichen Weg zum Kloster genommen hatte, der an der Besucherschranke samt Ticketausgabe endete und den alle anderen gegangen waren.

Ich wanderte auf dem geschichtsträchtigen Platz umher und las immer wieder in meinem eigens zusammengestellten Tourbuch Details über Menschen, Gebäude und historische Zusammenhänge nach, um die jahrhundertelange religiöse und politische Bedeutung von Iona besser zu erfassen. Zahlreiche Fotos entstanden, von denen hier eine Auswahl zu sehen ist.

Kloster, keltische Kreuze und ein Teil der Kultstraße zum Relig Odhráin, dem seit dem sechsten Jahrhundert bestehenden Friedhof:

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Die winzige Begräbniskapelle von St. Kolumban, in der sich zwei mittels Klapptüren im Holzboden zugängliche Steinsarkophage befinden:

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Das Innere der wiederaufgebauten Klosterkirche, die als örtliche Pfarrkirche fungiert:

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Der erst im 20. Jahrhundert gebaute und an die Kirche anschließende Kreuzgang:

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Die St. Oran’s Chapel, das älteste Gebäude auf der Insel (erbaut um 1150), umgeben vom Friedhof Relig Odhráin, auf dem im Laufe der Jahrhunderte neben vielen anderen 48 schottische, acht norwegische und vier irische Könige beerdigt worden waren:

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Die Reste der Augustinian Nunnery aus dem frühen 13. Jahrhundert:

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Ein paar weitere Eindrücke von Iona:

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Ich fuhr gegen 14:30 Uhr mit der Fähre zurück nach Fionnphort, um mir noch das Columba Centre mit seinen Ausstellungen zu Iona anzusehen, es war aber leider geschlossen. Da noch ein wenig Zeit bis zur Abfahrt des Busses war, ging ich an den schönen Strand und erfreute mich an der Landschaft.

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Die Busfahrt zurück nach Craignure zog sich ziemlich dahin, und ich war froh, nicht selbst fahren zu müssen. Die Anstrengung hätte mir wahrscheinlich single track roads auf Dauer vergällt! Beeindruckend war die Einsamkeit mancher Gehöfte, die sich verloren an grandiose Bergwände anschmiegten und wohl ausschließlich der Schafzucht dienten.

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An der Anlegestelle von Craignure setzte ich mich in den Schatten eines Hauses, da mir die Sonne ziemlich zusetzte. Sonnenschutzmittel hatte nicht auf meiner Prioritätenliste für Schottland gestanden, und so machte sich ein ordentlicher Sonnenbrand im Gesicht, dem Nacken und an den Unterarmen bemerkbar. Die Rückfahrt nach Oban war angenehm, da der Seewind Kühlung spendete, aber mir war klar, dass der Tag nicht ohne Spuren vorbeigehen würde.

Das Duart Castle thronte beeindruckend auf seinem Felsen, und als etwas später die schöne Hafeneinfahrt von Oban ins Blickfeld rückte, war das ein erhebender Anblick.

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Nach der Ankunft ging ich zum Quartier und cremte mir die verbrannten Stellen dick ein in der Hoffnung, den Sonnenbrand etwas zu mildern. Das wird wohl nicht wirklich von Erfolg gekrönt sein, aber was soll’s. Der Tag war voller guter Eindrücke gewesen, jetzt gibt es noch ein gutes Abendessen in einem alten Pub namens The Lorne, und danach wird der Ortliebsack für die morgige, finale Strecke der Schottlandtour nach Perth gepackt, damit ich gleich nach dem Frühstück losfahren kann.

Tag 6 der Schottlandtour: Balmacara – Oban (18. Juli 2013)

Tag 6

Als ich heute morgen aufstand und meine Motorradsachen begutachtete, konnte ich feststellen, dass bis auf die noch leicht feuchten Handschuhe alles andere gut getrocknet worden war. Mein Dank galt dem Hotelmanagement, das in weiser Voraussicht auch im Juli die Wärmepumpe der Heizung in Betrieb hatte! Nach dem wie immer opulenten Frühstück – langsam kann ich die fetten Würstchen nicht mehr sehen – packte ich zusammen und fuhr nach Kyle of Lochalsh, dem letzten Ort vor der Skye Bridge, um zu tanken. Da ich schon mal hier war, nahm ich die Gelegenheit wahr und querte die berühmte Brücke, drehte sofort im dahinterliegenden Kreisverkehr wieder um und machte mich auf den Weg zum wohl bekanntesten Wahrzeichen Schottlands, dem Eilean Donan Castle. Das Wetter war einigermaßen frisch bei dunklen Wolken, aber nach dem gestrigen Abenteuer war ich heilfroh, dass es nicht wieder regnete. Bei der Burg war wie zu erwarten einiges los. Meine NC stand etwas verloren zwischen Mietwagen, Reisebussen und Wohnmobilen aus ganz Europa, die sich auf dem großen Parkplatz tummelten. Doch da fiel mir eine Triumph Tiger 800 auf, die soeben einparkte. Als alter Fahrer dieser Marke musste ich natürlich vorbeistiefeln und hallo sagen. Die Fahrerin, Kate, war auf ihrer ersten größeren Tour durch Schottland, und als ich ihr sagte, dass ich gerade den Norden durchquert hatte, wollte sie wissen, was sie sich ansehen sollte. Also packte ich meinen Fotoapparat aus und zeigte ihr einige der schönen Strände, Landschaften und Sehenswürdigkeiten, die sie auf ihrer Karte markierte. Nach einem kurzen Plausch kaufte ich meine Eintrittskarte und besichtigte die Burg, die erst in den 1920-30ern wieder aufgebaut worden war, nachdem die Engländer sie 1719 in die Luft gejagt hatten.

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Die Besichtigung dauerte länger als erwartet, und ich trat meine Weiterfahrt erst gegen 11 Uhr an, was bei der geplanten vor mir liegenden Strecke bis Oban reichlich spät war. Die Straße war jedoch sehr gut ausgebaut, und so kam ich trotz relativ starkem Verkehr gut voran. Beim Gefechtsfeld von Glen Shiel hielt ich kurz an. Hier hatten die Regierungstruppen, die zuvor Eilean Donan zerstört hatten, die Jakobiten und die sie unterstützenden Spanier eingeholt und zum Kampf gestellt. Der Battle of Glen Shiel vom 10. Juni 1719 beendete diesen Aufstand, da sich die Jakobiten zurückzogen und die Spanier sich ergaben. Dann herrschte einigermaßen Ruhe bis 1745. Ein historischer Abriss zu den Jakobiten und ihren Bestrebungen, den schottischen Thron wiederzugewinnen findet sich hier.

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Um Zeit aufzuholen, fuhr ich nicht wie geplant über Invermoriston und Fort Augustus, sondern kürzte die Strecke ab, indem ich die Route Loch Garry und Invergarry Richtung Fort William nahm. Beim Commando Memorial in der Nähe von Spean Bridge hielt ich erneut an. Es wurde zum Andenken an die britischen Elitetruppen des 2. Weltkrieges in der Nähe ihres Ausbildungszentrums errichtet. Ein „Garten der Erinnerung“ für u.a. in Afghanistan gefallene Soldaten macht die Tragik des Krieges und den Schmerz der Hinterbliebenen sehr deutlich. Viele ehemalige Elitesoldaten lassen nach ihrem Tod ihre Asche an dieser Stelle verstreuen, um ihren alten Kameraden nahe zu sein.

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Bei der Ben Nevis Distillery in Fort William querte ich den River Lochy und fuhr die 15 Meilen nach Glenfinnan am Loch Schiel. Hier war Bonnie Prince Charlie im Jahre 1745 gelandet, um zu versuchen, seinen Anspruch auf die Kronen Schottlands und Englands durchzusetzen. Dieser letzte Jakobitenaufstand endete am 16. April 1746 auf dem Schlachtfeld von Culloden Moor, das ich am ersten Tag der Schottlandtour besucht hatte.

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Die Strecke, der ich nach einem längeren Aufenthalt nun folgte, war gut ausgebaut und landschaftlich sehr ansprechend. Sie führte zuerst am Loch Eilt entlang, bevor sie am Loch Eilort zur Küstenstraße wurde, die auf dem schmalen Streifen zwischen Meer und teils schroffen Felswänden verlief.

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Kurz nachdem die Straße wieder landeinwärts führte, wurde sie zur single track road, die mich für mehrere Stunden begleiten würde. In Salen gabelte sich die Strecke. Nach rechts ging es über Kilchoan nach Sanna zu einem der schönsten Strände Schottlands sowie zum Leuchtturm am Ardnamurchan Point, der als „mainland Great Britain’s westernmost point“ gilt, geradeaus führte die Route über Strontian nach Corran, wo der Loch Linnhe mittels Fähre zu queren ist. An der Kreuzung standen zwei Motorradfahrer aus Deutschland, von denen einer ziemlich erledigt über dem Lenker hing und heftig den Kopf schüttelte. Eine gewisse Vorahnung befiel mich ob der zu erwartenden Strecke, und ich zögerte einen Augenblick lang abzubiegen. Doch dann dachte ich mir: „Wenn Du schon den nördlichsten Punkt bei Dunnet Head besucht hast, kannst Du den westlichsten ebenfalls sehen!“ Dann fuhr ich los. Auch hier war die Landschaft sehr schön. Eine äußerst kurvige single track road führte durch Wälder und kleine Dörfer teilweise direkt am Meer entlang; die Wolkendecke war mittlerweile aufgerissen und die Sonne tauchte die Meeresbuchten in warmes Licht. Doch die hügelige Strecke schien kein Ende nehmen zu wollen. Nach dem sehr anstrengenden Tag gestern und den vielen Meilen, die heute bereits hinter mir lagen, fühlte ich mich ziemlich gerädert. Eine unübersichtliche Kurve folgte der nächsten, und hinter jeder konnte ein unvorsichtiger LKW oder PKW Fahrer auf Kollisionskurs sein. Einige Male musste ich scharf abbremsen und Zuflucht in einer Ausweichbucht nehmen, da urplötzlich die enge Straße komplett durch ein entgegenkommendes Fahrzeug versperrt war, das mit unverhältnismäßiger Geschwindigkeit unterwegs war. Das strengte sehr an, und langsam bekam ich genug von single track roads…

Auf der kleinen Halbinsel Ardslignish musste ich eine kurze Pause einlegen. Die Fotos zeigen den Loch Sunart, einen Teil des Sound of Mull, mit Blick auf Isle of Mull. Die andauernde Konzentration, die bisher zurückgelegte Distanz und die plötzliche Wärme führten zu starker Müdigkeit, die ich in Anbetracht der weiteren Strecke möglichst rasch wieder loswerden musste. Der Gedanke, die etlichen Meilen single track road bis Salen wieder zurückfahren zu müssen, war eher unerfreulich.

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Dieses Unbehagen wurde schließlich so stark, dass ich beim Loch Mudle den Ausflug nach Sanna und zum Leuchtturm am Ardnamurchan Point abbrach und umkehrte. Vielleicht kann ich das ja ein anderes Mal nachholen!  Für heute war es definitiv zu viel für mich.

Die sinlge track road zog sich noch bis nach Strontian, erst danach wurde die Straße zweispurig. Sie führte durch ein so einsames Tal zwischen Bergen hindurch, dass ich nach einiger Zeit bei der Kreuzung nach Kingairloch anhielt und meine Karte zu Rate zog, da ich den Eindruck hatte, mein Navi hätte mich falsch geleitet. Ich hatte schon seit längerer Zeit erwartet auf den Loch Linnhe zu stoßen, aber der war weit und breit nicht in Sicht. Der eine Wegweiser zeigte zurück nach Strontian, der andere vorwärts nach Ardgour, das ich vergeblich auf meiner Karte suchte. Das erschien mir etwas seltsam zu sein. In Ermangelung von Optionen fuhr ich weiter und siehe da, bald danach tauchte ein Loch und ein paar Meilen weiter der Leuchtturm auf, der sich kurz vor dem Anlegeplatz der Corran Fähre befindet. Diese war gerade im Begriff anzulegen. Mir wurde ein Platz angewiesen, und ich wartete darauf, dass jemand kam, um die Bezahlung entgegenzunehmen, aber dem war nicht so. Auch gut!

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Am anderen Ufer angekommen, wollte ich nur noch möglichst rasch nach Oban. Die Umfahrung des kleinen Loch Leven schenkte ich mir, ebenso den Besuch von Glencoe samt Massaker vom 13. Februar 1692. Der Verkehr hatte stark zugenommen, zwischenzeitlich stand ich sogar im Stau, da größere Landwirtschaftsmaschinen auf der Straße unterwegs waren, die in Abschnitten von der Polizei gesperrt wurde. Kurz vor Oban tankte ich und erreichte schließlich mein Quartier für die beiden nächsten Nächte, Blair Villa in der Rockfield Road. Vor dem Haus standen bereits vier Motorräder mit belgischem Kennzeichen. Ein fünftes war da ganz gut aufgehoben!

Mir wurde mein Zimmer mit Blick auf den Hafen zugewiesen, und ich schmiss mich erstmal für eine Stunde aufs Bett, sehr froh darüber, gut angekommen zu sein.

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Als sich der Hunger meldete, ging ich an den Hafen, um mich über die Fährtickets nach Craignure auf der Isle of Mull zu informieren. Der Schalter der Caledonian MacBrayne war aber bereits geschlossen, und so spazierte ich ein wenig den Pier und die Hafenstraße entlang, um ein Restaurant zu finden. Die Stimmung war herrlich. Obwohl die Sonne schien, zog plötzlich eine Nebelbank in den Hafen und hüllte die alten Segelschiffe, die dort vor Anker lagen, in diffuses Licht. Ich fand ein kleines Lokal im ersten Stock eines Hauses direkt am Hafen und nahm als einziger Gast am Fenster Platz. Eines der Segelschiffe hatte soeben abgelegt und strebte aufs offene Meer hinaus, die Möwen kreischten, der würzige Geruch der See war allgegenwärtig – es war großartig! Einzig das Premium Bitter namens „Terror Of Tobermory“, welches ich zu meinen Macaroni and Cheese zu mir nahm, entsprach nicht den Erwartungen, die sein Name suggerierte.

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Ich hatte für den morgigen Tag vorgehabt, mit der Fähre nach Craignure und dann mit der NC die single track road nach Fionnphort zur Fähre nach Iona zu fahren. Nach dem Besuch der alten Pilgerstätten wollte ich noch die gesamte Insel umrunden und mich am späten Nachmittag wieder in Craignure einschiffen. Nach meiner Überdosis single track roads der letzten Tage brauche ich aber eine Pause. Ich werde mir morgen früh um 8:30 Uhr bei Bowmans Tours ein Ticket für eine Bustour nach Mull und Iona besorgen und die NC einen Tag lang stehenlassen. Das wird mir gut tun.

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Tag 5 der Schottlandtour: Ullapool – Balmacara (17. Juli 2013)

Tag 5

Der heutige Tag sollte eigentlich ein richtiges Highlight der gesamten Tour werden, doch das Wetter spielte leider die meiste Zeit über nicht mit. Ich brach gegen 8:30 Uhr von Ullapool auf und fuhr bei leichtem Nieselregen zur Corrieshalloch Gorge, die zwar nur zehn Meter breit aber über 60 Meter tief ist. Vom Parkplatz aus führte ein schmaler Weg zur Hängebrücke, die die unerfreuliche Tendenz hatte, bei der Querung ziemlich zu schwanken. Aus diesem Grund dürfen sich nicht mehr als sechs Personen gleichzeitig auf der Brücke befinden. Sie quert die Schlucht über den 46 Meter tiefen Falls of Measach. Ich muss gestehen, dass es mich ein wenig Überwindung kostete, über die schwankende Brücke zu spazieren und an das Geländer zu treten, um Fotos zu machen. Am anderen Rand der Schlucht konnte man nach ein paar hundert Metern eine Aussichtskanzel betreten, von der aus Brücke, Wasserfall und Schlucht besonders schön zu sehen waren.

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Beim Rückweg zum Parkplatz wurde der Regen stärker, aber da sich die letzten Tage über bei ähnlichem Wetter meine Kluft als wasserdicht erwiesen hatte, schlüpfte ich nicht in meine Regenklamotten, sondern vertraute auf die Werksangaben zu meiner neuen Ausrüstung. Wie sich bald herausstellen sollte, war das ein Fehler…

Als ich an der Gruinard Bay vorbeikam, bot sich mir erneut der unerwartete Anblick eines grandiosen und absolut menschenleeren Sandstrandes, den man so nicht unbedingt in Schottland vermuten würde.

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Kurz vor Poolewe machte ich beim Inverewe Garden Halt und ging in das Besucherzentrum, um mich ein wenig über den Garten und seine Geschichte zu informieren. Bei schönem Wetter ist er mit Sicherheit einen längeren Aufenthalt wert, seine Schönheit erschloss sich mir heute leider nicht wirklich.

Ein paar Meilen südlich von Gairloch bog ich auf die single track road Richtung Redpoint, einem weiteren großartigen Sandstrand, ab, kehrte aber bereits bei Badachro wieder um, da ich zum einen schon etliche Strände gesehen hatte und zum anderen lieber mehr Zeit auf der Halbinsel Applecross verbringen wollte. Es nieselte weiterhin, aber zwischendurch schien es, als ob die Wolken in Kürze aufreißen wollten, um die Sonne durchzulassen, und dies hielt mich davon ab, meine Regenkluft anzuziehen.

Die gut ausgebaute, zweispurige Straße folgte dem Südufer des Loch Maree bis zur Abzweigung nach Torridon. Kurz vor Ende des Lochs, hielt ich auf einem Parkplatz direkt am Ufer an und vertrat mir die Beine. Von hier aus führten etliche Wege auf den Beinn Eighe und die umliegenden Hügel, ein Umstand, der von zahlreichen Wanderern genutzt wurde – es herrschte reges Treiben. Eine Tafel beschrieb, dass eine Insel im Loch im späten siebenten Jahrhundert zeitweilig von Máel Ruba, einem irischen Mönch, bewohnt worden war, der in der Bevölkerung höchstes Ansehen genoss. Die den See umgebenden alten Eichenwälder waren zweimal komplett abgeholzt worden, einmal im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts als Baumaterial für englische Segelschiffe, das zweite Mal nach erfolgter, langwieriger Wiederaufforstung, um Munitionskisten für die britische Armee im 2. Weltkrieg zu erzeugen. Es wird noch etwa 80 Jahre dauern, bis sich die Wälder wieder erholt haben werden.

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Ich folgte der single track road nach Torridon, die sich entlang eines Baches entlangschlängelte. Links und rechts erhoben sich kleinere Berge, deren Spitzen ich leider nur erahnen konnte, da eine dichte, tiefliegende Wolkendecke die Sicht einschränkte. Es gab kaum Verkehr, und ich hatte den Eindruck, wie durch einen sehr breiten Tunnel zu fahren – ein seltsames aber doch gleichzeitig interessantes Gefühl.

Die Applecross Peninsula wurde meinen Erwartungen gerecht: Eine single track road durch praktisch menschenleeres Gebiet, grandiose Fernsichten, anspruchsvolle Steigungen und Kurven auf schlechtem Asphalt und wieder einmal ein toller Sandstrand kurz vor Applecross, kurzum, es wäre eine tolle Fahrt geworden, wenn da nicht der Regen und meine mittlerweile klatschnasse Ausrüstung gewesen wäre. Der Wind blies zeitweilig heftig von der See, und meine vom kalten Wasser aufgeweichten und klammen Finger, die in offiziell wasserdichten Handschuhen steckten, mühten sich redlich ab, den Lenker festzuhalten. Wie vermisste ich die Griffheizung an meiner eigenen NC!  Die zwölf Grad Lufttemperatur taten ihr Übriges dazu, nicht wirklich Freude aufkommen zu lassen.

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Ich prügelte mich die 24 Meilen bis Applecross durch, hielt vor dem örtlichen Gasthof, stopfte meine nassen Handschuhe in Hohlräume zwischen Rahmen und Motor in der Hoffnung, sie dadurch etwas anzutrocknen und verzog mich ins Warme. Im Applecross Inn war die Hölle los. Fast schien es, als ob sich der halbe Ort samt Busladungen von Touristen darin versammelt hätten und alle gleichzeit etwas zu Essen haben wollten. Erstaunlicherweise kam meines recht rasch, und nach der erfolgten Stärkung sah die Welt da draußen schon wieder etwas freundlicher aus.

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Meine Handschuhe waren tatsächlich trockener als vorhin, was man von Jacke, Hose und Stiefeln leider nicht behaupten konnte. Und ich hatte noch den Bealach na Ba, den Rinderpass, auf der – wie es heißt – „possibly Scotland’s most challenging and highest road“ vor mir!

Und hier fing das Abenteuer erst so richtig an! Kaum war ich auf der engen, single track Passstraße unterwegs, wurden die Wolken so dicht, dass die Sichtweite weniger als fünf Meter betrug und ich mich wie in feuchte Watte gehüllt entlang der weißen Begrenzungslinie der an den Seiten unbefestigten Bergstraße entlangtastete. Die Popularität des Passes zeigte sich an der raschen Abfolge entgegenkommender Wohnmobile, die die komplette Breite der Straße einnehmend im Schneckentempo vorankrochen. Ich stellte das Fernlicht an in der Hoffnung, dadurch früher gesehen zu werden, und wagte mich – immer die nächste Ausweichbucht mehr erahnend als sehend – mit voller Konzentration vorwärts. Nach einer gefühlten Ewigkeit schien sich die Straße langsam abzusenken, und die Sicht wurde etwas klarer. In der Ferne konnte ich den Loch Carron sehen, den ich umrunden musste, bevor ich mein Tagesziel Balmacara erreichte. Aber bis dahin waren es noch etliche Meilen auf ein- und zweispurigen Straßenabschnitten durch hügelige, bewaldete Landschaften. Wärmer wurde es leider nicht mehr, und so kam ich ziemlich durchfroren, nass und müde in Balmacara an.

Ich checkte in Hotel ein und verschwand im Zimmer, wo ich mich aus den nassen Klamotten schälte. Die Handschuhe wand ich aus und platzierte sie auf dem Heizkörper des Badezimmers, den ich voll aufdrehte. Die „wasserdichte“ Innenjacke und -hose wurden auf Bügel gespannt und an die Schranktüren gehängt, die Jacke schlang ich um den auf Hochtouren laufenden Heizkörper im Zimmer, meine Stiefel klemmte ich darunter, und die Hose tropfte fortan stetig in der Dusche vor sich hin.

Nachdem ich meine Motorradsachen bestmöglich versorgt hatte, kramte ich im Ortliebsack nach trockenen Kleidern. Ich kann nur sagen: Ortlieb ist absolut Trumpf! Alles war trocken!

Direkt neben dem Hotel befand sich ein kleiner Supermarkt, in dem ich mir mein Abendessen und ein gutes Bier besorgte. Vom Parkplatz gegenüber konnte ich einige Fotos machen, darunter eines von der fünf Meilen entfernten Brücke auf die Isle of Skye. Die drei Bilder vom Loch Alsh wurden innerhalb weniger Minuten gemacht, und man kann gut sehen, wie rasch sich die Lichtverhältnisse änderten.

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Und zu guter Letzt ein Foto vom Hotel vor einer Wolkenwand wie derjenigen, die ich am Bealach na Ba durchfahren durfte. Das bedarf keiner weiteren Worte, denke ich…

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Nun hoffe ich, dass meine Motorradsachen bis morgen Früh einigermaßen trocken sein werden. Die Heizkörper laufen jedenfalls auf Hochtouren, und ich muss dringend in die Horizontale.

Tag 4 der Schottlandtour: Coigach und Assynt Tour (16. Juli 2013)

Tag 4

Nach einem erneut sehr ausgiebigen Frühstück brach ich Richtung Norden zur Coigach und Assynt Tour auf, die von der Webseite ‚Undiscovered Scotland‘ besonders hervorgehoben worden war. Das erste, gut ausgebaute Teilstück war noch von gestern bekannt, nach der Abzweigung Richtung Reiff und Achitilbuie verengte sich die Straße zu einer single track road, die sich zwischen Lochs und von tiefliegenden Wolken verhangenen Bergen durch beeindruckende Szenerie wand. Immer wieder hielt ich an und erfreute mich an den Eindrücken, die sich mir darboten. Häufig lagen Schafe auf der Straße bzw. direkt daneben und Achtsamkeit war geboten, denn besonders die jungen, unerfahrenen unter ihnen neigten dazu, unvermittelt hochzuspringen und über die Straße zu laufen. Es entstanden zahlreiche Fotos, von denen einige hier zu sehen sind.

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Nach dem Loch Osgaig entdeckte ich aus der Ferne einen wunderbaren Sandstrand, Achnahaird Beach, den ich unbedingt aufsuchen wollte, wenn auch die Straße dahin ziemlich abenteuerlich war. Hinter dem Sandstreifen und geschützt vor den Winden durch höhere Steinformationen, stand ein kleines Zelt verloren in großartiger Natur. Im outdoorfreundlichen Schottland darf man überall campen, vorausgesetzt, man hinterlässt den Ort unbeeinträchtigt. Das wäre eine zeitweilige Alternative zu den Bed and Breakfast Unterkünften beim nächsten Mal! Leider war nicht alles so friedlich wie es den Anschein hatte, denn das in der Nähe des kleinen Parkplatzes angebrachte Poster mit dem Bild eines gerissenen Schafes und der martialischen Ankündigung, dass jeder freilaufende Hund sofort erschossen werden würde, war deutlich genug.

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Die Orte Reiff, Altandhu und anschließend Achitilbuie bestanden lediglich aus einigen Häusern die, wie es schien, vor allem sich selbstversorgenden Touristen als Unterkunft dienten. Der Blick auf die Summer Isles war allerdings bemerkenswert.

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Der nächste größere Ort auf meiner Route war Lochinver. Eine kurvige single track road führte nach Querung eines Höhenzuges mit Blick auf die sich nun nahezu wolkenfrei präsentierenden Berge in tiefere und geschütztere Gefilde, in denen neben Schafzucht auch etwas Landwirtschaft zu finden war. Dichterer Baumbestand entlang von Bächen vermittelte einen lieblicheren Eindruck als die zuvor erlebte Kargheit.

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An einem besonders schönen Platz machte ich Rast, setzte mich auf einen Stein und genoß bei einem Mittagessen bestehend aus halbseitig mit Schokolade überzogenen Keksen und Mineralwasser die wunderschöne Aussicht. Wie man sehen kann, hatte sich das Wetter deutlich gebessert, was einen tollen Nachmittag verhieß.

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In Lochinver wollte ich das Assynt Visitor Centre besuchen, aber ehe ich mich versah, hatte ich den Ort schon wieder verlassen. Der kleine Hafen, die Tankstelle und einige Pubs und Kirchen waren mir aufgefallen, das eigentliche Ziel hatte ich leider verpasst. Kurz nach dem Ort verwies ein Schild auf den Sandstrand von Achmelvich, der knappe zwei Meilen entfernt lag. Den wollte ich mir nicht entgehen lassen, bog ab, und landete bald darauf an einem recht belebten Parkplatz, der von Mobile Homes gesäumt war. Etwas weiter dahinter befanden sich eine Jugendherberge und der von kleinen Dünen und Felsformationen begrenzte Strand. Wieder einmal war ich auf ein wahres Schmuckstück der Natur gestoßen, das ich in dieser Form nicht in Schottland vermutet hätte!

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Nach einem kurzen Aufenthalt am Strand kehrte ich zur Hauptstraße zurück und machte mich auf den Weg Richtung Halbinsel Stoer, an derem nördlichen Ende ein bekannter Leuchtturm steht. Die single track road wand sich durch recht verlassene Gegend mit wenigen, teils verfallenen Häusern, wobei letztere häufig als Schafställe dienten. Hinter einer Kurve waren zwei Reiter unterwegs, einer bat mich durch Handzeichen, langsam vorbeizufahren, um ein Scheuen des zweiten Pferdes zu verhindern. Ich schlich bei möglichst niedriger Drehzahl an den beiden vorbei, was mit einem erleichterten Lächeln quittiert wurde. Die Straße führte den Klippen folgend zum Leuchtturm. Er schien am Ende der Welt zu stehen. Der Wind pfiff gewaltig und man mochte sich nicht die Abgeschiedenheit des Leuchtturmwärters und seiner Familie vorstellen, die dort monatelang sich selbst überlassen waren.

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Bei der Rückfahrt zur Straße Richtung Kylesku kam ich erneut an den beiden Reitern vorbei, die mich schon von ferne herzlich grüßten.

Die single track road, der ich nun folgte, war schlichtweg großartig zu fahren. Es herrschte kaum Verkehr, die Sonne schien, die Landschaft war grandios und die Anzahl der Schafe auf der Straße hielt sich erstaunlicherweise in Grenzen. In Drumbeg hielt ich bei einem Aussichtspunkt an und blickte auf eine herrliche Bucht hinab, bevor ich den Rest des Weges am 808 Meter hohen, hufeisenförmigen Quinag entlang zur Hauptstraße weiterfuhr.

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Als ich Kylesku erreichte, beschloss ich, nochmals über die Brücke zum höher gelegenen Aussichtspunkt nördlich davon zu fahren, da gestern das Wetter keine Fernsichten erlaubt hatte, und ich hoffte, diesmal die Gelegenheit zu haben, Fotos zu schießen. Vor der Brücke bog ich noch kurz zum alten Fährhafen ab, der bis zur Errichtung der Brücke sehr wichtig gewesen war. Heute finden sich dort nur noch einige kleine Boote, darunter die Fähre, die bei Außerdienststellung einfach auf den Strand hochgezogen worden war, um dort zu verrosten, sowie ein altes Pub mit Geschenkeladen.

Diesmal klappte es mit den Fotos einer beeindruckenden Landschaft!

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Auf dem Parkplatz vor der Brücke hielt ich kurz an, denn der ziemlich neue Territoriumsstein des MacKay Clans manifestierte die offensichtliche Verhaftung an endgültig Vergangenem.

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Es war erst gegen 15 Uhr, und so nutzte ich die Gelegenheit, auf der sehr gut ausgebauten Straße entlang des Loch Assynt zurück nach Lochinver zu fahren, um vielleicht doch noch das Assynt Visitor Centre zu besuchen. Diesmal fand ich es, und sah mir die gut gemachten Ausstellungen zu Geschichte, Wirtschaft und Tierwelt der Gegend an.

Dann wurde es Zeit nach Ullapool zurückzukehren. Einen Zwischenstopp beim Ardvreck Castle legte ich noch ein, um bei schönem Wetter Bilder aus der Nähe zu machen.

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Als ich zurückkam, fiel mir auf, dass der linke Seitenspiegel der NC deutlich nach innen geklappt war. Ein Mann eilte auf mich zu und erzählte mir, dass ein Mietwagen beim Ausparken gegen die NC gestoßen war und sie umgeworfen hatte. Danach wäre der Fahrer einfach weggefahren. Er hätte sich die Nummer gemerkt und wollte sie mir auf einen Zettel schreiben. Ich kramte ein Blatt hervor und er kritzelte die Daten darauf. Eine rasche Begutachtung des Motorrades zeigte, dass der Umfaller einige kleinere Dellen am Auspuff hinterlassen hatte. Der Sporn des Seitenständers hatte sich wohl beim zur-Seite-kippen unter der hinteren Stoßstange des Autos verfangen und war dabei stark nach unten gebogen worden. Rote Plastikteile auf dem Boden deuteten auf ein zerbrochenes Rücklicht des Autos hin. Alles in allem war die NC erstaunlich gut davongekommen. Probeweise startete ich den Motor – er lief absolut rund. Zumindest damit schien alles in Ordnung zu sein. Ich bedankte mich bei dem freundlichen Mitmenschen und begab mich auf den Weg nach Ullapool, wo ich umgehend die Polizeistation aufsuchte, um Meldung zu machen. Da keiner öffnete, fragte ich nebenan, wo ich denn den Police Officer finden könnte. Das wussten die leider auch nicht, aber ich erinnerte mich, dass ich gestern Abend einen Officer bei der Regelung des Verkehrs am Hafen gesehen hatte. Da es ungefähr die gleiche Zeit war, fuhr ich dorthin, und da stand er dann auch und dirigierte fachmännisch LKWs samt Anhänger auf die Fähre nach Stornoway. Ich hielt inmitten der Kreuzung an und fragte ihn, wo ich einen hit-and-run incident melden könne. Er bat mich zur Seite zu fahren, damit die Verladung der LKWs ohne Verzögerung weitergehen konnte und funkte umgehend seine Kollegen an, die gerade auf Streife waren. Danach wies er mich an, in einigen Minuten beim Posten zu sein, was ich auch machte.

Die Polizistin war überaus freundlich und korrekt. Sie schrieb ein fünfseitiges Protokoll per Hand und bat mich anschließend, die Versicherungspapiere von Perth Motorcycles aus dem Hotel vorbeizubringen, damit sie eine Fotokopie machen konnte. Die Prozedur dauerte knapp 90 Minuten, dann war das auch erledigt. Im Hotel angekommen, rief ich Perth Motorcycles an und gab die Meldung durch. Die einzige Frage die gestellt wurde war, ob die NC noch fahrtauglich sei. Da sie das uneingeschränkt war, sei der Schaden kein Thema bis zur Rückgabe des Motorrades, wo man sich das Ganze dann ansehen wolle. Ich hoffe zumindest, dass ich den Seitenständer nicht ersetzen muss, denn der müsste von den 375 Pfund bezahlt werden, die ich als Versicherungsselbstbehalt bei der Übernahme hinterlegen musste.

Und so ging ein schöner Tag etwas verschnupft zu Ende.

Zwei Bilder vom Caledonian Hotel möchte ich noch einstellen: Das erste zeigt den Stiegenaufgang mit schlecht verlegtem Tartanmuster – man muss ja seinem Hotelnamen gerecht werden; das zweite eröffnet Einsichten in das verrottete Fenster meines Zimmers. Ich frage mich, wie lange das schon nicht geöffnet worden war, denn einen derartigen Schaden kann man wohl nicht ignorieren! Aber vielleicht irre ich mich…

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Tag 3 der Schottlandtour: Thurso – Ullapool (15. Juli 2013)

Tag 3

Die Nacht über hatte es geregnet, am Morgen war die Luft wunderbar klar und angenehm kühl – es zeichnete sich gutes Motorradwetter ab. Ein erster Blick aus dem Fenster fiel auf die soeben einlaufende Fähre zwischen den Orkney Inseln und Scrabster, dem kleinen Hafen bei Thurso, die täglich durch den gefährlichen Pentland Firth mit seinen heftigen Strömungen und unberechenbarem Wetter navigiert. Ein ausgiebiges Frühstück bereitete mich auf eine lange Tour vor, das Packen und Aufsatteln war schnell erledigt und los gings Richtung Durness. Ein großartiger Regenbogen hob sich von den Hügeln und Buchten ab; er sollte mich den Morgen über begleiten. Die Straße war teilweise noch feucht, ließ sich aber gut befahren – es blieb genügend Gelegenheit die einsame Umgebung zu bestaunen. Einzig der bisweilen heftig von der See her blasende Wind erwies sich als mühsam. Ab und zu tauchte eine Telefonzelle auf, die völlig verloren im Nirgendwo stehend Rückschlüsse auf vorhandene menschliche Anwesenheit zuließ. Auf einer Anhöhe kam mir ein in Regenumhänge gehülltes Paar aus England auf Fahrrädern heftig strampelnd entgegen. Sie erzählten mir, dass sie von Land’s End im Südwesten Englands aufgebrochen waren und bis John o’Groats im Nordosten Schottlands kommen wollten. Hut ab, kann man da nur sagen!

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Absolut beeindruckt war ich von den großartigen und einsamen Sandstränden, die sich oft unvermittelt hinter einer Straßenbiegung dem erstaunten Betrachter darboten: Strathy Bay, Armadale Bay, Farr Bay bei Bettyhill und die Mündung des River Naver, die sich mit einem traumhaften Regenbogen noch zusätzlich schmückte.

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Über die Brücke des Kyle of Tongue führte die Route zum Loch Eriboll, einer absolut einsamen, verlorenen und wunderbar gelegenen Meeresbucht. Eine zwischen großen Felsen eingebettete single track road führt um den Loch herum, vorbei an der Halbinsel Ard Neakie, auf der sich das verlassene Hafengebäude der bereits 1890 eingestellten Fähre befindet.

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Das Wetter hatte sich mittlerweile verschlechtert; Nieselregen setzte ein. Vereinzelt kamen mir Wohnmobile entgegen, und wir nutzten vorschriftsmäßig die Ausweichbuchten, um einander mit einer freundlichen Geste vorbeizulassen. Einzig ein netter Zeitgenosse aus Belgien war mit seinem schwarzen Audi wie auf einer Autobahn unterwegs und raste mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit die enge und kurvige Straße entlang. Ich sah ihn kommen, hielt an und hoffte mehr als ich erwartete, dass er die Ausweichbucht nutzen würde. Dem war aber nicht so, und der Luftzug des knapp zehn Zentimeter an mir vorbeifliegenden Autos brachte mich beinahe aus der Balance. Immerhin hatte ich damit gerechnet und war vorbereitet gewesen.

Knapp vor Durness bei Rispond und Sangobeg gab es nochmals herrliche Sandstrände.

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In meinem Tourbuch hatte ich die Smoo Cave als Sehenswürdigkeit markiert. Es handelt sich dabei um eine Höhle, die bereits vor 5000 Jahren bewohnt worden war. Am Parkplatz befand sich eine Toilette, die beim ‚Loo of the Year Award‘ immerhin drei Sterne erhalten hatte. Ich musste über diese britische Skurrilität schmunzeln.

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Der Regen war mittlerweile stärker geworden, und der Abstieg zur Höhle erwies sich als ziemlich rutschig. An einem verfallenen croft vorbei ging es zur erstaunlich großen Höhle, die u.a. einen unterirdischen Wasserfall aufweisen konnte. Geführte Schlauchboottouren, bei denen sich die Teilnehmer an verankerten Seilen entlangziehen konnten, wurden von sportlichen, jungen Leuten angeboten. Ich lief ein wenig in der Höhle umher, machte Fotos und stieg nach einer kurzen Pause wieder zur NC hoch.

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Durness erwies sich als kleiner, langgestreckter Ort, der nicht weiter ansprechend war. Ich bog nach Norden zur Balankeil Bay ab, da es sich dabei um einen der schönsten Sandstrände Schottlands handeln sollte. Ich wurde nicht enttäuscht und verweilte einige Zeit, wobei ich mir eine Pfeife stopfte und beim Rauschen des Meeres und gelegentlichem Pfeifen des Windes die Landschaft genoss.

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Das Wetter wurde nun zunehmend schlechter. Eine dichte Wolkendecke und zeitweiliger stärkerer Regen beeinträchtigten die Sicht und das Fahrverhalten der NC. Aber es waren gerade die Wolkenformationen und das diffuse Licht, die die karge Schönheit der Landschaft großartig zur Geltung brachten – diese Art Wetter gehört nun mal zu Schottland dazu.

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Beim Loch Inchard bog ich Richtung Kinlochbervie ab. Die Küstenorte leben nach wie vor von der Fischerei und in den Lochs werden Austern- und Lachszucht betrieben. Zahlreiche Schafe treiben sich ungehindert neben und auf den engen, kurvigen Straßen umher, sodass für den Fahrer ständige Aufmerksamkeit höchst angebracht erscheint. Aufgrund des Wetters und der noch vor mir liegenden längeren Strecke, kehrte ich in Kinlochbervie um, obwohl ich eigentlich vorgehabt hatte, die Sandstrände bei Oldshoremore zu besuchen. Vielleicht ergibt sich irgendwann nochmals die Gelegenheit das nachzuholen.

Ein paar Meilen vor Scourie folgte ich der singe track road nach Fanagmore und Tarbet. Abgesehen von zahlreichen Schafen, die mitten auf der Straße stehend in Seelenruhe den ankommenden Motorradfahrer begutachteten und dabei den brüchigen Asphalt mit ihren Hinterlassenschaften verzierten, einer sehr unwirschen Kuhherde, die äußerst missbilligend das rote Motorrad beäugte und erst dann bereit war den Weg freizumachen, als ich nach einigen Minuten Pause und der Klarstellung meinerseits, keinen Stier vor mir zu haben, wieder langsam anfuhr, und diversen Meeresbiologen, die sich von Tarbet auf die Insel Handa übersetzen ließen, war ich alleine unterwegs. Wer Einsamkeit sucht, wird hier fündig. Es war genau das Schottland, das der Lone Wolf Biker gesucht hatte!

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Nach dieser schönen Runde fuhr ich zügig Richtung Ullapool weiter und machte nur noch kurz beim Aussichtspunkt vor der Kylesku Brücke sowie beim Ardvreck Castle Halt.

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In Ullapool angekommen, checkte ich im Caledonian Hotel ein. Offensichtlich war 15 Uhr 45 zu früh, um sein Zimmer zu beziehen, denn ich wurde gebeten noch etwa 20 Minuten zu warten, während das Zimmer vorbereitet wurde. Das ließ sich bewerkstelligen. Ich parkte die NC hinter dem Hotel, deponierte meine Sachen bei der Rezeption und machte mich auf die Suche nach einem Pub, um etwas zu essen. Nach Bezug des Zimmers entspannte ich mich eine Weile, bevor ich die Hafenstraße entlangschlenderte. Zwei Bagpipers luden zum abendlichen Ceilidh, die Fischer deponierten ihren Fang im Kühlhaus beim Hafen, und ich bewunderte doch tatsächlich Palmen im hohen Norden. Dem Golfstrom sei Dank!

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Ein stimmungsvoller Sonnenuntergang – die Fotos wurden gegen 22 Uhr 10 gemacht – beendete diesen wirklich schönen Tag.

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Tag 2 der Schottlandtour: Drumnadrochit – Thurso (14. Juli 2013)

Tag 2Nach einem umfangreichen schottischen Frühstück bestehend aus Rührei, Würstchen, Black Pudding, gebackenen Bohnen, gerösteten Champignons, Toastscheiben und diversem kontinentaleuropäischen Allerlei fuhr ich gegen 8:30 Uhr los Richtung Thurso. Die Strecke war anfangs unspektakulär und die Nähe von Inverness machte sich sowohl im verstärkten Verkehr als auch den dichteren Industrieansiedlungen bemerkbar. Nach Dingwall fuhr ich auf die A9, überquerte die Durnoch Firth Bridge, und wurde kurz danach von einem Schild „Scenic Coastal Road“ auf die Straße nach Dornoch und Embo gelockt, da ich nicht sehr erpicht darauf war, die nächsten Stunden auf einer Schnellstraße zu verbringen. Durnoch erwies sich als eine nette, alte Ortschaft ohne besondere Höhepunkte. Als ich jedoch auf die Nebenstraße Richtung Embo abbog, passierte das, was ich unbedingt vermeiden wollte: Ich geriet auf die rechte Straßenseite und wunderte mich kurz darauf, warum der Lieferwagen, der mir entgegen kam, partout nicht ausweichen wollte. Ein heftiger Linksschwenk brachte die NC zum Glück rechtzeitig auf die gesetzlich vorgeschriebene Straßenhälfte; mein Pulsschlag hatte sich dabei allerdings kurzfristig vervielfacht… Nach dem unerfreulichen Zwischenfall sah ich mich gezwungen eine kurze Pause einzulegen, um den Blutdruck wieder auf erträglichere Werte zu reduzieren – die Lust auf einen ungeplanten Ausflug auf Nebenstraßen war mir vergangen. Gleichzeitig erinnerte ich mich an den Verkehrshinweis samt den dazugehörigen Pfeilmarkierungen auf der Straße, die die vorausschauenden Briten für unbedarfte Kontinentaleuropäer beim Loch Ness Centre wohl nicht ohne Grund angebracht hatten!

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Über diverse vom Navi gefundene Schleichwege fand ich erneut die A9 und folgte ihr bis Helmsdale. Die Küstenstraße war schon deutlich interessanter als der vorherige Streckenabschnitt, denn sie erwies sich als erstaunlich hügelig mit diversen Kurven und netten Steigungen. Zwischendurch fand sich die eine oder andere Kirche, aber meistens waren die Siedlungen sehr klein und unauffällig entlang der Küste verstreut.

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Bei der Emigrants Statue in Helmsdale hielt ich inne. Sie wurde zur Erinnerung an die Highland Clearances im 19. Jahrhundert errichtet und zeigt eine Familie, die in eine neue, ungewisse Zukunft aufbricht, nachdem sie vom Landeigner aus ihrem einfachen Steinhaus, ihrem „croft“, vertrieben worden war. Dieses sehr dunkle Kapitel in der Geschichte Schottlands wirft auch noch heute lange Schatten.

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Helmsdale

Kurz nach Helmsdale fand sich folgendes Hinweisschild:

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Ich parkte die NC, klemmte mein Sicherheitsschloss an den Ortliebsack und marschierte los. Auf einem schmalen Pfad ging es zuerst einen mit Heidegras bewachsenen Hügel hoch und danach relativ steil bergab zu den Resten eins Dorfes, das von Vertriebenen gegründet worden war.

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Für die Menschen waren der tägliche Kampf ums Überleben auf dem überaus kargen Boden und die Sorge, dass ihre Kinder und Haustiere die hohen Klippen hinabstürzen könnten, nahezu unerträglich. Aber die Wirtschaftsinteressen der Landeigner hatten Vorrang vor eventuell vorhandenen Rechten der crofters.

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Auf einer der ausgestellten Schautafeln fand sich eine Erläuterung, warum Menschen gezwungen worden waren, an dieser exponierten Stelle ihr Leben zu fristen:

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Ich folgte der Straße nach Wick, wo mir beim Ortsende ein 24 Stunden geöffneter Tesco samt Tankstelle ins Auge viel. Ein kurzer Blick auf die Tankanzeige zeigte noch zwei Striche, genug also, um bis Thurso zu kommen. Schließlich gab es ja in John o’Groats und Castletown Tankstellen, falls der Sprit knapp werden sollte. In John o’Groats angekommen, fuhr ich von der Straße ab und stellte die NC vor der einzigen Zapfsäule des Ortes ab, um gleich darauf ein kleines Schild an der Tür des Ladens mit der Aufschrift ‚Closed Sundays’zu entdecken. Jetzt fing das Nachrechnen an: Der Duncansby Head und die Sehenswürdigkeiten Geo of Sclaites, Thirle Door und Stacks of Duncansby lagen zwei Meilen zu meiner Rechten, das Castle of Mey war sieben Meilen, Castletown 15, der Dunnet Head und Thurso 20 Meilen entfernt. Meine Tankanzeige blinkte schon seit geraumer Zeit, und so entschied ich mich, weiter Richtung Thurso zu fahren, da ich hoffte in Castletown bzw. am Zielort tanken zu können. Im besten Spritsparmodus rollte ich Richtung Westen und erreichte nach einiger Zeit Castletown mit seiner leider ebenfalls sonntags geschlossenen Tankstelle. Jetzt wurde es brenzlig. Die Tankerinnerung auf meinem Navi befand sich im mittleren einstelligen Bereich, und als ich schließlich Thurso und seine zum Glück geöffnete Tankstelle erreichte, war noch Sprit für 0,3 Meilen im Tank. Das war sich gerade noch mal ausgegangen! Nach einigem Herumfragen fand sich schließlich auch die Weigh Inn Lodge, wo ich ein nettes Zimmer zugewiesen bekam. Ich verstaute mein Gepäck und schwang mich wieder in den Sattel, um die verpassten Sehenswürdigkeiten aufzusuchen. Bei der Fahrt nach Thurso waren mir die grünen Dünen der Bucht von Castletown aufgefallen, und ich bog in die Harbour Road ab, um mich ein wenig an den Strand zu setzen, ein Pfeifchen zu schmauchen und mich an der Kulisse von Dünen, einsamem Sandstrand und den 100 Meter hohen Klippen des Dunnet Head, des nördlichsten Punktes von ‚Mainland Britain‘, zu erfreuen.

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Nach einer kurzen Pause zog es mich zum Dunnet Head. Bereits der Weg dorthin war großartig! Eine single-track road, schöne Kurven und spektakuläre Felsformationen in Meeresbuchten, die zum Greifen nah waren. In den Klippen nisteten zahlreiche Vögel, die mit lautem Geschrei ihre Kreise zogen. Jenseits des Pentland Firth war die Insel Hoy, die zweitgrößte Insel der Orkneys, gut zu sehen. Zwischendurch fing es an leicht zu nieseln, von größeren Regenmengen wurde ich allerdings verschont.

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Vom Dunnet Head fuhr ich zum Castle of Mey, dem Schloss der Queen Mum, das sie nach dem Tod ihres Mannes in den 1950ern erstand und umbauten ließ. Eine Busladung Highland Pipers in voller Montur lief auf dem Parkplatz und im Cafe herum, allerdings waren die Leute nicht aus Schottland sondern aus dem Südwesten der Bundesrepublik – es ist nicht überall Schottland drin, wo Schottland draufsteht! Leider war es nicht mehr möglich, das Schloss zu besichtigen, da mich die Tanktour nach Thurso zuviel Zeit gekostet hatte, aber einen kurzen Besuch des Schlossvorplatzes ließ ich mir nicht nehmen.

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Vom Castle of Mey fuhr ich zurück nach John o’Groats und zum Duncansby Head, parkte die NC zwischen Wohnmobilen aus der Schweiz und Italien und machte mich auf den Weg zur Geo of Sclaites, dem Thirle Door und den beeindruckenden Stacks of Duncansby.

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Auf der Rückfahrt nach Thurso besorgte ich mir bei McColl’s in Castletown Brot, Wurst, Käse und Bier für mein Abendessen, tankte nach Ankunft in Thurso die NC nochmals voll, quartierte mich häuslich im Zimmer ein, und sah mir nach einem Tag intensiver Eindrücke noch ein Europameisterschaftsspiel der deutschen Frauennationalmannschaft im Fernsehen an.